Geld gegen Essen – Salvatore Trattoria (Göttingen)

(aus Übersichtsgründen vorgezogenes) Prädikat: Seinen Preis nicht wert

Wer vom Teutschen Theater die vermutlich nach Dr. Rudolf Gernod Theater benannte Straße in Richtung Stadt herunter trottet, mag in einer dünkelen Nacht zu seiner Linken große, freundlich leuchtende Fenster widerscheinen und den hungrigen Wanderer zur Einkehr verheißen sehen. Über der Tür spricht es von einer „Trattoria“, im Inneren zeichnet ein Holzofen für das schöne Licht mitverantwortlich. Was soll da noch schiefgehen? Besser: Wo soll ich anfangen?..

Ja, das Ambiente ist recht ordentlich. Der Kellner italienert, im linken Teil des Restaurants gibt es sogar ein paar Echtholzbalken und die Teller sind groß und schön. Und nein, das Essen ist nicht per se schlecht. Aber was Mutti und Vatti uns zu lange verschwiegen haben, ist, dass auch Mangel mehr als die Summe seiner Teile sein kann. Es sind die kleinen Dinge, die sich am Ende zu einem deutlich fahlen Nachgeschmack summieren, zum Beispiel, dass ein bestelltes Pils in einem Weinglas gebracht wird. Auch nicht Weißwein, nene, Rotweinkelch. Muss ja atmen und Kohlensäure stört insgesamt den Biergenuss auch nur. Entsprechend ist es auch schon etwas schal, als es am Tisch ankommt. Leitungswasser wird auf der Karte mit 1€ für ein kleines Glas ausgezeichnet. Das Gefühl, im eigenen Land wie ein dummer Gringo behandelt zu werden, zementiert sich, wenn das Essen kommt. Fast zehn Euro für einen Teller verkochter Pasta mit zu saurer Tomatensauce, in die jemand gnädigerweise eine händisch abzählbare Menge an Rindfleischstreifchen, offensichtlich Abschnitte aller Art und Form, gegeben hat. Acht Euro für eine Pizza, die wirklich keinerlei Profit aus dem Holzofen zieht. Acht Euro für wiederum überkochte Pasta mit Lachsstücken in Sahne. Keine Sauce, einfach Sahne. Dass der Kellner mich noch durch den halben Speisesaal maßregelt, ich möge doch meiner Freundin die Jacke abnehmen, ist mehr die Kirsche obenauf.

Wenn ich diese Erfahrung bei einem Italiener gemacht hätte, wo die Speisen die Hälfte gekostet hätten, wäre das eine Sache. Aber durchschnittliches bis unterdurchschnittliches Essen hinter hohen Preisen und feinem Porzellan zu verstecken, sowas geht mir wider die Natur. Es scheinen sich viele Leute mit offenbar insuffizienten Geschmacksknospen davon blenden zu lassen – mich sieht der Laden so schnell nicht wieder, wo in der Nähe günstigerer Parkgelegenheiten Rimini, Rialto und Vapiano möglich sind.

Wertung:
Essen:  5 /10
Service:  7 /10
Sauberkeit:  10 /10
Preisgestaltung: 3 /10
Ambiente: 8 /10

Gesamtergebnis: von 3 von 5 Vanilleeiskugeln mit Senf und Gürkchen

Salvatore Trattoria
Theaterplatz 10
37073 Göttingen
0551 488 ext. 6130

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