Archiv für Juni, 2013

Cornelius Bräu Opulentus

Posted in ... weiter nichts als Bier on 24. Juni 2013 by hoegi

Nachdem ich zuletzt den vernünftigen kleinen Bruder aus der Cornelius-Bräu-Familie verköstigte, steht heute die grobe Dicke auf dem Plan. Der Name lässt schon Rückschlüsse auf Charakter und Qualität des Bieres zu: „Opulentus“ ist von dem lateinischen ops abgeleitet, was in etwa „Macht, Vermögen“ bedeutet. Unter „opulent“ versteht man im Deutschen laut Duden etwas „sehr reichliches und von vorzüglicher Qualität“. Das wollen wir ja mal sehen.
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Einen inneren Reichsparteitag beschert mir (wie schon das Sanctus) der Öffnungsvorgang des Braubehältnisses. Mit einem kräftigen Entkorkungsgeräusch (onomatopoetisch: *plopp* [prächtig, rund, voll]) lässt sich der Korken seiner Abdichtungsfunktion berauben und dem fertigen Bier einen Erstkontakt mit der frischen Luft angedeihen.
Das Bier riecht zuerst süßlich nach Karamell, nach längerem Nasalkontakt mischt sich eine ledrige Note mit ein.
Der erste Schluck entspricht stark dem Antrunk des Sanctus, es überrascht jedoch, dass der Alkholgehalt von 9,2 Vol.-% nicht stärker durchscheint. Stattdessen machen sich malzige, altbierartige Nuancen breit, die von einer gewissen Süße gefolgt werden, welche gepaart mit einer minimalsten Alkoholnote den Rachen passieren.
Vielleicht werde ich schlagartig alt und meine Geschmacksnerven versagen, oder es macht mir einfach nichts aus, dass ein Bier mit so viel Alkohol dennoch trinkbar ist, oder dieses Bier ist tatsächlich überraschend lecker. Ich hoffe auf eine Mischung aus 2 und 3.
Etwas traurig stimmt das Aussehen des Bieres, nachdem es ein paar Minuten im Glas vor sich hingeatmet hat. Der fragile Schaum zerfällt schnell und hinterlässt nicht viel mehr, als eine bräunlich-dunkle Brühe mit einem Ansatz eines Schaumrandes. Das sieht nicht sehr appetitlich aus und ist insbesondere in der Hinsicht schade, als dass das Bier nicht geschüttet, sondern genossen werden möchte.

Geschmack: 7,5 Punkte.
Das Bier entwickelt seinen Geschmack sehr verzögert, überrascht dann allerdings mit einer überzeugenden Ausgewogenheit, die nur vom zu erahnenden Damoklesschwert in Form der leichten Ahnung des sich versteckenden Alkohols beeinträchtigt wird.

Preis: 3 Punkte.
Auch hier weiß ich nicht, wie teuer das Bier tatsächlich ist, daher richtet sich die Bepunktung nach der des Sanctus.

Flasche: 9 Punkte.
Hier gilt ebenfalls: Alles wie beim Sanctus. Verkorktes Bier ist einfach geil, das Etikett eher weniger.

Fazit: 7,1 Punkte!
Ich würde dieses Bier wahrscheinlich nicht benutzen, um mich damit vorsätzlich zu betrinken, auch wenn das mit annähernd 10% gewiss gut funktionieren würde. Wohl aber empfehle ich das Cornelius Bräu Opulentus jedem Genusstrinker, der weder Zeit noch Muße hat, sich mit der Materie des Weintrinkens zu befassen. Auch Biertrinken kann edel und entschleunigt sein.

Cornelius-Bräu Sanctus

Posted in ... weiter nichts als Bier on 20. Juni 2013 by hoegi

Heute erwartet euch und mich eine ganz besondere Spezialität aus der Welt des Hopfengenusses. Vor mir steht ein flaschengegorenes, zumindest in lokal hier in Aachen vertriebenes (wer weiß wo es gebraut wird), Spezialbier mit 7,7 Vol.-%. Laut Herstellerseite wird das Bier auch tatsächlich nach Aachener Familienrezept hergestellt, also behaupte ich blindlings einfach mal, dass es sich um ein absolut lokales (und damit sehr löbliches) Getränk handelt. Das Trinkgefäß der Wahl scheint ein Trappistenglas zu sein, daher schwenke ich noch weiter aus und behaupte, dass es sich hier um eine Art Trappistenbier handelt, und wenn doch nicht, dann wenigstens um ein Bier nach belgischer Machart. Das kann gut, kann aber auch fürchterlich sein. Onward!
Cornelius-Bräu Sanctus
Der Öffnungsvorgang hat bringt in seiner Durchführung eine nicht verachtenswerte Hochwertigkeit mit sich. Ein Bier mit Korken, das hat man nicht alle Tage. Es sei dazu gesagt, dass das die Haltbarkeit des Bieres drastisch beeinflusst: seit November 2012 schlummert die Flasche in meinem Kühlschrank, die Haltbarkeit ist auf Mai 2014 festgelegt.
Der Einguss des Bieres gestaltet sich überraschend. Statt einer sämig-schaumigen Konsistenz wartet das Sanctus mit einer eher sekthaften Perligkeit auf. Der Schaum entfaltet sich flockig und leicht, zerfällt aber auch ebenso schnell wie er entstand.
Der Eindruck des sektartigen Charakters spiegelt sich auch im ersten Antrunk wieder. Die naturbelassene, trübe Farbe des Bieres verspricht einen samtigen, vollen Schluck, was durch das Bier allerdings mit einer dünnflüssigen, sehr kohlensäurenlastigen Viskosität widerlegt wird. Von dort an gestaltet sich der Geschmack anfangs wie antizipiert, es entfaltet sich eine Note von Trauben, die möglicherweise durch Konditionierung aus seltenem Sektkonsum angedieh, die in einer langanhaltenden Würzigkeit mündet, welche noch lange nach Abtrunk im Rachenraum verbleibt. Ich bin geneigt zu sagen, dass eine leicht brennende Note am Gaumen verbleibt, die mir eigentlich unangenehm erscheint, allerdings sollte dieses Bier nicht auf einer Ebene mit üblichen, süffigen oder flachen Bieren verglichen werden. Auf den zweiten Schluck schmiegt sich das Bier an die Geschmacksknospen des Trinkers und umhüllt diese mit einer angenehm schweren, langen Geschmacksfülle, die viele alltägliche Biere heutzutage vermissen lassen. Ich bin überrascht von der Komplexität des Bieres und der Ratlosigkeit, die eben jenes in mir hinterlässt. Das Cornelius-Bräu Sanctus ist gewiss kein Bier, das man zum Schütten in rauhen Mengen trinken kann und auch keines, was man geflissentlich als Nebentätigkeit bearbeitet. Dieses Bier ist ein Genussbier und als solches will es auch behandelt werden. Wie eingangs vermutet, erinnert das Bier sehr an belgische Biere, was in diesem Zusammenhang allerdings sehr positiv gemeint ist.

Entgegen aller Gewohnheiten hier abschließend die Zusammenfassung des Testes:

Geschmack: 8 Punkte.
Das Bier entfaltet sich erst 20-30 Sekunden nach Antrunk, bis dahin erscheint es zu herb und klemmt förmlich die Geschmacksnerven ab. Nach Ablauf dieser Zeit entfaltet sich das gesamte (tut mir leid für den Begriff) Bouquet des Getränkes. Interessante Erfahrung!

Preis: 3 Punkte.
Ich habe das Bier geschenkt bekommen, daher muss ich raten, dass das Bier wahrscheinlich recht teuer war. Ich gehe von einem Preis von 2-3€ pro 0,375-Liter-Flasche aus.

Flasche: 9 Punkte.
Das Bier kommt in einer kleinen, verkorkten und typisch grünen Champagnerflasche daher. Für ein Bier sicherlich ungewöhnlich, aber das Öffnen war mir ein Fest. Einen Punkt Abzug gibt es für das lieblos gestaltete Etikett.

Fazit: 7,6 Punkte!
Trotz oder gerade wegen seiner fast 8% fällt das Bier aus allen mir bekannten Biertrinkerschemen aus. Nachdem der erste Schock des an Sekt erinnernden Geschmackes und der Konsistenz überwunden ist, gestaltet sich das Bier als sehr vielfältiges, angenehmes Genießergetränk. Ich bin trotz meiner zahlreichen Worte sprachlos.

Pasta alla Gricia & Pasta All’Amatriciana

Posted in Studentenfutter on 19. Juni 2013 by Herr Grau

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Im Latium scheint man mit großer Leidenschaft Käse mit Nudeln zu vermischen. Carbonara ist die Variante mit Speck, Parmesan und Ei, in der Hauptstadt Rom im Herzen des Latiums hat Cacio e Pepe, also Pasta mit Peccorino Romano und Pfeffer, Lokaltradition. Wenn man sich irgendwo in der Mitte trifft und Speck und Peccorino nimmt, ist man bei Pasta alla Gricia angekommen. Ich hatte einen exzellenten Lardo im Haus, also wählte ich der eher zurückhaltenden Natur des Rückenspecks entsprechend einen milden, jungen Peccorino. Man wird aber häufiger die Variante mit Guanciale antreffen, ein herrlicher Speck aus Backe und Nacken des Oink-Tiers und wenn man ehrlich ist, macht sich Lardo viel besser auf Brot, in Nudeln geht er trotz aller Vorsicht zu leicht unter. Und dafür ist er einfach zu schade. Das erklärt vermutlich auch, warum sich damit fast keine Rezepte im Internet finden.

Der Herstellungsalgorithmus ist nicht allzu anders als bei der Carbonara auch: Nudeln aufsetzen. Speck in einer Pfanne mit Olivenöl oder Butter anbraten. Wenn der Knusperigkeitsgrad den Individualgeschmack kitzelt, wird das Ganze mit einer großen Kelle Pastawasser abgelöscht. Auf der Hitze lassen. Nudeln wie bekannt drei Minuten weniger kochen als auf der Packung anberaumt und mit einer weiteren Kelle Pastawasser in die Pfanne geben. Dann eine Handvoll geriebenen Peccorino pro Person unterziehen, pfeffern und bis zur gewünschten Sämigkeit herunterkochen. Eventuell nachsalzen, so der Speck diese Aufgabe nicht ausreichend bewältigt hat. Wenn man an dieser Stelle auch noch entweder Tomatenpüree oder, wie ich es wesentlich lieber mag, gewürfelte Tomaten und ein bisschen Chili – vorzüglich natürlich Peperonici – dazu gibt, hat man plötzlich nicht mehr alla Gricia, sondern All’Amatriciana. Warum beides in einem Artikel abgehandelt wird, dürfte damit auch in Klarheit verbleiben. Das bemühevoll Zubereitete darf optional mit Petersilie verfeinert und mit Pfeffer und Peccorino dekoriert werden.

Grobes Leberpâté

Posted in Studentenfutter on 9. Juni 2013 by Herr Grau

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Pâté klingt zugegebenermaßen äußerst französisch, kommt es doch schließlich fabrikfrisch adrett und äußerst suggestiv mit Aigu und Circonflexe daher. Die Ursprünge sucht man aber im Franzenland vergeblich, urgehoben hat hier der osteuropäische Jude. Überraschung!

Jüdische Immigranten bildeten eine der größten fremdländischen Bevölkerungspopulationen der USanischen Ostküste, vor allem von Neuyork. Entsprechend haben die aus deren reichhaltiger kulinarischer Tradition entstandenen Delis (kurz für: Delicatessen) von dort aus neben dem Sauerbrot mit Pastrami vor allem auch Chopped Liver im Gesamtstaatenbund bekannt gemacht. In Deutschland muss man unrühmlicherweise den Leuten leider immer noch hektisch mit den Armen wedelnd erklären, dass man Leber tatsächlich essen kann. Dass einige Leute Leberwurst essen, sich aber beständig weigern, gehackte Leber auch nur zu probieren, treibt mich im Regelmaß auf die Palme. Denn an und für sich hat dieses Pâté das Potential, auf der nächsten Festivität mit Hochdruck gütebringend einzuschlagen. Spottbillig ist das Ganze außerdem noch.

Meine Zubereitung ist nicht traditionell, ich persönlich ziehe meine aus etlichen Experimenten entsprungene Variante aber vor. Deswegen habe ich auch einen ambivalenteren Namen gewählt.
Man dünstet in einer Pfanne in richtig ordentlich Butter eine große, in Würfel gehackte Zwiebel glasig. Derweil hackt man ein Pfund Geflügelleber äußerst klein und gibt diese unter Maximierung der Hitzezufuhr dazu, wenn einem das schmurgelnde Schalengewächs in seinem Dünstzustand zu gefallen weiß. Kritisch: Leber nur kurz braten, sonst wird sie bitter. Abgelöscht wird sodann mit einem ordentlichen Schwenk Rotwein. Salz, Pfeffer und frischer Thymian kommen dazu, eventuell auch ein bisschen Rosmarin, aber nicht übertreiben damit. Rotwein komplett einkochen, dann etwa 50ml Sahne dazu und auch verkochen. Vom Feuer nehmen und sofort ein großes Stück kalte Butter unter. Außerdem kommt auch großzügig gehackter Schnittlauch dazu.

Am besten füllt man das ganze in kleine ausgekochte Wurstgläschen. Wenn man genug hungrige Mäuler oder einfach selbst ausreichend Appetit bei der Hand hat, kann man es aber auch einfach in einer Schale oder Plastikdose in den Kühlschrank stellen. Heiß oder kalt, auf jeden Fall aber auf Butter und mit mehr frischem Schnittlauch, einer der großen Genüsse dieser Welt.

Avocadocreme

Posted in Studentenfutter on 5. Juni 2013 by Herr Grau

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Heute seit langer Zeit mal wieder ein Gastvortrag. Er stammt von dem unseren Lesern wahrscheinlich gänzlich unbekannten Herrn Felix S., der sich mit dem folgenden Akt kulinaristisch wie literatesk selbstzuverwirklichen weiß:

„Die Avocado gehört mit einem Fettanteil von 15 -25 % zu den kulinarisch ernsthaft interessanten „Gemüsesorten“. Das erklärt auch, warum man Freude daraus gewinnen kann, sie zu verspeisen: Der Körper merkt sofort, dass man ihm nicht, wie beispielsweise beim Verzehr einer Gurke, die Kalorienzufuhr bloß vortäuscht. Die Avocado – vom aztekischen Wort für „Hoden“ – hat es in sich. Allerdings bedarf es einiger kleiner Kniffe, um dem Grundpotential dieser Beere (Erdbeeren sind übrigens keine Beeren, Avocados und Bananen hingegen schon – Danke Wikipedia.) ein geschmackliches Erlebnis erwachsen zu lassen.
Um es also in Anlehnung an Herrn Malmsheimer auszudrücken:
Die Avocado ist der Estrich… auf dem die Geilheit geschieht. Avocadocreme.

Man nehme eine reife Avocado. Reife erkennt man daran, dass sie in etwa die Konsistenz der Brust einer jungen Dame hat – prall, aber dennoch angenehm weich, wenn man sie leicht drückt. Diese (also die Avocado) entledige man nun ihrer Haut (also Schale), auch dieses funktioniert erst vernünftig, wenn die Avocado den richtigen Reifegrad erreicht hat. Reife Avocados gibt es inzwischen im gut sortierten Supermarkt, ansonsten muss man die Beere zuhause selber nachreifen lassen. Nach Entfernen der Schale und des Kerns (man beachte dessen… aufregende!… Haptik) nun das Fleisch in eine Schüssel geben. Dazu fügt man ein geschältes, weich gekochtes Ei,
3 – 5 geviertelte Cherrytomaten, 2 fein gehackte Knoblauchzehen und ein paar (!) Tropfen Zitronensaft. Der Zitronensaft verhindert das schnelle Bräunen der Creme, da die Avocado ohne Zusatz dieser Antioxidans zum wilden Oxidieren niege, nög oder neigte. Zuviel davon macht allerdings alles kacke, ein paar Tropfen hingegen runden den Geschmack schön ab. Nun werde alles mit einer Gabel kräftig gematscht. Von der Benutzung eines Pürierstabes würde ich stark abraten, leicht stückig ist das Esserleben der Creme meines Erachtens nach einfach deutlich intensiver. Nun der Knackpunkt. Das Würzen. Natürlich kommen kräftig Pfeffer und Salz zum Einsatz, aber bis jetzt ist das Ganze nur lecker. Zum Erlebnis macht es ein Gewürz aus der spanischen Region La Vera: Pimenton, und zwar die picante Variante. Diese über Steineichenrauch kräftig geräucherten feurigen Paprikaschoten kommen in Pulverform in aromakonservierenden kleinen Blechdosen (à ~ 4€, wohl am ehesten in Feinkostläden zu bekommen) daher. Ein halber Teelöffel pro Avocado sollte wohl schon genügen – das Zeug ist potent – es kann ja noch nachgewürzt werden. Noch 3mal umrühren, ein paar Minütchen durchziehen lassen und zu Baguette, Ciabatta oder wie auch immer geartetem Brotartigen genießen.
Mmmmmmh!“

Das Haus dankt.

Appetitanregerchen – Knoblauchbaguette

Posted in Studentenfutter on 3. Juni 2013 by Herr Grau

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Bistro-Klassiker. Und darf auch auf keiner deutschen Grillparty fehlen. Jeder weiß, wie lecker die Dinger tatsächlich sind.
Möchte kaum unterstellen, dass man sowas irgendwem wird erklären müssen. Trotzdem kaufen allerhand Leute die fertigen Knoblauchbaguettes und ich weiß nicht genau .. warum.

Knoblauchbutter (Kleingehackter Knoblauch, Zwiebelpulver, Rosenpaprika, Oregano, Salz & Pfeffer in zimmerwarme Butter einmanschen, evt. etwas ziehen lassen) auf Baguette verstreichen.
Bei 200° Ober/Unterhitze etwa 8-10 Minuten backen.