Mediathek im Staate

Journalismus! Reportertum! Du super- wie capeloser möchtegern Clark Kent! Erkläre er sich!

Ist es, dass so viele meiner mündig geborenen und durch Deine Feder so erfolgreich misinformierten Mitbürger derart eindringlich Platz und Hoheit fordern, dass Du Ihnen nicht nur die Schlammgrube der geistig Armen, jenes Kommentarfeld dessen, was ein irrwitziger Hornberger Deiner Reihen als Onlineausgabe des Prints fehlinterpretierte mit dem klerikalen Getue eines förmlich mit deckellosen Büchsen vom Journalismusolymp um sich Werfenden beschertest, sondern neuerdings auch schlichtweg Dein ureigenstes Handwerk selbst an die Dich Beauftragenden zurückgabst(1)? Dass Du gar das Unbürgertum gleich Dir selbst stellst, dies neuen Journalismus preist(2)? Geht das denn? Ist Dein Olymp neuerdings per pedes, per Druck der Plastiktaste zu erklimmen? Ist das billig, und noch mehr: recht?

Wenn nämlich andererseits auch nur ein Mensch – oder Unmensch – gen Deine Würde und traditionell drogenfrei halluzinierte Unabhängigkeit den Finger erhebt, den kleinen, dann! Dann wehrst Du Dich nach Kräften, einem zappelnden Kinde gleich, verteidigst den Dir eigenen heroischen Berufsstand mit geübten Klischees von Goebbels bis Orwell, auf dass keiner ohne in feinstes Juchten gebundenen Journalistenpass mehr das Wort erhebe gegen Ihn, den Qualitätsjournalismus! Und wird gar langsam die Suppe knapp, so ist‘s doch Zeit zu beteuern, wie sehr man sie sich verdient hat. Dann kömmt doch lieber erstmal das Fressen und dann die Bigotterie. Trotz derlei Gebaren wirst doch noch nicht Unglauben gestraft – Hosanna, geht das mit rechten Dingen zu?

Hast Du denn vor lauter Slomkas, Augsteins, Murdochs und Diekmanns vergessen, wer Dich gebar? Du bist einst hervorgegangen aus der Idee eines freien Mitmenschentums, das zu schützen Dir auferlegt war: Freiheit machte Deine hedonistischen Gedeihen erst möglich! Freiheit, also, sollst Du zu allervorderst schützen! Mit Information, mit Analyse! Mit Recherchen, die aufdecken, was unsere engsten Ausgewählten uns veruntreuten. Sollst uns vor Augen halten, wo wir wider Willen betrogen werden – und wo es mit unserer stillen Billigung zugeht. All das eben, wofür unsereins, der wir auch für Dich die Schippe schwingen, modernerdings keine Zeit mehr eingeräumt wird, obgleich wir doch wahlmündig zu bleiben bestrebt sind. Du warst Kontrolle und Schule, Retter der freien Gesellschaft!

Dieses Erbe hast Du in den Händen von 1-Euro-Schreibern gelassen, ehrliches – und anstrengendes – Handwerk durch Nachplapperei und Schlagzeilen aus der tieften Trickkiste der Dramaturgie ersetzt. Es ist Deine Schuld, und Deine ganz allein, dass das Volk, das Dir zu schützen auferlegt war, in rasender Schnelle erblödet, seine politische Mündigkeit einem hippen „Dagegen“-Opportunismus aufopfert und den Unterschied zwischen Wissen und Meinen nicht mehr kennt, ja nicht einmal die Bildung selbst noch als Ideal erkennt, nur derart konditioniert, damit es Deine Unzulänglichkeiten nicht mehr zu erkennen weiß. Deine! Und was machst Du? Anstatt weiter still die Boulevardisierung des Journalismus vorranzutreiben, da hebst Du ein Interview mit sachlicher Fälsche und der Fragetechnik eines zweijährigen Kindes zur neuen Maxime des Journalismus?
Welcher Dämon hat Dich beschlichen? Welches Suppenkraut Dir das Gehirn vergoren!

Am Tag Deines Todes wenden wir uns sogennanten „Satirikern“ zu, Deine nun vakante Aufgabe zu erfüllen. Uns Hintergründe zu erläutern, unser Sein betreffende Sach- und Haltungsverhalte darzustellen und die Eingewählten unter Beachtung von Sinn und Sachlichkeit zu hinterfragen. Und uns dabei die hässlichste aller Wahrheiten heiter zu verkaufen: Wie schlimm es um unsere Mündigkeit steht.
Oder Ist ein Sträuben gegen journalistischem Dadaismus gar wider der Natur? Ist die Utopie des mit seinem geistigen Limes gen Omniszienz informierten Gesellschaftsteilhabers in Wirklichkeit Gefahr derselben? Ist Pispers Ausruf(3) doch als zynische Drohung zu verstehen? Hast Du nur längst begriffen, dass Wissen ohne Handungsintegrität, Moral und einen Funken Altruismus nur zum schlimmeren Teufel gereicht? Schützt Du uns auf diese Weise? Ist denn die Lakonie des Thomas Gray in Wirklichkeit eine Abkürzung gen einzigem Ausweg aus dem Totalitarismus des informierten, partizipierenden Bürgertums in die Well’sche Glückseligkeit?

Dann auf! Auf! Garcon, bereite er seinen liquiden Gesellschaftsentwicklungsbeschleuniger. Ich will vergessen.

1:Leserartikel
2:zB Huffington Post
3:„Was glauben sie was hier los wäre, wenn mehr wüssten, was hier los ist!“

Monday, December 16, 2013

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