Archiv für September, 2011

Scheinheiligenschein

Posted in smile and look alive on 28. September 2011 by Herr Grau

Wenigstens ist der alte Mann wieder in Rom und das ewige Presseloch, das eigentlich inzwischen immer zu existieren scheint, wenn nicht gerade irgendwo ein Tsunami explodiert, dieses Mahnmal der völligen Abwesenheit von allem anderen als Kriesenboulevardismus, kehrt wieder zu seinem inhaltlosem, den Blutdruck nunmehr kaum beeinflussenden Selbst zurück. Dass ich bis jetzt nichts geschrieben habe, war so lange Faulheit, bis mir eingefallen ist, dass ich mich aus der Masse des populistischen Schreibenden Packs würde hervortun können, gäbe ich dem ganzen nur ein wenig Zeit zum Abhängen und Mürbewerden.

In der Menge der unerträglichen Dummquasselei, sowohl auf Seiten der sich vielstimmig artikulierenden Kirche, als auch auf Seiten der Atheisten, von denen wie immer die am lautesten und damit pressewirksamsten und damit wieder rufschädigendsten schreien, die am unerträglichsten sind – Davilá hat mal geschrieben, dass man sich gegen die Last der Idioten auf der eigenen Seite nur mit völlig anachronistischen Meinungen schützen könne -, stach eine heraus, über die ich etwa genauso dringend stolpern musste, wie die US of A Dick Cheney gebraucht haben: In einem Schwall epischer Furchtbarkeit erbrach sich SPON-Kolumnist Jakob Augstein in die ihm fortan zu verbietende Tastatur. Dass ich, als ich meinem Hass verbal Luft machte, mehrfach die Phrase brauchte „Rudolf Augstein muss das Blach adoptiert haben, das kann einfach nicht die selbe DNA sein!“ und sich gerade bei der kürzest möglichen Recherche herausstellt, dass es tatsächlich so ist, ist nur das Prelude zu einem der wunderbarsten Stücke, die mein Hirnaneurisma je hat spielen müssen. Und nur ein weiterer Beweis, dass Martin Walser, der natürlich der leibliche Vater sein musste, wirklich nur noch aus dem bitterbösen Plan lebt und wirkt, uns so lange und viel wie möglich Schmerzen zuzufügen.

Ich bin ja ein Mensch von Gleichmut. Ich kann dem Christlamisten, der völlig begeistert ist, genauso mit Gleichgültigkeit und Desinteresse (meinen Familientalenten) begegnen, wie dem Kreuzanbeter, der von dem Reaktionismus des Pontiflex eher in die Magengrube getreten wurde, also Randgruppen, zum Beispiel, wie die gesamte evangelische Kirche. Ich war der letzten Tage sogar derart ausgeglichen, dass ich die Trottel tolerieren konnten, die überall im Internet meiner Sache als Ablehner der institutionalisierten Kirchen schaden, weil sie sie hemmungslos mit ihren nicht fest genug zurückgehaltenen Gedanken besudeln. Als ich aber den Satz las

[…]So viel Gewicht hat nun der Vatikanstaat nicht, mit seinen 993 Einwohnern und einer Wirtschaftskraft, die in etwa der von Lummerland entspricht. Es sei denn, man rechnet die Herstellung von Seelenheil zu seiner Exportindustrie, in welchem Fall sein Bruttosozialprodukt jeden Maßstab sprengen würde.

und dann auch noch erleben musste, wie er fortfährt

[…]es ist Sache der Kirche, wie sie ihre inneren Angelegenheiten regelt. Nicht-Katholiken kann der Zölibat und die kirchliche Benachteiligung der Frau egal sein. Wer katholisch ist und diese Dinge anders sieht, soll innerhalb der Kirche um Reformen ringen – oder austreten.

und sich dann auch die Kirsche für Obendrauf nicht sparen kann

Wir brauchen den Papst zum Beispiel, weil das deutsche Forschungsministerium mit öffentlichem Geld die Entwicklung eines Tests fördert, der ohne jedes Risiko für die Mutter feststellt, ob ihr Baby das sogenannte Down Syndrom aufweist. Dieser Test hat nur einen Zweck: Selektion. Ethik und Politik sind nämlich nur manchmal deckungsgleich. Es kann nicht schaden, in Rom einen sitzen zu haben, der mit uns über die Conditio humana in einer Zeit spricht, in der wir glauben, uns mit nichts abfinden zu müssen, in der wir für alles vorsorgen wollen und keine Gefahr mehr laufen mögen – und am Ende doch alle sterben.
Wer sich da jetzt, in und außerhalb des Parlaments, in aller Selbstgerechtigkeit seinem rechtschaffenem Protest gegen den Papst hingeben will, sollte sich daran erinnern, dass die Kirchengeschichte älter ist als die Abtreibungsdebatte und das Mysterium der menschlichen Existenz tiefer als die Frage nach der Homo-Ehe.

war es um mich geschehen. Ich war verliebt. Verliebt in Schreien. Irritierte Gesichter starrten mich an, als ich brüllend und kreischend, die Kleider mir vom Leibe reißend durch die Ambulanz rannte und aus einem Fenster sprang. Kollegen waren verschreckt, mühsam zu Patienten aufgebaute Vertrauensverhältnisse in tausend Scherben zerbrochen. Worte wie „Hexenverbrennung“, „Inquisition“, „AIDS“, „Überbevölkerung“, „Unerträgliches Leid“ und „Kreuzzüge“ mischten sich eher schwierig zu verstehen in ein schleifend-schäumendes Grunzen, das die Kapitulation vor der mehrdimensionalsten aggressiven Dummheit markiert, die dem Chronisten des menschlichen Geistes überhaupt bekannt ist. Man kann nur mit einer gewissen Menge an Ebenen, auf denen etwas abartiger Durchfall ist, zurecht kommen, bevor der Verstand ein erlösendes TILT von sich gibt und außer Rot den Augen nichts mehr zu sehen ist.

Und der Spiegel? Ödipus mag seinen Vater erschlagen haben, weil der ihm forsch von links die Vorfahrt nahm – der hier sich uns zeigende Vatermord aber ist bilderbüchlicher, als alles Dagewesene. Seit des guten Augsteins Tod degeneriert der Spiegel zusehens, das Online-Portal kann schon seit Jahren kaum mal einem Artikel vorweisen, den mehrere 1-Baht-Volontäre in mehrstündiger Gewaltarbeit gemeinsam wenigstens auf das orthografische Richtigkeitsniveau eines Volksschul-Diktats gequält hätten.
Vielleicht ist es Gnade, dass es Jakob Augstein gibt, der dem Medium den Gnadenstoß von Innen gibt. Es mag Gnade sein, aber wahrlich, die Gnade ist grausam.

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Glossner Helles Neumarkter Bio-Hefe-Weiss`

Posted in ... weiter nichts als Bier, Getestet on 13. September 2011 by hoegi

Beim Aufstocken meiner „Pinkus Alt“-Reserven in meinem neuen Stamm-Biosupermarkt wanderte mein Blick auch mal am Pinkus vorbei, querfeldein über die anderen dort so erhältlichen Biere. Pinkus war nämlich dann alle und ich brauchte Alternativen für schlimmere Tage. Von einem Angebotsschild angezogen hielten meine Döppen dann am Glössner Hefeweizen an. Rein damit!

Art:
Hefeweizen, 5,3 Vol-%

Geschmack: 8 Punkte
Von diesem mir bislang gänzlich unbekanntem Bier hatte ich nicht besonders viel erwartet; dieser Geschmack sprengt meine Erwartungen nichtsdestotrotz in Gänze! Das Bier wartet mit einer feinen, aber sehr präsenten Hefenote auf. Dabei geht das Bier wirklich sehr süffig und gaumenfreudig an ebendiesem vorbei, es ist ein wirklich angenehm zu trinkendes Bier. Wenn meine Erinnerungen mich jetzt nicht im Stich lassen, geht dieses Gebräu stark in Richtung des Andechser Weizens, das allgemein bekannter sein dürfte.

Preis: 8 Punkte
Im Angebot gabs die Flasche für sagenhafte 0,79€, regulär kostets glaube ich 0,99€. Der Vergleich: Im normalen Supermarkt kostet eine Flasche Erdinger/Paulaner/whatever normal 0,95€. Dafür, dass das Bier auch noch Bio und damit natürlich besten Gewissens zu trinken ist, ist der Preis sehr in Ordnung!

Flasche: 7 Punkte
Endlich mal wieder eine Bügelflasche und dann auch noch ein Weizen! Horido! Und nicht nur das: die Flasche kommt auch noch mit Prägung auf dem Übergang zwischen Bauch und Hals. Edel, edel. Dafür ist das Etikett wenig bis gar nicht ansprechend und ehrlich gesagt verstört mich der gelbe Dichtungsring am Verschluss etwas.

Fazit: 8 Punkte
Ohne große Rechnerei (Prozentrechnung so spät am Tag? „Nein, Danke!“) komme ich hier auf solide 8 Punkte für dieses plötzlich in mein Leben gestürzte Bier. Eine schöne Sache, denn jetzt kann ich im Bioladen nicht nur pilsartiges Bier, sondern auch noch Weizen kaufen! Hurra!

Original Pinkus Münstersch Alt

Posted in ... weiter nichts als Bier, Getestet on 6. September 2011 by hoegi

Um die Serie „lokale Biere“ fortzusetzen, habe ich heute im Bio-Supermarkt meines Vertrauens (höhö.) zwei Flaschen „Original Pinkus Münstersch Alt“ erstanden. Denn dank „Bioland“ und Bio-Siegel nach EG-Verordnung scheint das letzte überhaupt in Münster direkt gebraute Bier in Bioläden überall in der Republik erhältlich zu sein. Schön sowas.

Art:
Alt, 5,1 Vol-%

Geschmack: 8,5 Punkte
Es trägt nur geringfügig zum Geschmack bei, aber die Schaumbildung spielt bei Biergenießern oftmals eine wichtige Rolle. Wie auf dem Foto zu erkennen, fiel es mir schwer misslang es mir, eine ordentliche, geschweige denn überhaupt eine Krone auf das Bier zu bekommen. Vom Perlverhalten erinnert es irgendwie an Limonade. Für die Optik natürlich schade.
Das Pinkus Alt hat mit gemeinem Alt etwa so viel zu tun, wie ein Stück Nähgarn mit den sieben Zwergen. Abgesehen von der Bezeichnung und der obergärigen Brauart etwa gar nichts. Den typischen malzigen Charakter eines klassichen Alts sucht man im Pinkus vergebens. Vielmehr dominiert eine leichte Frische, die man so selbst bei den meisten Pilsenern nicht findet. Dieses Bier bewegt sich in einer absolut geschmacklichen Grauzone. Das ist nicht negativ zu verstehen, aber es fällt schwer, diesen Geschmack zu kategorisieren. Es ist – wie erwähnt – frisch, sowie weder herb, noch besonders würzig, aber es schmeckt nichtsdestotrotz nach Bier. Einen Hauch Fruchtigkeit lässt es im Nachklang auch erkennen. Ich finde dieses Bier zwar sehr ungewöhnlich, dafür aber auch ungewöhnlich lecker!

Preis:
6 Punkte
Im Bio-Supermarkt gibt es Pinkus nur in Einzelflaschen zu kaufen. Ich habe für eine Flasche 1,09€ auf den Tisch gelegt. Nicht zu viel für ein sehr individuelles, dabei auch noch „biologisch einwandfreies“, sowie im Herzen von Münsters Altstadt gebrautes Bier. Wer mit dem Glück gesegnet ist, in oder um Münster herum angesiedelt zu sein, kann die Kiste Pinkus im Getränkefachhandel für 14€ bis 15€ erwerben. Für Biergourmets sollte dieser Preis durchaus im Rahmen des Erträglichen sein.

Flasche: 5 Punkte
Pinkus kommt generell in der schlichten und üblichen braunen NRW-Halbliterpulle. Das „Original Münstersch Alt“ ist mit rotem Etikett bedruckt, welches leider etwas billig und schnell hingeklatscht anmutet. Wie auch schon das Bier im Glas ist diese Flasche optisch leider kein Hochgenuss, aber ich habe auch schon Schlimmeres gesehen. Für die Zeichnung der Münsteraner Altstadt muss ich natürlich auch noch einen Bonuspunkt einrechnen.

Fazit: 6,5 Punkte 8 Punkte

Empfehlung? Ja! Mit 6,5 Punkten kommt das Bier eher schlecht weg, was aber vor Allem an Preis und Flasche liegt. An diesem verqueren Punktesystem muss der Rat der Weisen noch etwas schrauben. Wer dieses Bier nicht getrunken hat, kann darüber nicht urteilen, und wer es getrunken hat wird es entweder lieben oder hassen. Pinkus-Biere polarisieren. Das ist gut so, denn Durchschnitt, der jedem schmeckt, schmeckt nicht jedem.

 

Anmerkung Herr Grau aus der hinteren Reihe: Der werte Kollege hat im offensichtlichen Suff übersehen, wie unser Wertungssystem funktioniert und sich dazu entschlossen, lieber darüber zu pöbeln. Sehr deutsch und damit natürlich eigentlich unterstützenswert. Wenn man aber aus dem eigenen Bauchgefühl schon einen Index mit vierzehn Stellen hinter dem Komma errechnet, dann soll der Leser wenigstens nicht am Ende mit einem falschen Ergebnis dastehen. Darum korrigiert.

DEGRAA Pils

Posted in ... weiter nichts als Bier, Getestet on 3. September 2011 by hoegi

Ahoi miteinand´!

Nach erneuter längerer Abstinenz am Tastenbrett melde ich mich mit einem aktuellen Report aus der Aachener Brauerszene zurück.
Vor noch nicht allzulanger Zeit, etwa bis zu Beginn der 90er, war Aachen auf der Deutschlandkarte der Brauhäuser noch mit dem Bier DEGRAA verzeichnet, ehe durch eine Machtübernahme durch einen Kölschen Clan die Marke DEGRAA aus konkurrenztechnischen Gründen von eben dieser Karte getilgt wurde.
Jetzt, also rund 20 Jahre später gibt es wieder DEGRAA. Im Unterschied zu damals handelt es sich bei dem Bier heute um ein Pils; damals handelte es sich um ein obergäriges Lager nach kölscher Brauart. Der Werbespruch damals übrigens: „Opa wurde hundertjährig, stets trank er Degraa obergärig!“, der gerne mit „Oma wurde hundertzehn, hatte DEGRAA nie gesehn!“ gekontert wurde.
Auf den Markt kam das Bier am 1. Juli 2011, und ich kann mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass ich der erste Privatkunde war, der pünktlich zum Beginn des Werksverkaufes am 1.7. um 9:00 Uhr morgens die erste Kiste aus der Halle schleppte. Als kleines Präsent für die ersten 500 Kunden gab es diesen formschönen Flaschenöffner (siehe Bild).
Doch wie steht es jetzt mit der Aachener Braukunst? Noch wird das Bier in Krefeld gebraut und nach Aussage des jetzigen Verantwortlichen Helmut Schwichtenberg (Sohn des letzten DEGRAA-Braumeisters, so schließt sich der Kreis.) nach einer Rezeptur, die den Wünschen der Aachener Biertrinker entlehnt ist, gebraut. Nun denn.

Art:
Pils, 5,0 Vol-%

Geschmack: 5 Punkte
Unwahrscheinlich, dass es an zwei- bis dreiwöchiger horizontaler Lagerung im Kühlschrank liegt, aber das Bier schmeckt auf die ersten Schlücke leicht metallisch. Im weiteren Verlauf nicht annähernd herb, dafür sehr würzig im Abgang. Auch wenn ich auf dem Feld der Kölner Biervergewaltigung kein Kenner bin, aber ich finde dieses Pils geht in die Richtung von Kölsch, wenn auch nicht ganz so wässrig.

Preis: 5 Punkte
Ich habe die Kiste für 14,49€ (vielleicht auch für 14,99€) im „Werksverkauf“ erworben, was vor zwei Monaten noch exklusiver Verkaufsstandort war, mittlerweile soll es aber auch im freien Handel verfügbar sein. Mit dem Preis bewegt es sich im oberen Premiumbiersegment, allerdings ist bei der noch recht kleinen Zielgruppe und damit niedriger Auflage (und der Tatsache, dass es im Lohnbrauverfahren woanders gebraut wird) ein niedriger Preis völlig utopisch. Kann man also keinen Vorwurf machen.

Flasche: 7 Punkte
Das Bier kommt in der braunen Standard-NRW-Longneckflasche mit gold-grün-rotem Etikett. Das sieht doch sehr nach Weihnachten aus. Das Etikett ziert die Silhouette der Aachener Altstadt und ist mit einem scheinbar angetrunkenen Bären versehen, der einen leicht angewiderten Gesichtsausdruck an den Tag bringt. Marketingtechnisch sicher bedenklich.

Fazit: 5 Punkte

Empfehlung? Jein. Wer in Aachen ist, sollte dem Bier mal eine Chance geben, insbesondere wenn man es denn mal vom Fass bekommen sollte. Meine Richtung ist es nicht unbedingt, Freunde des Kölschen könnten aber durchaus ihre Freude daran haben.