Das große Menscheln

Die Frau sah aus wie ein wuchtiges Denkmal alimentärer Lebensbewältigungsstrategien – mit Kurzhaarschnitt. Nun hielt es offenbar irgendjemand für opportun, diese wandelnde Kampagne gegen – oder für die Totsünde der Völlerei nicht nur in parteifarbendes, frohes Tuch zu wickeln, nein, sie gleich zur Staatssekretärin für Gesundheit, Emmanzipation, Kastration und verbale Euthanasie (oder so ähnlich) zu erheben. Das wirft natürlich die Frage auf: Wie kam es dazu? Am äußeren Schein lag es nicht.

Vielleicht also an ausgefeilter Rhetorik? Mit großen Worten nichts zu sagen ist schlussendlich Pflichtfach und ungekrönte Paradedisziplin eines jeden Volksbetrügers – und hat so manchem Meinungshehler schon an kalten Tagen ein warmes Essen beschert. Nun war ihre Wortgewandheit tagesformbedingt nicht ganz en par mit Seneca und Cicero. Vielmehr gab sie nach zwei mehrfach durch Ratlosigkeit am Wort unterbrochenden Sätzen offen zu, etwas unvorbereitet Oden aus fremder Feder vorzutragen. Leider wollte ihr auch das nicht so recht gelingen.

Nun denn. Kompetenz? Ich möchte hier zum einen aus Rücksicht auf eine etwagige Leserschaft darauf verzichten, im einzelnen auf die in ihrer sachlichen Richtigkeit äußerst gewagten, zumindest aber in ihrer Gesamtheit stark Besorgnis erregenden Aussagen (Highlights: die Vorzüge der Minderheitsregierung: ‚Nur da geht es um die Sache‘, Patientenselbstbestimmung als größtes Problem des Gesundheitswesens im 21. Jhdt) einzugehen, zum anderen gebietet es die Fairness, die Frau Staatssekretärin nicht an Thesen zu richten, an deren Entstehung sie nicht beteiligt war – und zu deren Darbietung sie aufgrund mangelnder alternativer Manuskripte gezwungen war.

Bleibt noch die Küngelei. Nun, die Resonanz ihrer Vorstellung erreichte nicht ganz die menschelnde Euphorie eines JFK. Doch möchte ich einer jeden Person jegliches zwischenmenschliches Verständnis absprechen, deren einzige Reaktion – trotz dreifachem Zeiteinsatzes – von ein paar wirklich masochistischen Wählern abgesehen, darin bestand – nun, ich will es so sagen: Hätte der Mob auch nur über eine einzige Mistgabel verfügt, so hätte die gute Frau den Tag auf einem brennenden Heuhaufen beendet.

Fazit: Wer Staatssekretär(in) werden will, muss einen verdammt guten Kaffee kochen.

Wednesday, November 24, 2010

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