Einbecker Dunkel (Update)

Nachdem meine Kamera leider gerade ohne Vorwarnung einfach den Dienst quittiert hat, um in der Tschecheslowakei Quitten anzubauen, muss es leider heute vermittels Beispielfoto von statten gehen. Wie ein Dunkelbier aussieht, weiß aber denke ich sowieso jeder. Dunkel. Dabei ist das Einbecker Dunkel gar kein so richtiges Dunkelbier, zumindest was den Geschmack angeht. Es steht meiner bescheidenen Meinung nach viel näher am Landbier, als an einem Schwarzbier. Ebenfalls jener demütigen Meinung meinerseits entspringt das Urteil: Was für ein Glück!

Aber von vorn, wie so oft presche ich vor, ohne auf meinen werten Leser und dessen Konfusionszustand Rücksicht zu nehmen. Ich hatte vor einer Woche das Glück, an einer Brauereiführung in Einbeck teilnehmen zu dürfen. Neben der Erkenntnis, dass dieses kleine niedersächsische Städtchen im Mittelalter wohl für Bier das gewesen sein muss, was Salzburg für Salz und Kiel für den harten Schanker war, entdeckte ich bei der sich an die Führung anschließende Verkostung im Braukeller (nebenbei: Fünf Euro für die Führung, Schnittchen und zwei Stunden lang so viel Bier wie man trinken kann – das ist schon ein Angebot!…) neben etlichen Bieren, die in Ordnung, aber keine Kracher waren, das Einbecker Dunkel. Es kam in großen Steinzeugkrügen und direkt vom Fass, ich hatte also schon die begründete Befürchtung, dass der hervoragende Geschmack und das Trinkgefühl dem Weingut-Phänomen unterliegen könnte – aber! Geirrt!

Art:
Untergäriges Dunkelbier, 4,9% Alkohol, 11,5% Stammwürze

Geschmack: 9 Punkte
Ich vergebe einfach kalt neun Punkte, da kenn ich nichts. Das Bier ist lecker. Sehr. Es ist hat das Grundgefühl eines guten Pilses, ist dabei aber lecker malzig und etwas brotig, nicht zu herb und bringt vor allem eine enorme Süffigkeit ins Spiel. Alles in allem erinnert es in seinem Charakter stark an das von mir auch hochgeliebte Bayreuther Aktien Landbier, was niemand ernsthaft schlecht finden kann. Es ist eher noch einen Tick süffiger. Auf jeden Fall bringt es keine übertriebene Bitterkeit von zu viel Dunkelmalz mit, sondern bringt die Ausgewogenheit genau auf den Punkt. Wirklich überlegen ist das Aktien Landbier nur noch dadurch, dass es keinerlei Kater macht, wogegen das Einbecker „nur“ auf dem Niveau eines guten Premiumbieres liegt.

Preis:  8 Punkte
Wer jetzt denkt, dass es einem für diesen Genuss Dukaten aus den Ärmeln regnen muss, der liegt glückerlicherweise völlig daneben. Hier in Göttingen liegt die 20er (Achtung! In Worten: Zwanzig) 0,33er Kiste zwischen 9 und 10€! Ich weiß nicht, in welchem Umkreis das Bier zu haben ist und wie teuer es dann wird, aber hier – und nur darauf kommt’s mir natürlich an – ist es ein Preis-Leistungs-Kracher.

Flasche:  6 Punkte
An und für sich habe ich gar nichts gegen die Flasche, das Design ist einfach und hübsch. Leider gibt es das Dunkel ausschließlich im 0,33er Hohlglas. Das macht ein kleines bisschen wehmütig.

Fazit:  8,75 Punkte
Ich musste die Wertung im Nachhinein etwas korrigieren, als mir die 20er-Kistengröße klar wurde. Trotzdem ist das Bier sehr lecker und günstig, oder um es kurz zu sagen: Einbecker Dunkel ist mein neues Hausbier. Punktum.

Unbedingte Empfehlung

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