Archiv für Dezember, 2009

Theodizee 101

Posted in smile and look alive on 19. Dezember 2009 by Herr Grau

Das Theodizeeproblem hat schon einige haarsträubende Erklärungsversuche hinter sich; jeder intelligente Mensch stößt mit etwa 5-12 Jahren auf die Frage, wie Übel und Gott vereinbar sind und kommt in etwa in dem selben Alter auch auf einzige plausible Antwort (entschuldigung Herr Leibnitz, Herr Hegel), nämlich dass es als notwendige Folge der Freiheit des Menschen gedacht werden muss.  Dass alle Überlegungen gar nicht den Grund des Problems angreifen, ist irgendwie überraschend; denn die Freiheit des Menschen führt nur zu so viel Übel, weil er, das Ebenbild Gottes, im Naturzustand ein egozentrisches, neidendes und geiles Tier ist. Warum das so ist, müsste die eigentliche Frage sein.

Wie nennen wir eigentlich jemanden, der den zurückgebliebenen Krüppeljungen ärgert? Wie jemanden, der einem Hungrigen Essen hinstellt mit der Auflage, es nicht zu essen? Wie nennen wir ein Weibstück, das eine knapp bekleidete und herausfordernd willige Schönheit anheuert, nur um zu testen, ob man treu ist? Wie nennt man einen Herrn, der seinen Knecht die Familie tötet, alles nimmt und mit Geschwüren schlägt, um einen Punkt zu machen? Wie nennt man den Gott, der den Teufel erschafft?

Und mal ganz nebenbei: Matthäus 5:17 ist interessant im Bezug auf die Gültigkeit des Alten Testaments für Christen.

Bau eines endgültigen Röhrenverstärkers – Vergießen von Koppelkondensatoren

Posted in Angewandte Wissenschaft, Röhrenverstärker, smile and look alive on 17. Dezember 2009 by Herr Grau

Ich habe hier bereits einen Abschnitt über Koppelkondensatoren geschrieben. Da sie direkt im Signalweg liegen, ist ihre Qualität nicht unbedeutend. Sie hat direkten Einfluss auf den Klang eines Verstärkers und wollen daher mit Bedacht gewählt werden. Zwar gilt Teflon als das beste Dielektrikum für diese Anwendung, doch nimmt den knappen zweiten Platz bereits Polystyrol ein. Von Oppermann Electronics habe ich mir 40stk 47nF Styrolflex-Kondensatoren für insgesamt nur 10,60€ besorgt. Da ich allerdings 250nF brauche, war es nötig, jeweils fünf parallel zu schalten und zu vergießen. Mit 1,325€ für eine Fünfereinheit war der Preis ein starkes Argument, kosten doch bei momentanem Kurs Teflonkondensatoren gut das Zehnfache und mehr.

Als Behältnis dienen Abschnitte einer Papprolle, auf der Alufolie aufgewickelt war (die sind erstaunlich schwer in gerade Stücke zu zersägen!). Vergussmaterial ist reines Bienenwachs, das im Moment in jedem größeren Supermarkt in Kerzenform erhältlich ist. Preis für das Wachs für acht Kondensatoren: 2,50€. Es hat den Vorteil, völlig ungiftig, verfügbar, gut zu verarbeiten und hervoragend isolierend zu sein. „Cera Flava“, wie Bienenwachs wissenschaftlich heißt, wird schon sehr lange mit gutem Erfolg in der Elektrotechnik eingesetzt. Geschmolzen habe ich das ganze  in einem kleinen Tiegel aus Alufolie im Wasserbad. Die untere Seite der Papprohre wurde mit einem Stück Karton versiegelt.

Alles in allem kam das ganze auf 1,64€ pro Koppelkondensator aus. Schnäppchen, würde ich behaupten.

Bilder:

Diese Anordnung erinnerte mich an die nuklearen Sprengköpfe, die ich auf Fotos gesehen habe… Irgendwie hat das was.

Den Wachs zu granulieren beschleunigt das Schmelzen

Leere Flaschen bieten sich als Kondensatorbecherhalter an

Bienenwachs schmilzt bei etwas über 60°. Er beschädigt daher die Bauteile nicht und härtet schnell aus. Dazu riecht er auch noch gut.

Studentenfutter – Das Ding aus dem Kühlschrank

Posted in Studentenfutter on 17. Dezember 2009 by Herr Grau

Im Gegensatz zu gestern, wo es um Perfektion ging, war das Thema gerade eher „Ob man das wohl essen kann?“

Eben gemacht, wirklich ziemlich erträglich: Eine Studentenvariante der Carbonara: Nudeln aufsetzen, Schinkenspeckwürfel in Ölivenöl mit Knoblauch anbraten. Nebenbei vorbereitet: 1 Ei mit Salz, Pfeffer und zwei Scheiben zerschnibbeltem Cheddar-Sandwichkäse verschlagen. Einen EL Nudelwasser mit in die Pfanne geben zum Abbinden, Pfanne vom Feuer nehmen, dann Nudeln abießen und in die Pfanne schütten. Käse-Ei-Mix unterrühren. Es hat erstaunlich unschlecht geschmeckt.

Es ist auf jeden Fall ein würdiges Mitglied in der Familie jener schmackhaften Sportspeisen, die nie im Leben Sodbrennen oder hohes Cholesterin auslösen würden.

Da meine Freundin auch eine Portion wollte, gibt es doch noch ein Photo. Allerdings ist das die Sauce etwas viel, da man die Einheit „1 Ei“, die sich auf 140g Nudeln bezieht, schlecht verkleinern kann.

German Heaven – Perfekter Burger

Posted in German Heaven, Studentenfutter on 16. Dezember 2009 by Herr Grau

Wieee jezz? Burger in der German Heaven-Sektion? Ja genau. Die historische Diskussion über den Ursprung des Burgers ist nicht geklärt, aber jeder Mensch mit Verstand sieht die deutsche Handschrift auf jeder einzelnen Zutat. *hust* Auf jeden Fall teile ich heute mein persönliches Geheimrezept, was dem Ganzen auf jeden Fall den Stich deutsche Persönlichkeit einhaucht, den es braucht, um in dieser Kategorie erscheinen zu dürfen.

Nicht nur in Anbetracht dessen, was die Fast-Food-Ketten verzweifelt als Burger zu verkaufen versuchen, könnte man auf die Idee kommen, dass es bei der Zubereitung auf nichts Besonders ankäme. Das Gegenteil ist der Fall. Burger sind an einigen Eckpunkten kritisch und ich werde zeigen, was ich über Jahre im Selbstversuch lernen musste.

1. Fleisch

Hier lauern direkt mehrere Fehler auf den arglosen Carnivoren. Die Zusammensetzung des Hackfleischs ist essentiell, ebenso wie die Menge des Fleischs und der Verarbeitungsmodus.

Das Burgerfleisch sollte idealerweise aus Rinderfleisch und Schweinefleisch im Verhältnis 2:1 bestehen. Ein Schweineanteil wie im Halbundhalb macht zu siffige Fleischstücke. Die Qualität des Fleisches ist sehr wichtig für den Gesamtgeschmack des Burgers. Hüfte ist nicht gleich Hüfte, Filet nicht gleich Filet – der Gang zum Metzger des Vertrauens lohnt doppelt. Im Idealfall kommt der Anteil des Rindfleischs aus dem Roastbeef, das Schweinefleisch sollte nicht zu mager sein. Das gesamte Fleisch sollte möglich doppelt und dabei recht fein gewolft werden. Gewürzt wird das Fleisch nur mit Salz und Pfeffer, davon aber ruhig reichlich.

In Feldversuchen exzerpiert wurde die richtige Fleischmenge. Anfänger tendieren dazu, zu große Fleischberge auf die Burger zu packen, was das Gleichgewicht der Speise erheblich stört. Als ideal erwiesen hat sich für das 12cm-Format der klassische Quarterpounder, also 125 Gramm Fleisch.

Vor dem Braten sollte das Fleisch gefrostet werden. Dass das Fleisch gefroren in die Pfanne oder auf den Grill geht verhindert – warum auch immer -, dass die Patties „aufgehen“, sich also in der Mitte auswölben. Auch sehr wichtig für einen guten Burger.

2. Zutaten und Reihenfolge

Viele Leute meinen, dass das schöne am Burger sei, dass man ihn individuell zusammensetzen könne. Ich bin von dieser Idee abgekommen. Der Grund ist, dass eine bestimmte Zusammensetzung von Zutaten in einer bestimmten Reihenfolge einfach wesentlich besser als alles andere funktioniert. Diese Erfahrung wurde von vielen Leuten bestätigt.

Wir brauchen: Burgerbrötchenunterseite, normalen Ketchup, Eisbergsalat, Burgerfleisch, Cheddarkäse, Bacon, Zwiebeln, Röstzwiebeln, dänische Remoulade und Burgeroberseite. Und zwar genau in dieser Reihenfolge.

Um einen Richtfaden für die Menge der Zutaten zu geben (und natürlich um allen den Mund gediegen wässerig zu machen), habe ich eine schöne Bilderserie zusammengestellt.

Um ein perfekt getoastetes Brotergebnis zu erhalten, muss man seinen Backofen kennen; meiner braucht auf 200°C Umluft etwa vier bis viereinhalb Minuten (vorgeheizt). Ich nehme die großen Burgerbrötchen von Golden Toast.

Der Ketchup sollte, wie die Remoulade auch, noch verstrichen werden.

Zur Besseren Verteilbarkeit und damit er sich nicht so aufbiegt, lohnt es, den Eisbergsalat kurz etwas zu hacken.

Fleisch braten muss einfach gekonnt sein; 2 Minuten pro Seite reichen aus; dabei wird darauf geachtet, dass der Patty gedreht wird, sobald er sich von selbst vom Rost/Pfannenboden löst. Der Käse wird nach dem letzten Wenden aufgelegt und sollte möglichst etwas schmelzen. In der Pfanne nicht so einfach…

Röstzwiebeln am besten auf die Remoulade streuen, so halten sie. Bacon natürlich vorher anbraten.

Go. Do it.

DIY – Röhrenverstärker für Anfänger durchgeplant

Posted in Angewandte Wissenschaft, Röhrenverstärker, smile and look alive on 12. Dezember 2009 by Herr Grau

Im Progress meines laufenden Verstärkerbaus habe ich auch einen Verstärker komplett geplant, der meine Grundkriterien (Röhrengleichrichter, KT88) erfüllt, allerdings ein Single Ended-Projekt ist. Da von einer KT88 getrieben, dürfte er aber für normalen Heimbedarf immer noch ausreichend Kraft mitbringen. Es handelt sich um die Schaltung von Mikael Abdellah, leicht abgewandelt von Alex Gendrano (Projekt), die für 385€ realisierbar ist (eigentlich sogar noch viel weniger, wenn man noch günstigere Widerstände und Kondensatoren wählt) und als sehr gut gilt.

Da es sich für Anfänger (extrem wenige Bauteile) und Kostenbewusste ziemlich ideal eignen würde, habe ich die Kanten ein bisschen rundgeschliffen und stelle im Folgenden eine vollständige Tabellenkalkulation über die benötigten Bauteile, Kosten und Distributoren zur Verfügung.

Download: XLS-Format

Schaltbilder: Verstärker und Stromversorgung

Achtung: Der 5H-Choke im Verstärkerschaltbild wird, um bessere Stabilität zu gewährleisten (und nebenbei viel Schotter zu sparen), durch einen 100R 5W-Widerstand ersetzt. Die Stromversorgung muss nur einmal gebaut werden, der Verstärker natürlich zweimal (einmal pro Kanal). Die beiden Kanäle teilen sich in der Vorstufe eine Doppeltriode. Damit das ganze so günstig wie möglich bleibt, habe ich bei meiner Kalkulation auf eine Aufteilung in Monoblöcke verzichtet. Ich habe bei der Auswahl der Bauteile versucht, einen guten Kompromiss zwischen Qualität und Kosten zu finden; die Bauteilwahl ist daher als Empfehlungen zu vertehen und kann selbstverständlich geändert werden. Das betrifft insbesondere die Ausgangsübertrager (Info Übertrager & Bauteile). Lautstärkeregler und Eingangswahlschalter habe ich nicht mit einkalkuliert. Ebenfalls sind Lötleisten und Gehäuse nicht enthalten.

Und natürlich:

OBACHT! Die Spannungen in einem Röhrenverstärker sind sehr hoch und können auch gut mal lebensgefährlich sein. Wer also keine Ahnung davon hat, wie man nicht in angeschlossene Geräte fasst, sollte sich davon dann doch fernhalten. Kondensatoren führen auch nach der Trennung vom Netz noch Strom!

Ich hafte nicht für Schäden.

DIY – Cinchkabel

Posted in Angewandte Wissenschaft, smile and look alive on 12. Dezember 2009 by Herr Grau

Viele Leute halten die Kabel, welche ihre Audiokomponenten verbinden, für wichtig. Ob Kabel überhaupt einen Einfluss auf den Klang des Systems haben, ist nicht wirklich geklärt, aber meiner Meinung nach sollte man alle Möglichkeiten in Betracht ziehen. Zumindest sollte man versuchen, die Kabel so kurz zu halten, wie möglich und vernünftige Stecker verwenden (vergoldet ist wieder mal gut, weil es nicht oxidiert).

Kabeltheorie ist nicht allzu kompliziert; das ideale Kabel ist so nah wie möglich an der Abwesenheit dieses Kabels. Das heißt, der Widerstand, die Kapazität und die Selbstinduktion sollte so nah wie möglich an null, die Einstrahlsicherheit an unendlich sein. In DIY-Kreisen ist schon lange bekannt, dass CAT-Kabel sehr nah am Ideal sind, da sie doppelt geschirmt sind und aus vier verdrillten Litzenpaaren bestehen, die wiederum verdrillt sind. Sowohl Selbstinduktion, als auch Einstrahlung wird so nahezu vollständig unterbunden. Solide Kuperlitzen reduzieren Widerstand und Kapazität ziemlich gut. Auch kommerzielle Kabel für hunderte von Euro machen das alles nicht viel besser.

Ich werde also hier zeigen, wie man aus CAT6-Kabel und Neutriksteckern ziemlich gute Verbindungskabel macht.

Schritt 1: Kabel gerade abschneiden

Schritt 2: Kabel abisolieren

Schritt 3: Schirmungen abschneiden

Schritt 4: Führungsstern freilegen und abschneiden

Schritt 5: Weiße und farbige Litzen trennen und alle abisolieren

Schritt 6: Stecker anlöten. Dabei werden die farbigen Litzen mit dem Pin des Steckers und die weißen Litzen mit dem Außenring verbunden.

Fertig.

Kabeldaten:

Gesamtquerschnitt / Kanal: 0,70mm²

Widerstand / Meter: 0,037Ohm

Kapazität / Meter: 196pF

Preis für ein 1-meter-Kabel: 4,36€ für Stecker + 1,84€ für 1 Meter Kabel = 6,20€

Basierend auf CAT6-Kabel von Conrad (Artikel 600171-LN) (Datenblatt)

German Heaven – Matjesbrötchen

Posted in German Heaven, Studentenfutter on 9. Dezember 2009 by Herr Grau

Original mit Rundstück oder Schrippe, bei mir eher mit Brötchensurrogatersatzextrakt von Aldi.

Hälften buttern, dann Salat, Matjes, Zwiebeln. Von allem reichlich. Absolut wunderbar. Gibt wenig Besseres.

Wunder aus den Tiefen der Festplatte #1

Posted in smile and look alive on 9. Dezember 2009 by Herr Grau

Bau eines endgültigen Röhrenverstärkers – 3 – Bauteilwahl

Posted in Angewandte Wissenschaft, Röhrenverstärker, smile and look alive on 7. Dezember 2009 by Herr Grau

3.1 – Ausgangsübertrager

Der Ausgangsübertrager ist ein Transformator, der das Signal der Röhren für die Lautsprecher nutzbar macht. Er ist das qualitätsbestimmende Bauteil an einem Röhrenverstärker. Die Auswahl ist also wirklich nicht einfach. Die eigentliche Schwierigkeit ist natürlich nicht das Geldausgeben als solches, sondern abzuschätzen, wer wieviel für das gezahlte Geld leistet. Ich habe hart mit mir gerungen, hing lange an Sowter Inc., entschied mich aber im Endeffekt für O/Netics (Kontakt), eine kleine Firma aus Washington, die mir einige Leute als Geheimtipp empfahlen. (Vorstellung der Übertrager findet sich hier) Gute Transformatoren kommen sonst z.B. noch von Reinhöfer, Retro Sound, Trafo-Baule, IG Präzisions-Wickeltechnik, Leszek Ogonowski, Welter, Jan Wüsten, Rondo Müller, Amplimo, AE Europe, Tribute, Majestic Inc., Plitron, Lundahl, Hashimoto…..

3.2 – Netztrafo

Ich kann nur die Ringkerntrafos, die Jan Wüsten vertreibt, empfehlen. Qualität ist super, Preis sehr fair und Kontakt wunderbar. (Fehlerkontrolle und Hilfe inklusive)

Man sollte auf jeden Fall Ringkerntrafos nehmen, sie sind technisch näher am Ideal als herkömmliche Trafos. Sedlmeier, Rondo-Müller und Tubeland wären auch noch Anlaufstellen, lohnt aber eigentlich nicht, sich die Mühe zu machen…

3.3 Koppelkondensatoren

Ein weiteres essentielles Bauteil sind die Kondensatoren die das Signal an die jeweils nächste Stufe weiterkoppeln. Die besten sind Teflonfolienkondensatoren, die der Russe mal gemacht hat, damit seine Soldaten sie sich vorne an die Gewehre stecken konnten. Oder so. Danach kommt Polystyrol. Dann wird das Feld undurchschaubar. Einige schwören auf Silber-Glimmer, da diese Kondensatoren so gut wie nicht mikrophonieren. Andere finden Zinkfolie super. Wieder andere würden am liebsten die Brocken hinschmeißen und den Rest ihres Lebens Bonbons lutschen, entscheiden sich auf Nachfrage aber doch für MKP. Teflon-Kondensatoren sind teuer, ebenfalls alles von Mundorf, Jensen und wie sie alle heißen. Bei 8 Stück, die man im Durchschnitt etwa braucht, ist das kein Pappenstiel. Für das kostenbewusste Ich blieb nur Polystyrol und Wima MKP 10. Polystyrol war günstiger und gilt als besser. Es gibt die Kondensatoren von Oppermann, man muss allerdings der maximalen angebotenen Kapazität wegen einige parallel schalten. Trotzdem mit 1,33€ pro „Kondensatoreinheit“ immer noch viel günstiger als der Rest.

Hier zeige ich das Aufbauen und Vergießen von gennanten Polystyrol-Kondensatoren.

3.4 Siebkettenbauteile

Jeder der o.g. Hersteller von Übertragern stellt im Prinzip auch Drosseln her. Ich kann die von Jan Wüsten gelieferten empfehlen, die Drosseln sind zwar recht grob gearbeitet, sind dafür aber unschlagbar günstig – und die Qualität einer Drossel in der Stromversorgung ist nicht wirklich entscheidend. Kondensatoren kamen für mich entweder Ölpapier oder Folie in Frage. Preislich gibt sich das nicht viel, Folie ist etwas kompakter und gilt technisch als besser, also entschied ich mich für Folie. Beide Kondensatortypen bekommt man ebenfalls bei Jan Wüsten. Kleiner Tipp: Überschreitet die Spannung in der Siebkette nicht 450V, so kann man von Darisus sehr günstig Motoranlaufkondensatoren beziehen; diese sind ebenfalls MKP-Kondensatoren und werden häufig für Netzteile empfohlen. Bei mir finden sich einige in der Bias-Versorung, für meine Versorgungsspannung war leider 630V Festigkeit Pflicht.

3.5 Widerstände

Was es mit dem Einfluss unterschiedlicher Widerstände auf den Klang auf sich hat, ist auch so eine Zauberkiste, die keiner so recht versteht. Der legendäre Howard Dumble (baut Gitarrenverstärker im fünfstelligen Preissegment, sucht sich seine Kunden unter Einsendern von Tapes aus und hat trotzdem noch jahrelange Wartezeiten) sagte mal in einem Interview, man sollte sich möglichst an Kohlemasse-Widerstände halten. Also hab ich das gemacht. Gute alte Vitrohm gibts bei…. Na? Wüsten. Genau. Für Widerstände, die gematcht werden müssen, nehme ich dann aber doch Präzisions-Metallfilmwiderstände, die ich mit den Lötleisten und dem anderen Kleinkram von Conrad bestelle (Kleiner Tipp: Immer vorher nach Gutscheinen für Conrad im Netz suchen, da lässt sich gerne mal ein Zehner sparen).

3.6 Röhren und Fassungen

Es gibt nur noch eine Hand voll Hersteller, die immer noch Röhren produzieren, dafür aber eine große Vielzahl von NOS (New Old Stock) Artikeln.

Das meiste neue Zeug kommt entweder von Reflektor (Gold Lion, Electro Harmonix,…), von JJ oder aus China. In der Reihenfolge kann sich der Laie auch die Qualität merken. Ich habe mich nach vielen guten Berichten für Electro Harmonix entschieden. Reflektor baut offenbar ziemlich gute Röhren. Die Röhren kann man z.B. von JAC Music, Tube Town oder Tubeamp Doctor beziehen. Jan Wüsten hat eine riesen Palette von NOS Röhren auf Lager.

Fassungen kann man auch fast überall bekommen. Ich brauchte für mein Projekt ausschließlich Oktalfassungen und habe bei Tube-Town Keramikfassungen mit vergoldeten Kontakten für 2,90€/stk gefunden. Das ist klasse. Vergoldete Kontakte oxidieren nicht und sind daher empfehlenswert.

3.7 Draht, Buchsen, Gehäuse

Ebenfalls von Tube Town kann man Gehäuse aus dem Hause Hammond beziehen. Sie kommen in verschiedenen Größen, zwei Farben und sind enorm preiswert. Ähnliche Preiskategorien sind mir sonst noch nicht untergekommen. Buchsen kann man nehmen, was man will, vergoldet ist mal wieder nicht falsch. Ich nehme die großen Neutrikbuchsen für Cinch und Dynavox Terminals für die Lautsprecher. Verdrahtung mache ich mit solidem 1mm²-Kupferdraht bzw. Silberdraht. Auch nichts besonderes.

Bau eines endgültigen Röhrenverstärkers – 2 – Die Schaltung

Posted in Angewandte Wissenschaft, Röhrenverstärker, smile and look alive on 7. Dezember 2009 by Herr Grau

Es ist erstens ein Kunststück und zweitens selten nötig, eine eigene Schaltung zu konzipieren. Dank Internet haben wir die Möglichkeit, auf die Ergüsse brillianter Elektroingenieure aus über 50 Jahren zurückgreifen zu können. Man nehme sich die grundsätzlichen Eckpunkte seiner Schaltung und gehe auf die Suche. In der Leserprojekte-Sektion von Jogis Röhrenbude lässt sich viel finden, ansonsten ist auch Google dein Freund. Kurz die Endröhren und PP oder SE eingegeben und schon hält man einige Schaltungsvorschläge in Händen. Was am schönsten aussieht, suchen wir uns aus und stellen das Bauvorhaben dann bei diy-audio.com ein und fragen die Experten nach einer kurzen Einschätzung. Geben diese ihr OK, ist die Schaltung klar.

Meine Eckpunkte waren: KT88 Push Pull, Ultralinear, Röhrengleichrichter, Fixed Bias

Das Resultat meines Such- und Entscheidungsprozesses war der Schaltplan aus diesem Artikel. Herbert I. Keroes war einer von zwei Männern (der andere war Hafler), die den Ultralinear-Betrieb erfunden haben. Wer sowas kann, der kann sicher auch gute Verstärker stricken. Er hat in diesem Fall die Williamsonschaltung, mit der sich die beiden auch intensiv beschäftigt haben, verbessert und für KT88/6550 adaptiert. Der Schaltplan brachte die 6SN7 in der Vorstufe und die 5V4 in der Gleichrichtung mit sich, also habe ich das einfach mal so angenommen.

Erster Schritt war, den Schaltplan ins Reine zu schreiben, da man ihn ja so kaum lesen kann. Außerdem wurde das Netzwerk zur Versorgung von Vorverstärkern entfernt, wie in dem Artikel beschrieben. Dabei kommt das heraus: Erste Bearbeitungsstufe

Im Folgenden wurden noch einige Änderungen vorgenommen:

1. Die Sicherungen in den Kathodenbeinen wurden durch 10 Ohm-Widerstände ersetzt. Dies soll angeblich die Gesamtverzerrung minimieren. Stattdessen befindet sich nun eine Sicherung zwischen Versorgungsspannung und Mittelanzapfung des Ausgangsübertragers, sowie ein Kondensator von der Anzapfung gegen Erde, um einen möglichen Ausschaltstrom abzufangen. Die Widerstände werden mit 1/4W derart dimensioniert, dass sie auch als Sicherungen fungieren.

2. Die Biasversorgung wurde umgebaut. Im Originalschaltplan ist die Biasspannung fest und wird nur mittels Poti auf die beiden Röhren verteilt. Ich wollte eine flexible Einzeleinstellung haben. Diese habe ich einfach aus einem ähnlichen Plan von John Eckland (der übrigens empfehlenswert ist, falls jemand mit Ringkern-Übertrager bauen will) geklaut und eingefügt. (Achtung! Die Biasversorung im Eckland-Plan funktioniert nicht richtig, außerdem braucht man 35V mehr Bias Spannung, wenn man die RC-Zeit-Korrekturglieder im Ursprungsplan von Keroes nutzen will. Die Dinge sind in meinem Plan ebenfalls entsprechend korrigiert.)

3. Die Heizspannung wurde mittels Einführung eines Spannungsteilers auf +25V gelegt. Alle Heizungspins wurden mit 1nF-Keramitkondensatoren gegen Erde versehen. Dies wurde mir im DIYaudio-Forum empfohlen; die Idee stammt von Thorsten Lösch. Einige äußerten Bedenken, ob dies bei meiner Schaltung überhaupt sinnvoll sei, aber es ist nicht teuer und wird schon nicht schaden.

4. Ebenfalls von Thorsten Lösch stammt die Überlegung, dass man Ringkerntrafos vor dem Gleichstromanteil im Stromnetz schützen sollte. Da ich als Netztrafo ebenfalls Ringkerntypen verwende, habe ich seine Gleichspannungssperre aus einem Netzwerk von Gleichrichterdioden und Elkos (es sind die einzigen Elkos in der Schaltung) eingeplant.

5. Und noch mal Lösch: Er empfiehlt, Erde und Chassis von der Signalmasse mittels antiparalleler Dioden zu trennen. Sobald ein ernsthafter Fehlerstrom auftritt, schalten die Dioden durch und die beiden Kreise werden verbunden. Im Normalzustand ohne Strom leiten die Dioden dagegen nicht. So werden Brummschleifen vermieden. Für ein kommerzielles Produkt würde diese Lösung vermutlich nicht zugelassen, ich aber bin König in meiner eigenen kleinen Welt…

Dabei kam folgender Schaltplan heraus, der so Vorlage für den Bau sein wird: (Zur Vollansicht auf das Bild klicken)