Ingenieureskapaden – Das Super-C

Das SuperC ist das Service-Zentrum der RWTH Aachen, das unmittelbar neben dem Hauptgebäude steht und die meisten Dienstleistungen für Studierende unter einem Dach vereint. Vom Studierendensekretariat über das Akademische Auslands- und Prüfungsamt bis hin zu einem Career Center sind alle Einrichtungen, die bislang weit über viele Gebäude verstreut lagen, an zentraler Stelle zusammengefasst. Darüber hinaus finden sich in dem Gebäude großzügige Flächen für Begegnung und Informationsaustausch, Ausstellungsflächen, Tagungs- und Seminarräume, um einen lebendigen Treffpunkt im Kernbereich der Hochschule zu schaffen.

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Das sagt also Wikipedia über den aktuellsten Repräsentanzbau der RWTH Aachen. Eine zentrale Anlaufstelle für alle Belange der Studierenden war selbstverständlich überfällig, wenn man bedenkt, dass die verschiedenen Einrichtungen mehrere Kilometer voneinander entfernt lagen. Ebenfalls gut ist, dass dieses Gebäude sehr zentral liegt („neben dem Hauptgebäude“) und damit wirklich von jedem Studierenden bestens erreichbar ist.
So viel also zu den positiven Aspekten des Gebäudes. Kommen wir nun zu den Kritikpunkten:

1. Die Lage ist, wie erwähnt, sehr gut für so ein funktionales Gebäude. Leider wurde für meine Begriffe doch wirklich sehr viel Platz verschwendet, der insbesondere für den Bau neuer Hörsaalgebäude an dieser Stelle nützlich gewesen wäre. Glücklicherweise wird direkt im Rücken des Super-C das alte Heizkraftwerk der Uni in ein kleines Hörsaalgebäude umgeschustert. Immerhin etwas. Um aber nochmal auf die Platzverschwendung zu kommen:

2. Die Form des Gebäudes ist in meinen Augen ein echter Witz. StudiVZ-Gruppen wie „Was macht die große Bushaltestelle neben dem Hauptgebäude?“ bringen es schon ziemlich auf den Punkt. Dieses Gebäude ist nicht viel mehr als ein überdimensioniertes Dach, unter das man sich bei dem typischen Öcher Wetter gerne mal unterstellen kann. Dass das nicht immer funktioniert erläutere ich im nächsten Punkt. Aufmerksame Leser (insbesondere jene, die sich das Bild mal genauer angeschaut haben) werden sich nun vermutlich fragen: Warum heißt das Gebäude Super-C, wenn es die Form einer riesigen Bushaltestelle hat? Man könnte das Gebäude ebensogut „Super-umgedrehtes-L“ nennen, aber das ist nicht so… griffig. Insider (im wahrsten Wortsinne) berichten mir jedoch, dass sich im Untergrund des Vorplatzes des Super-C noch ein sehr großer, dem Gebäude angeschlossener, Raum befindet. Würde man das Gebäude also gut 5m anheben, sähe man im Querschnitt tatsächlich ein C. Tut man aber nicht, also belassen wir es bei „Super-umgedrehtes-L“ oder „Bushaltestelle“.
Da nun die Nomenklatur geklärt ist, muss ich natürlich noch etwas rumnörgeln und dabei kurz mathematisch werden.
Wir befinden uns inmitten des Uni-Geländes und bauen ein tolles Gebäude, wo Studenten ganz viele tolle Sachen machen können. Das Grundstück ist circa 50x50m, also 2500m². Kann auch etwas mehr sein, aber der Anschaulichkeit halber rechne ich mit diesen Werten. Das Gebäude darf maximal 6 Stockwerke haben, damit es das nebenstehende Hauptgebäude nicht überragt. Meinetwegen. Macht eine Gebäudehöhe von bis zu rund 20m. Idealerweise könnte man also auf dem Grundstück ein Gebäude mit 6 Stockwerken bauen, also hätten wir eine Nutzfläche von bis zu 15000m². Der Steg, also die Aufstandsfläche, des Gebäudes beträgt nun effektiv aber nur etwa 15x50m. Das macht also eine Grundfläche von 750m². Nun beinhaltet der Steg 5 Stockwerke, das macht also 750m²x5=3750m². Die oberste Etage, der Flansch, des Gebäudes nutzt wieder die gesamte Grundfläche aus, also 2500m². In der Summe haben wir also rund 6250m² Nutzfläche. Das sind nur etwa 42% der maximal möglichen Fläche. Ergo: Den Platz hätte man viel sinnvoller nutzen können. Es soll auch repräsentative Bauten geben, die annähernd kubisch sind.
Ein letzter Kommentar noch zu der Statik: Aufgrund der Form dürfen in die 6. Etage maximal etwa 300 Personen. Schon toll, wenn man bedenkt dass da oben 2 großzügig dimensionierte Konferenzräume sind.

3. Nicht einmal rudimentäre Funktionen erfüllt dieses Gebäude. Wer versucht, sich unter dem gigantischen Dach unterzustellen, wird unter Umständen nass. Nicht aufgrund heftiger Winde, sondern schlicht und ergreifend, weil das Gebäude nicht dicht ist. An 2 Stellen (Nach neuerlicher Reparatur nur noch an Einer. Yeeeah.) kommt das Pani einfach mal von der Decke gesifft. Und das auch nicht zu wenig.

4. Kurz nachdem die Universitätsangestellten ihre Büros bezogen hatten, klagte ein nicht unerheblicher Teil von ihnen über Atemwegsprobleme und Hautreizungen. Schuld hieran sollen diverse Ausdünstungen von Baumaterialien sein. Kann ja keiner ahnen.

5. Ein guter Grundgedanke des Super-C war, es mit Erdwärme (auch Geothermie genannt) zu beheizen. Dafür wurde bei Baubeginn ein 2,7km tiefes Loch gebohrt, um eine Erdwärmequelle zu erschließen. Dummerweise war plötzlich kein passendes Rohr mehr zu bekommen. Das ursprünglich vorgesehene Kunststoffrohr machte bei einem Versuch die Biege. Jetzt haben wir ein 2700m tiefes Loch in Aachen. Ist doch auch was.
PS: Irgendwann soll das aber mal funkionieren, heißt es vom Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW.

6. Mein letzter Kritikpunkt gilt einer Einrichtung im Erdgeschoss. Dort wurde direkt neben dem Bistro im Hauptgebäude und gegenüber von der Cafete im Karmán-Auditorium und in unmittelbarer Nachbarschaft zur Pontstraße, der Fressmeile Aachens, ein weiteres Café eingerichtet. Unterhalten wird dieses vom Studentenwerk Aachen. Erwähnt werden sollte hier, dass sämtliche Cafeterien des Studentenwerks defizitär sind und nur durch Subventionen am Leben gehalten werden können.
Naja, da kann ein weiteres Café ja kaum schaden.
Achja: Der Kaffee schmeckt mir mal so gar nicht da. Lavazza hin oder her: Bäh.

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