Messervorstellung: Watanabe Santoku

Als ich vor Jahren das erste richtige Japanmesser kaufen wollte, stolperte ich neben allen in Deutschland angebotenen Messern über eine kleine Schmiede in Japan, Watanabe Blade. Der Sohn dieser Messermacherfamilie, Shinichi Watanabe, ist Vorsteher der Schmiede und Kontaktmann und sehr bald stellte sich heraus, dass es der netteste und umsichtigste Kontakt war, den ich mit einem Hersteller vermutlich je gehabt habe. Nachdem er mich umfassend beraten hatte, bestellte ich ein Santoku aus der Standardserie mit gebranntem Haselnussgriff. Das Messer selbst kostet 90$, dazu kamen 10$ für den Griff und 12$ für Versand, was 112$ macht. Inzwischen sind Messer und Versand etwas teurer geworden, aber mit 125€ ist man immer noch dabei. Die Bezahlung erfolgte problemlos via Paypal. Nach nur zwölf Tagen traf das Messer bei mir ein.

Technische Daten

169mm Klingenlänge
47mm Klingenbreite an der breitesten Stelle
1,6mm Klingenstärke in der Mitte
128mm Grifflänge
22mm Griffdicke aufrecht, Griff asymetrisch

Stahl: Weißer Papierstahl (Shirogami) zwischen zwei Eisenlagen

Gesamtansicht:

Klinge:

Griff:

Unterschrift des Schmieds:

Klinge: 93 Punkte

Fehlerfrei gearbeitete Klinge, sehr gute Geometrie, das heißt weder zu dünn und sensibel, noch zu dick und grob. Die Klinge ist verzugsfrei, die Form sehr gut. Punkte werden hier abgezogen, weil die Klinge an der Angel nicht ideal gearbeitet ist, desweiteren ist die Gestaltung relativ 08/15.

Schärfe: 95 Punkte

Die inneren Werte der Klinge überzeugen dafür umso mehr. Meinen Informationen nach lässt Watanabe seine Messer extern härten. Dieser externe Anbieter versteht sein Handwerk offenbar, denn die Klinge ist hart, nicht zu spröde und sehr schnitthaltig. Der Shirogami ist natürlich ein von Natur aus ziemlich genialer Stahl, aber das heißt nicht, dass man mit der Wärmebehandlung nicht noch einiges versauen könnte. Die schneidfreudige Geometrie hilft beim Schneiden. Die Schärfe ist insgesamt schon sehr groß und für einige Leute sogar schon angsteinflößend. Wie bereits gesagt ist die Standzeit recht hoch, bei ersten Anzeichen von Stumpferwerden gehe ich damit über meinen Honyama, nach etwa einer Minute Arbeit auf dem Stein ist es wieder wunderbar.

Balance: 90 Punkte

Das Messer ist klingenlastig, der Griff sehr leicht. Ich finde diese Verteilung sehr gut zum Arbeiten, daher die Punkte. „Ausbalanciert“ im Sinne von gleicher Gewichtsverteilung kann man das allerdings nicht nennen.

Griff: 90 Punkte

Die Holzarbeit selber gefällt sehr gut, der asymetrische Griff fasst sich wunderbar, er ist weder zu lang, noch zu kurz. Das Holz (Burnt Chestnut) ist eine Sonderoption und hübsch, griffig und sehr haltbar. Leider ist die Zwinge aus Plastik, was etwas billig wirkt, und die Stirnseite des Griffs ist nicht besonders hübsch.

Gesamt: 92 Punkte

Man könnte sicher ein besseres Messer machen als dieses. Aber es leistet sich keine ernstzunehmenden Schwächen, lediglich kleinere Äußerlichkeiten, und ist ein absolutes Schnäppchen für das Geld, das es kostet. Bis ich mal Geld für ein Sirou Kamo übrig habe, bin ich mit diesem Messer mehr als glücklich.

Advertisements

3 Antworten to “Messervorstellung: Watanabe Santoku”

  1. […] Schmieden. Wer meinen Rat will: Nehmt ein Messer aus der Standardserie von Shinichi Watanabe (hier vorgestellt) und seid glücklich. Ich habe viel, viel gesehen – es wird nicht […]

  2. Erst einmal vielen Dank für Deine Empfehlung. Ich habe auch mal ein wenig nach dem Schmied recherchiert. Hier einmal ein Foto von seiner Werkstatt, wen es jemanden interessiert:

    http://www.panoramio.com/photo_explorer#view=photo&position=0&with_photo_id=1280121&order=date_desc&user=267789

    Ist dieses Messer denn auch tatsächlich ein Messer für den täglichen Gebrauch? Und gehört dieses auch in japanischer Messerkunde ungeschulte Hände?

    Vorab vielen Dank!

    • Herr Grau Says:

      Hi,
      ich benutze dieses Messer jetzt seit fast acht Jahren im täglichen Einsatz und muss sagen, dass sich sehr gut geschlagen hat. Es gab einmal Mikroausbrüche, als ein Gast meines Mitbewohners damit wild auf einem Teller herumgeschnitten hat, aber ansonsten (also mit ordentlicher Schneidunterlage) hat es auch klag- und anstandslos alle meine kochenden Gäste überlebt. Kann man nur empfehlen, gerade für Einsteiger ein super Messer.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: