Bau eines endgültigen Röhrenverstärkers – 3 – Bauteilwahl

3.1 – Ausgangsübertrager

Der Ausgangsübertrager ist ein Transformator, der das Signal der Röhren für die Lautsprecher nutzbar macht. Er ist das qualitätsbestimmende Bauteil an einem Röhrenverstärker. Die Auswahl ist also wirklich nicht einfach. Die eigentliche Schwierigkeit ist natürlich nicht das Geldausgeben als solches, sondern abzuschätzen, wer wieviel für das gezahlte Geld leistet. Ich habe hart mit mir gerungen, hing lange an Sowter Inc., entschied mich aber im Endeffekt für O/Netics (Kontakt), eine kleine Firma aus Washington, die mir einige Leute als Geheimtipp empfahlen. (Vorstellung der Übertrager findet sich hier) Gute Transformatoren kommen sonst z.B. noch von Reinhöfer, Retro Sound, Trafo-Baule, IG Präzisions-Wickeltechnik, Leszek Ogonowski, Welter, Jan Wüsten, Rondo Müller, Amplimo, AE Europe, Tribute, Majestic Inc., Plitron, Lundahl, Hashimoto…..

3.2 – Netztrafo

Ich kann nur die Ringkerntrafos, die Jan Wüsten vertreibt, empfehlen. Qualität ist super, Preis sehr fair und Kontakt wunderbar. (Fehlerkontrolle und Hilfe inklusive)

Man sollte auf jeden Fall Ringkerntrafos nehmen, sie sind technisch näher am Ideal als herkömmliche Trafos. Sedlmeier, Rondo-Müller und Tubeland wären auch noch Anlaufstellen, lohnt aber eigentlich nicht, sich die Mühe zu machen…

3.3 Koppelkondensatoren

Ein weiteres essentielles Bauteil sind die Kondensatoren die das Signal an die jeweils nächste Stufe weiterkoppeln. Die besten sind Teflonfolienkondensatoren, die der Russe mal gemacht hat, damit seine Soldaten sie sich vorne an die Gewehre stecken konnten. Oder so. Danach kommt Polystyrol. Dann wird das Feld undurchschaubar. Einige schwören auf Silber-Glimmer, da diese Kondensatoren so gut wie nicht mikrophonieren. Andere finden Zinkfolie super. Wieder andere würden am liebsten die Brocken hinschmeißen und den Rest ihres Lebens Bonbons lutschen, entscheiden sich auf Nachfrage aber doch für MKP. Teflon-Kondensatoren sind teuer, ebenfalls alles von Mundorf, Jensen und wie sie alle heißen. Bei 8 Stück, die man im Durchschnitt etwa braucht, ist das kein Pappenstiel. Für das kostenbewusste Ich blieb nur Polystyrol und Wima MKP 10. Polystyrol war günstiger und gilt als besser. Es gibt die Kondensatoren von Oppermann, man muss allerdings der maximalen angebotenen Kapazität wegen einige parallel schalten. Trotzdem mit 1,33€ pro „Kondensatoreinheit“ immer noch viel günstiger als der Rest.

Hier zeige ich das Aufbauen und Vergießen von gennanten Polystyrol-Kondensatoren.

3.4 Siebkettenbauteile

Jeder der o.g. Hersteller von Übertragern stellt im Prinzip auch Drosseln her. Ich kann die von Jan Wüsten gelieferten empfehlen, die Drosseln sind zwar recht grob gearbeitet, sind dafür aber unschlagbar günstig – und die Qualität einer Drossel in der Stromversorgung ist nicht wirklich entscheidend. Kondensatoren kamen für mich entweder Ölpapier oder Folie in Frage. Preislich gibt sich das nicht viel, Folie ist etwas kompakter und gilt technisch als besser, also entschied ich mich für Folie. Beide Kondensatortypen bekommt man ebenfalls bei Jan Wüsten. Kleiner Tipp: Überschreitet die Spannung in der Siebkette nicht 450V, so kann man von Darisus sehr günstig Motoranlaufkondensatoren beziehen; diese sind ebenfalls MKP-Kondensatoren und werden häufig für Netzteile empfohlen. Bei mir finden sich einige in der Bias-Versorung, für meine Versorgungsspannung war leider 630V Festigkeit Pflicht.

3.5 Widerstände

Was es mit dem Einfluss unterschiedlicher Widerstände auf den Klang auf sich hat, ist auch so eine Zauberkiste, die keiner so recht versteht. Der legendäre Howard Dumble (baut Gitarrenverstärker im fünfstelligen Preissegment, sucht sich seine Kunden unter Einsendern von Tapes aus und hat trotzdem noch jahrelange Wartezeiten) sagte mal in einem Interview, man sollte sich möglichst an Kohlemasse-Widerstände halten. Also hab ich das gemacht. Gute alte Vitrohm gibts bei…. Na? Wüsten. Genau. Für Widerstände, die gematcht werden müssen, nehme ich dann aber doch Präzisions-Metallfilmwiderstände, die ich mit den Lötleisten und dem anderen Kleinkram von Conrad bestelle (Kleiner Tipp: Immer vorher nach Gutscheinen für Conrad im Netz suchen, da lässt sich gerne mal ein Zehner sparen).

3.6 Röhren und Fassungen

Es gibt nur noch eine Hand voll Hersteller, die immer noch Röhren produzieren, dafür aber eine große Vielzahl von NOS (New Old Stock) Artikeln.

Das meiste neue Zeug kommt entweder von Reflektor (Gold Lion, Electro Harmonix,…), von JJ oder aus China. In der Reihenfolge kann sich der Laie auch die Qualität merken. Ich habe mich nach vielen guten Berichten für Electro Harmonix entschieden. Reflektor baut offenbar ziemlich gute Röhren. Die Röhren kann man z.B. von JAC Music, Tube Town oder Tubeamp Doctor beziehen. Jan Wüsten hat eine riesen Palette von NOS Röhren auf Lager.

Fassungen kann man auch fast überall bekommen. Ich brauchte für mein Projekt ausschließlich Oktalfassungen und habe bei Tube-Town Keramikfassungen mit vergoldeten Kontakten für 2,90€/stk gefunden. Das ist klasse. Vergoldete Kontakte oxidieren nicht und sind daher empfehlenswert.

3.7 Draht, Buchsen, Gehäuse

Ebenfalls von Tube Town kann man Gehäuse aus dem Hause Hammond beziehen. Sie kommen in verschiedenen Größen, zwei Farben und sind enorm preiswert. Ähnliche Preiskategorien sind mir sonst noch nicht untergekommen. Buchsen kann man nehmen, was man will, vergoldet ist mal wieder nicht falsch. Ich nehme die großen Neutrikbuchsen für Cinch und Dynavox Terminals für die Lautsprecher. Verdrahtung mache ich mit solidem 1mm²-Kupferdraht bzw. Silberdraht. Auch nichts besonderes.

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Eine Antwort to “Bau eines endgültigen Röhrenverstärkers – 3 – Bauteilwahl”

  1. […] eines endgültigen Röhrenverstärkers – O/Netics Ausgangsübertrager Wier ich hier bereits beschrieben habe, war die Wahl des Ausgangsübertragers keine einfache. Mir war klar, dass […]

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