Archiv für Juli, 2011

Wichtige Worte: Karen Blixen #1

Posted in smile and look alive on 25. Juli 2011 by Herr Grau

Love, with very young people, is a heartless business. We drink at that age from thirst, or to get drunk; it is only later in life that we occupy ourselves with the individuality of our wine. A young man in love is essentially enraptured by the forces within himself.

German Heaven – Das Schnitzel – Ein Gastvortrag

Posted in German Heaven, Studentenfutter on 22. Juli 2011 by Herr Grau

Nur hier in Ihrem Lieblingsblog:
Wir bringen Weihnachten schon im Sommer. Denn das Wetter stimmt.
„WIE NUR?“, werden Sie rufen, „Hexerei! Okkulte Malefiction!“
Zu recht. Wir haben nämlich ein besonderes Geschenk:
Unser werter Leser bic_mac hat es auf sich genommen, als Gastdozent eines der wichtigsten kulinarischen Themen zu behandeln, das es überhaupt gibt:
Schnitzel, wiener, das.
Wien? Das klingt nach German Heaven!

Erklärende Einschübe wie gewohnt von unserem furchtlosen Mikrokoprolithologen und Universalfachspaziergänger Dr. A. Grau.
Jetzt aber erklingt es laut: Bühne frei!

Hier ist mein Schnitzelreport uncensored:

Ich fange mal am Anfang an. Der Einkauf. In BaWü wird es einem nicht leicht gemacht, alle notwendigen Zutaten zum Schnitzeln zu akquirieren. Da ich ja nun mal im Moment nicht dem entspannten Studentenleben frönen kann, sondern zum BIP beitragen muss, komme ich erst recht spät zum Einkaufen. Ist aber kein Problem, hat doch der Kaufland bis 24:00 Uhr geöffnet. Fortschrittlich, denkt sich da das westfälische Dorfkind in mir.
Nun wandel ich also durch die bunten Hallen und labe meine Augen an den dargebotenen Kostbarkeiten, während ich Artikel um Artikel in meinen Einkaufswagen lade. Doch dann der erste Schock: Gerade als ich am Weinregal einen netten Sizilianer für meine Sauce auserkoren habe, verdunkelt sich der Himmel. Ein mindestens acht Fuß großer und geschätzt sieben Stein schwerer Hüne mit dem Schriftzug „Security“ quer über seine Brust prangend schiebt sich in mein Sichtfeld. Er ermahnt mich, den vergorenen Traubensaft sofort und ohne Umschweife an seinen angestammten Regalplatz zurückzustellen, auf dass ich am Morgen des nächsten Tages wiederkomme. Auf die Frage nach dem Grund für dieses zum Lachen animierende Anliegen seinerseits hin wird mir verständnisvoll erklärt, dass in ganz Baden-Württemberg der abendliche Verkauf von Alkohol in Supermärkten und an Tankstellen verboten sei. Die Frage, ob ich jetzt mit meinem Topf Sauce in die nächste Disko rennen solle, um vernünftig zu kochen, wird ignoriert.

Aber ich denke mir, wegen einer fehlenden Zutat wird mein Vorhaben schon nicht scheitern, den Wein kann ich zur Not auch von meiner Mitbewohnerin stibitzen. Also weiter zur Fleischtheke für die Hauptzutat. Hier stellte sich mir nun nicht das föderale Rechtssystem in den Weg, sondern das BWL-optimierte Kauflandmanagement.
Man möchte doch meinen, dass wenn ein Lebensmittelgeschäft bis 24:00 Uhr öffnet, und damit auch noch aktiv wirbt, ich dort dann bis um 24:00 Uhr die gewünschten Waren beziehen kann. Nachdem ich allerdings nun schon feststellen musste, dass der Gesetzgeber die Auswahl massiv einschränkt, musste ich nun auch noch feststellen, dass auch Kaufland selbst diese Art der Gewinnminimierung betreibt. Die Fleischtheke wird nämlich um 22:00 Uhr auch geschlossen.

Also bin ich am nächsten Morgen wieder los, um Wein und Fleisch zu kaufen, eine in meinen Augen recht männliche Einkaufsliste. Noch ahnte ich nicht, dass der Kaufland noch eine Überraschung für mich im Ärmel hatte. Als ich die Fleischereifachverkäuferin nach einem guten Stück Schweinelachs fragte, schaute diese zunächst mich verständnislos, dann ihre Kollegin ratlos, und am Ende die Theke lustlos an, um mir dann, ohne auch nur den Hauch von Verständnis für die Lächerlichkeit ihrer Aussage, mitzuteilen: „Tut mir leid, Fleisch haben wir gar nicht.“ Nachdem ich den Lachanfall unterdrückt hatte, schaute ich auch mal die Fleischtheke rauf und runter und stellte fest, dass dort tatsächlich nur Brät im Saitling angeboten wird, jedoch kein strukturell integeres Stück Tier. „Fleisch“, oder was das Kauflandpersonal als solches (um-)etikettiert, gibt es nur in einer kleinen Kühltheke, fertig abgepackt. Auf die Frage, wie ich jetzt meine Schnitzel machen sollte, wurde ich auf die Tiefkühlabteilung verwiesen, dort gäbe es super tiefgefrorene Schnitzel („Mach ich auch immer, ist auch viel weniger Arbeit!“). Nie wurde mir die Motivation zu einem Amoklauf klarer.
Schlussendlich erstand ich mein Stück Tier dann nach 3 weiteren Versuchen bei echten Metzgern und auf dem Wochenmarkt bei einem Fleischdealer in der Ulmer Innenstadt. Merke: Samstag zur Mittagszeit ist keine gute Zeit, um auf große Auswahl und gute Qualität zu hoffen. Lesson learned.

Dr. Grau: Eine gute Stelle für einen Einschub, werden doch die ersten Zwischenrufer schon wieder laut proklamieren, dass in das Wien’sche Schnitzelum tote Jungkuh einbunden zu sein hat. Ja. Stimmt. Kalb hat leider den zweieinhalb bis dreifachen Preis von Schwein. Viele Leute haben bis heute noch nie in Eselsmilch gebadet und in vielen Haushalten will sich auch der Krügerrand nicht als normaler Bodenbelag durchsetzen. Erschwerend kommt noch hinzu, dass ein Blindtest ergeben hat, dass die Unterscheidbarkeit von Kalb und Schwein immer weiter abnimmt, je kleiner man die Tiere schneidet. Meine Fakultät, das Kaiserliche Institut für Meisterküche zu Pirmasenz, empfiehlt daher guten Gewissens:
Guter Schweinelachs vom Metzger des Vertrauens statt billiges Kalbsfleisch.

Wer natürlich hat, der hat – und der soll natürlich! Und, bei Crôm, das auch mit jedem nur erdenklichen Segen, den das Große Buch so vorsieht.

Nun kann ich endlich loskochen. Hier gehe ich nun chronologisch vor, um mein optimales Zeitmanagement zu verdeutlichen:
Zunächst mal die Kartoffeln für die Kroketten aufsetzen. Nach dem Abkühlen der selbigen dann das übliche Stampf- und Verfeinerungsspiel mit Eigelb, flüssiger Butter, Salz, Pfeffer, Kartoffelstärke und Muskat (Anm. d. Red.: Der gute Mann bezieht sich auf dieses Rezept). Es folgt das Formen und das Panieren. Ich glaube, bei keinem Gericht steht die Vorbereitungszeit in solcher Disproportionalität zur Wertschätzung des Endproduktes durch Dritte.
Dann das Stück Fleisch nach den Vorgaben* zu 300g starken Scheiben zerteilen. Ein schöner Schmetterlingsschnitt lässt wahre Euphorie aufkommen. Das Panieren der geklopften Scheiben (bei mir aufgrund Hammermangels mit einer leeren Flasche Sekt – hab ja beim Bund gelernt, zu improvisieren) ist ja auch so ein Ding: Die schiere Größe der Fleischlappen verlangt nach einem äußert umsichtigen Vorgehen, weshalb ich meiner Mitbewohnerin kurzzeitig Küchenverbot erteilen musste.

Dr. Grau: Die vom Autor zitierten Vorgaben beziehen sich auf die VDE-Norm 0390, Teil 14. Die auf einer Arbeitsgruppenvorschrift der Experimentalforschungsgruppe Prof. Brausefrosch et. al., 1972, Kopenhagen, basierende Arbeitsnorm verlangt ein Hammern der zuvor auf das gewünschte Gewicht zugeschnittenen (300g ist etwa die Grenze, an der der Übergang vom einfachen in den Schmetterlingsschnitt obligat wird) Schnitzel auf 4mm Dünne, die danach gesalzen, gepfeffert, in Mehl gewendet, dann erst in Ei, danach in frischen Semmelbröseln paniert und schließlich in einer ausreichenden Menge rauchend heißen Fetts möglichst nicht mehr als 20 Sekunden lang ausgebacken werden, auf dass sie goldenbraune Knusprigkeit (RAL 2000) erreichen.

Während das Öl aufheizt, hab ich schon mal die Sauce aufgesetzt und ließ den Rotwein einreduzieren. Hier auch wieder eine Anmerkung: Wer keinen Wert auf Rosmarinblätter in seiner Sauce legt, ist hier fehl am Platz, der Zweig löst sich nämlich auf. War meiner Mitbewohnerin nicht klar, sie trieb mich mit ihrer Suche nach den einzelnen Blättern fast in den Wahnsinn. Anstatt einfach zu essen, hat die das ganze Gericht seziert. Schrecklich! Hab ich nur überlebt, weil ich mir die andere Hälfte des Rotweins für die Sauce selber schon mal reingekloppt habe.

Dr. Grau: Die von einem Exil-Meistersoupier aus dem goldenen Hummer, der anonym bleiben möchte, empfohlene Sauce zu Schnitzeln ist und bleibt die Rotwein-Champignon-Rahmsauce nach folgendem Rezept (reicht für zwei Hungernde):
Eine mittelgroße Zwiebel fein würfeln und mit einer Prise Zucker in Olivenöl bei mittlerer Hitze andünsten. 6-8 Champignons in Scheiben schneiden und mitdünsten. Etwa ein bis zwei Minuten vor Ende ist eine gehackte Knoblauchzehe optionalerweise dazuzugeben. Mit 300ml Rotwein ablöschen, auf 1/3 einreduzieren lassen, zwei Becher Sahne und einen ganzen Rosmarinzweig (Alternativ eine Menge Rosmarin aus der Dose) zugeben. Köcheln lassen, bis die gewünschte Sämigkeit erreicht ist, salzen, pfeffern. Eventueller Säureexzess durch sehr sauren Rotwein mit Zucker korrigieren.

Das eigentliche Kochen von Schnitzel wie Kroketten ist ja so schnell, wie einfach, und am Ende steht man dann hiermit da:

So jetzt hab ich dann auch genug Arbeitszeit vergeudet und tue mal wieder so, als wäre ich wichtiger Bestandteil der Ökonomie.

Das Haus dankt für diesen überfälligen und wunderbaren Beitrag und sendet seine guten Wünsche gen Süden. Kerzen stehen in Fenstern, guter Herr. Jeden Abend.

Review: Henry Hill – The Wiseguy Cookbook

Posted in Getestet on 21. Juli 2011 by Herr Grau

Letztens hab ich mir mal wieder Goodfellas angeguckt, den Mafiaklassiker von Martin Scorsese von 1990. Der Film erzählt – was viele Leute gar nicht zu wissen scheinen – eine wahre Geschichte und zwar die des sympathischen jungen Henry Hill, der von Kindesbeinen an Gangster werden will, viele interessante Jahre in der Cosa Nostra verlebt und sie schließlich, als Luft zum Atmen teuer Gut wird, verrät, um ins Zeugenschutzprogramm zu kommen – aus schierer Angst, sonst von seinem besten Freund Jimmy Burke umjemacht zu werden. Burke hatte zu diesem Zeitpunkt angefangen, aus schierer Paranoia alle seine Kompagnons, die beim s.g. Lufthansa-Heist beteiligt gewesen waren, aus dem Weg zu räumen. Hill war der letzte noch lebende Zeuge dieses Überfalls und er hatte den Schutz seines Mafiapatrons, Paul Vario, verloren, weil er gegen dessen ausdrücklichen Befehl in großem Stil mit Drogen gedealt hatte. War jetzt nicht die beste Situation.

Henry Hill, stolzer Besitzer eines massiven Alkoholproblems, flog schließlich auf Grund seiner Scheißegalmentalität aus dem Schutzprogramm heraus. Damit versiegte auch die finanzielle Unterstützung durch den Staat, sodass Hill jetzt mehr oder minder mit dem Überleben kämpft. Zeitweise geschieden und obdachlos, hat er sich jetzt wieder Boden unter die Füße gebracht: Er verkauft Bilder auf Ebay, er erschien mehrfach in der Howard Stern Show, wo man sehr gut hören konnte, wie unglaublich kaputt der Mann ist – und er hat ein Restaurant und fungierte als Consiliere für ein paar mehr. Nicholas Pileggi, der die Buchvorlage für den Film Goodfellas geliefert hat, kontributierte auch das Vorwort für das hier vorgestellte Buch und schreibt dort:

Years ago, while still being debriefed by the FBI and testifying in a dozen Mob trials, Henry Hill used to say that if he lived long enough on the lam, he would someday write a cookbook.
The FBI agents, marshals, and prosecutors all laughed.
I laughed, too. He fooled us all.

Als Sohn einer Sizilianerin wuchs Hill mit der italienischen Küche auf. Er durchlief dann die Stationen des Küchengehilfen von Fat Larry Bilello in der Stammpizzeria von Paul Vario, Koch in der Armee, Besitzer mehrerer Restaurants. Essen war immer ein integraler Teil des Lebens in der italienischen Mafia und für Henry Hill selbst. In dem Buch scheint es ein wenig überzeichnet, aber ich glaube es tatsächlich. Richtigerweise stellt er an mehreren Stellen fest, dass für italienische Männer das Kochen kein Abbruch für ihre Männlichkeit ist – eher im Gegenteil: Gutes Essen produzieren zu können, ist eine der wichtigsten Quellen des italienischen Stolzes.

Ich hatte wirklich gedacht, dass das Buch ein Marketinggag sei. Eine Möglichkeit für Hill, noch mal ein bisschen Kapital aus seiner Bekanntheit zu schlagen, ohne dafür tatsächlich Gegenwert zu bieten. Weit gefehlt. Man kann herauslesen, wie viel ihm das Kochen bedeutet. Den Stolz, die Liebe, die Erfahrung, das Augenmerk für jedes Detail. Es zieht sich durch das Buch, das einen chronologisch durch Hills Leben führt und dabei im Vorbeigehen alles Wichtige beibringt. Desweiteren sorgt die Chronologie dafür, dass man große Tafelgerichte genauso lernt, wie Dinge, die man „on the run“ in kurzer Zeit und mit einem Mindestmaß an Equipment zubereiten kann. Sein Stolz hat es einfach nicht zugelassen, das Essen, das ihm so lieb ist, zu beleidigen und deshalb ist das Buch gut und ehrlich. Um genau zu sein, ist es eines der besten Kochbücher über italienische Küche, das ich kenne. Dinge, die ich in langer Recherche lernen musste, stehen da einfach nebeneinander. Und es kostet mit unter 15€ fast nichts.

Kein Gag, eine echte Empfehlung.

Geld gegen Essen – Mahardscha (Göttingen)

Posted in Geld gegen Essen - Restaurantnörgeleien on 20. Juli 2011 by Herr Grau

(aus Übersichtsgründen vorgezogenes) Prädikat: Empfehlenswert

Ich muss ganz ehrlich zugeben, dass ich noch nie indisch gegessen hatte, als ich einen Geburtstag zu beessen in das Maharadscha in Göttingen eingeladen wurde. Aber, wie wir ja schon vom alten Tell wissen: Den Mutigen hilft Gott. Also flugs den Karren angespannt und ab in die Gartenstraße.

Das allererste, was man sagen muss, ist, dass das Interieur wirklich nett ist. In meinen Augen gibts ja nur wenige Dinge, die schlimmer sind, als Kitsch. Dieses Restaurant ist einfach, aber geschmackvoll eingerichtet, die indische Atmosphäre ereilt einen trotzalledem effektiv. Zweiter Punkt von auffallender Günstigkeit ist der Service, der nämlich genau so ist, wie er sein sollte. Meine Herren, da können sich auch erheblich teurere Restaurants mal eine Scheibe von abschneiden – leise, effizient, sehr nett, informiert, so man denn eine Frage hat. So muss es sein. Begeisternd.

Dann ist Essen. Es fiel mir schwer, überhaupt eine Entscheidung zu treffen, denn fast nichts auf der Karte sagte mir wirklich etwas. Ich hasse es, Entscheidungen treffen zu müssen, ohne ausreichend Informationen zur Verfügung zu haben. Meine kulinarische Ratetour brachte eine gelbe Linsensuppe und eine gemischte Tandooriplatte an meinen Platz, dessertiert von einem hausgemachten Eischen und einem Mango-Lassi. Geschwindigkeit? Gut.

Aus Gründen der Schriftstellerei fange ich in der Mitte an: Das Tandoori-Fleisch war allesamt lecker, saftig, teilweise in interessanten Marinaden, die einen raten lassen, was da wohl drin ist. Serviert mit drei Dipps, einer Joghurt, einer Minze und einer irgendwas sehr leckeres Rotes, das ich nicht identifizieren, aber zu meiner Lieblingssauce küren konnte. Zu fast jedem Gericht gibt es Brot und Reis dazu. Was z.B. bei den Currys, die Andere am Tisch hatten, absolut nötig ist, denn diese sind zwar enorm lecker, aber auch schon scharf. Wer da sensibel veranlagt ist, sollte lieber vor dem Bestellen einmal nachfragen. Der Lassi war lecker, ebenso das Eis. Aber. Aaaaaaaber. Die Suppe! War die gut. Sack Zement. Es fehlt an Wortgewalt. Diese gelbe Linsensuppe war einfach mal das Beste, was ich seit Ewigkeiten in einem Restaurant gegessen habe. Wenn der Laden auf dem Weg läge – ich würde sicherlich häufiger Mittags mal auf eine Dal Shorba absteigen. Die 3,50€ muss man einfach investieren, wenn man da ist.

Alles in allem ein sehr gutes Restaurant, referenzverdächtiger Service, gutes Essen, nette Atmosphäre. Wenn überhaupt, vielleicht einen Tick teuer. Gesehen haben sie uns aber mit Sicherheit nicht zum letzten mal.

Wertung:
Essen: 9 /10
Service: 10 /10
Sauberkeit: 9 /10
Preisgestaltung: 7 /10
Ambiente: 8 /10

Gesamtergebnis: von 4,3 von 5 Vanilleeiskugeln mit Senf und Gürkchen

Indisches Restaurant Maharadscha
Gartenstraße 25
37073 Göttingen
Tel: 0551/ 4 88 61 25
http://www.maharadscha.com

Öffnungszeiten: Dienstag – Sonntag 11:30 – 23Uhr

Anchoïade façon maison

Posted in Studentenfutter on 19. Juli 2011 by Herr Grau

Ich fühle mich immer so mutig, wenn ich Titel benutze, von denen ich keine Ahnung habe, ob sie stimmen. Und weil es ja in diesem Blog um nichts geht, als dass ich mich irgendwie gut fühle, muss der geehrte Leser jetzt das hochgejazzte Juppiegebabbel ertragen, das jede Art von französischer Essensbezeichnung für meine Ohren automatisch ist. Eine wunderbare Möglichkeit, mir Unangenehmem noch etwas Positives abzugewinnen.

Anchoïade ist eine Erfindung der Provence. Da, wo französische und italienische Küche kollidieren, wird viel mit Oliven und ihrem Öl, Kapern, Anchovis und Knoblauch gekocht – und diese Nähe zur italienischen Küche ist das, was das ganze für mich so herrlich vertraut und unkompliziert macht.
Wie viele ursprüngliche Arme-Leute-Essen hat auch dieses eine breite Zahl von Freunden gefunden und in seiner Heimatregion hat fast jede Hausherrin ein eigenes Geheimrezept. Ich gehöre dazu. Also zu den Freunden, nicht zu den provencialischen Hausfrauen. Und weil alle wirklich begeistert waren, gibt es jetzt hier eine epische Abhandlung darüber.

Im Grundsatz handelt es sich um Knoblauch, der mit Anchovis zerstoßen oder zerhackt und dann mit Olivenöl und Rotweinessig aufgeschlagen wird. Eventuell ebenfalls enthalten sind Kapern und Oliven. Wie gesagt, jeder hat sein eigenes Rezept. Die klassische Variante war mir persönlich zu stark, Salz und Knoblauch nahmen keine Gefangenen. Ich habe also ein Eigelb genommen, ein wenig Essig und habe angefangen, daraus mit Olivenöl eine Mayonnaise zu schlagen. Nach und nach habe ich dann meine Grundmasse aus 80g gehackten Sardellen, einer großen Zehe gehacktem Knoblauch, etlichen EL Öl und ein wenig Essig und Pfeffer darin eingearbeitet. Am Ende habe ich etwa die Hälfte Rapsöl benutzt, weil das Olivenöl sehr stark geschmeckt hat.

Zum Thema „Hestellung von Mayonnaise“ hören wir nun unseren beliebten und von der Leserschaft frenetisch zum Wiederauftauchen aufgeforderten Gastdozenten vom Internationalen Zentrum für Tropenvertikulationstechnik der Universität Gempelshagen Prof. Dr. rer. hort. Ambrosius M. Grau:

Mayonnaise ist eine kalt hergestellte Würzsauce, die in den Beneluxstaaten seit ihrer Erfindung 1982 durch den deutschen Orgonphysiker Heinz-Joachim Freiherr von Mayonn für flächendeckende Gesundheitsprobleme sorgt. Es handelt sich um eine Emulsion von Öl in Wasser, emulgiert durch das in Eigelb enthaltene Lecithin. Eigentlich neigt Lecithin auf Grund seines HLB-Werts zu Wasser-in-Öl-Emulsionen, was den hungerigen Hobbykoch nun vor komplizierte physikalische Probleme stellt. Erst im späten zwanzigsten Jahrhundert gelang in Geheimlaboren auf der dunklen Seite des Mondes das, was Henning Brand jahrhunderte vorher mit Phosphor gelungen war, nur kalt, mit anderen Zutaten und anderen Ergebnissen: Es wurde entdeckt, dass man eine stabile Emulsion herstellen kann, wenn man mit sehr wenig Öl beginnt und dieses dann erst nach und nach langsam zugibt. Das heißt also, für den Laien, in der Praxis, wenn man es denn jetzt und überhaupt:
Wir beginnen mit einem Eigelb, einer minimalen Menge Senf (ein drittel Teelöffel suffiziert bereits), etwas Salz, etwas Pfeffer und einem Schuss Zitronensaft oder Rotweinessig. Wir beginnen, das Ganze mit einer Gabel zu rühren und geben einige Tropfen Öl dazu, rühren, rühren, rühren, Tropfen Öl, rühren, Tropfen Öl, etc… Irgendwann bildet sich etwas, das bereits nach Mayonnaise aussieht. Wenn es so weit ist, kann man die Ölmenge langsam erhöhen. Langsam. Wenn die Mayonnaise kippt, darf man von vorne anfangen und schließlich gegen Ende Löffel für Löffel die umgekippte einrühren. Wie viel Mayonnaise man aus einem Ei schlagen kann, hängt vor allem von der wässrigen Grundvorlage ab. Dr. M.A. Frant van Jovejokkel soll angeblich aus einem einzigen Eigelb einmal vierundzwanzig Liter der in seinem Heimatland Holland auch „weißes Gold“ genannten Sauce hergestellt haben.

Wie gut, dass wir akademischen Beistand haben. Genau, wie man am Ende auch umgekippte Mayo unterschlagen könnte, so kann man in eine Mayonnaise auch die Anchoïade-Grundmasse einschlagen. Ich habe etwa 300ml Mayonnaise gemacht und dafür o.g. 80g Sardellen und 1 Knoblauchzehe verwendet.

Diese Anchoïade, für deren mayonnaisigen Charakter ich vermutlich von jeder französischen Frau mit einer Reitpeitsche über den Hof gejagt werden würde – ein weiteres Vergnügen weniger also, das ich wie jeder andere bezahlen muss – ist eine wunderbare Creme auf Baguette oder Chiabatta. Für lustiges Kichern gibt es obendrauf gehackten Schnittlauch. Extrem lecker. Gefährdet akut meine kardiovaskuläre Gesundheit.

Studentenfutter: Eine einfache Gorgonzolasoße

Posted in Studentenfutter on 19. Juli 2011 by hoegi

Wenn die Zeit mal knapp ist und der Hunger groß: Hier ist kurz und knapp ein schnelles Rezept für eine leckere Gorgonzolasoße.
Eine Packung Gorgonzola in handliche Stücke/Würfel schnippeln, die Rinde entfernen nicht vergessen, und bei geringer Hitze in Topf oder Pfanne schmelzen lassen. Währenddessen schonmal die Nudeln (ich empfehle Spaghetti) ans Kochen bringen. Wenn der Gorgonzola gleichmäßig cremig geschmolzen ist, schmeißen wir einen Becher Sahne (die Verpackung machen wir vorher ab) dazu. Nach Gusto mit Salz und Pfeffer abschmecken und kurz zusammen kochen lassen. Zum Schluss gibt man, falls vorhanden, kleine Scheiben Parma- oder Serranoschinken in die Soße und erwärmt diese einen Augenblick mit.
Dass die Soße auf die Nudeln gehört brauche ich wohl nicht groß zu erklären. Also guten Appetit!

Worte und Dinge #9

Posted in smile and look alive on 9. Juli 2011 by Herr Grau

Since I have to choose between the boring and the crazy,
I always go for crazy.

Wichtige Worte: Samuel Johnson #1

Posted in smile and look alive on 4. Juli 2011 by Herr Grau

He who makes a beast of himself
gets rid of the pain of being a man.

Wichtige Worte: Deutsche Volkslieder #1

Posted in smile and look alive on 2. Juli 2011 by Herr Grau

Im Wald, da sind die Räuber.