Archiv für März, 2014

Braufactum Palor

Posted in ... weiter nichts als Bier on 31. März 2014 by Herr Grau

IMAG1271Geschmack: 6,5 Punkte
Der Schaum ist schnell Geschichte. Blume mit kräftigem, sehr süßem Holunder und einer leichten Pfefferigkeit. Antrunk mit einer dezenten Süße und mittelfeiner Kohlensäure und dann mit etwas Verzögerung einem sehr kräftigen Hopfen, der sich lang auszieht und gegen Ende eine etwas unangenehm schmeckende bittere Note mitträgt.

Preis: 1 Punkt
Brauchen wir nicht mehr drüber reden…

Flasche: 8 Punkte
Es gilt das gleiche, wie für die anderen Braufactum-Biere. Gelungen.

Gesamt: 6 Punkte
Das Bier wird als „besonders gehopfter“ Vertreter seiner Zunft beworben – als ob man das bei einem Pale Ale wirklich noch bräuchte. Die den Hopfen wenigstens nicht völlig alleine stehen lassende leichte Süße ist das einzige, das das Bier rettet. Man kann es schon trinken, aber ich muss es sicher nicht noch mal haben.

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C.& A. Veltins Grevensteiner

Posted in ... weiter nichts als Bier on 27. März 2014 by Herr Grau

27032014111Jetzt will uns Veltins beweisen, dass sie auch traditionsorientiert, premium und vor allem naturtrübes Landbier können und verweisen armwedelnd auf die Firmengeschichte und alte Geheimrezepte. Ich bin ein großer Freund naturtrüber Biere, die Flasche sieht herzzerreißend aus – ja, ja natürlich kaufe ich eins!

Art: Naturtrübes Landbier, 5,2Vol%

Geschmack: 6 Punkte
Blume hefig, etwas flach. Anrunk mit einer sehr präsenten Kohlensäure, die erst eine Hefenote und dann eine relativ deutliche Herbe mitbringt. Insgesamt bleibt der Geschmack allerdings merklich flach, bringt ein flaues Mundgefühl mit und endet vor allem in einer etwas unangenehmen Hopfennote. Insgesamt eine zu stark aufbrausende Kohlensäure und danach einfach zu unspektakulär und in dem zu flachen Profil ein nicht gut balancierter Hopfen. Hmpf.

Flasche: 10 Punkte
Eine 0,5L-Granate mit einem wirklich fantastischen Artwork. Schlicht aber traditionell, ein Apex postmodernen Bierdesigns.

Preis: 4 Punkte
Mit einem 16er-Kistenpreis von 13€ (danke an den Kollegen für die Nachrecherche) ist es ein recht teures Bier und versucht offensichtlich, das gerade erst von der Radeberger-Gruppe aufgestoßene Premium-Segment von unten etwas zugänglicher zu machen. Trotzdem sehr viel Geld für ein ganz besonders extradurchschnittliches Bier.

Gesamt: 6,5 Punkte
Nein, es ist nicht schlecht. Aber gut ist es leider auch wirklich nicht – und viel zu teuer. Das einzig Herausragende an diesem Bier ist fraglos die Flasche.

Gnocchi con Cuore & Tatare de cœur de bœuf

Posted in Studentenfutter on 15. März 2014 by Herr Grau

Ich wollte diesen Artikel eigentlich damit eröffnen, wie lange ich schon wieder nicht mehr darüber genörgelt habe, dass deutlich zu wenig Innereien gegessen werden. Probieren wir es mal anders: Was tun, wenn man Lust auf richtig lecker Fleisch hat aber der Geldbeutel sich feucht und klamm anfühlt? Wie wäre es mit einem zarten und geschmackvollen Muskelfleisch, das für 3,99€ das Kilo zu haben ist?

Herz. „Die Essenz des Biestes“, um mit Fergus Henderson zu sprechen. Erstaunlich günstig und wahnsinnig lecker. Das Herz besteht zu größten Teilen aus Muskulatur und ist damit eigentlich dem klassischen Muskelfleisch näher als den anderen Organen. Während die kleinen Herzen von Geflügel noch etwas nach Innereien schmecken, finde ich diese Note in den Herzen von Schwein und Rind kaum noch – es dominiert vielmehr eine dunkle Steakigkeit (jap.), die Textur ist zart, aber fester, als man das vom restlichen Muskelfleisch gewohnt ist. Es ist nicht das gleiche, das will ich gar nicht verkaufen, wofür auch – es ist etwas besonderes und ich finde es fantastisch. Zumindest versuchen sollte man es, das Herz ist sicherlich der einfachste Zugang zu den Wundern, die man mit Innereien noch erleben kann. Ich habe heute zwei Gerichte in Petto, die beide ziemlich schnell gehen und damit auch für den gestressten Menschen von Welt problemlos zu stemmen sind. Den Anfang machen die Gnocchi.

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Herzen brauchen natürlich etwas Liebe. Man nimmt sich also sein Pariermesser zur Hand und entfernt alles, was nach Sehnen oder Bindegewebe aussieht. Dann wird das Fleisch (ich habe das Gericht sowohl mit Herzen vom Schwein als auch vom Rind probiert, beides schmeckt klasse – etwa 150g pro Person) in Streifen geschnitten, wie man sie auch in einem Geschnetzelten finden würde und scharf in etwas Olivenöl angebraten. Hitze runterdrehen und p.P. eine halbe gehackte Zwiebel – in meinem Fall eine Schalotte – dazu geben und glasig dünsten. Hitze wieder aufdrehen und mit einem Schuss Rotwein ablöschen. Auf ein Drittel reduzieren, Schuss (ca. 75ml p.P.) Sahne und einen deutlich kleineren Schuss (~3EL) Tomatenpüree dazu geben. Ich habe noch einen halben TL Demiglace untergezogen, ein guter Ersatz wäre ein bisschen Fond – beides ist aber optional, das Fleisch bringt auch von sich aus kräftig Geschmack für die Sauce mit. Etwas gehackten Rosmarin und Thymian dazu geben. Reduzieren lassen. Wenn es in die Bereiche der gewünschten Sämigkeit kommt, Gnocchi ins kochende und gesalzene Pastawasser geben. Wenn sie oben schwimmen, mit etwas Pastawasser in die Pfanne geben. Salzen, pfeffern, Petersilie dazu und schwenken. Abschmecken. Dieses Gericht war so lecker, dass ich es drei mal nacheinander gemacht habe. Ich musste zwischendurch sogar losfahren und neues Fleisch kaufen…

Die letzten hundertundeinbisschen Gramm Rinderherz habe ich dann als Tatare zu Abend gegessen. Einfach wie hier beschrieben zubereitet – vom Geschmack her kaum anders als ein kräftiges Fleisch aus dem Roastbeef, aber von der Textur ein bisschen anders. Wird ebenfalls auf jeden Fall wiederholt.

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Framoise Boon Himbeerbier

Posted in ... weiter nichts als Bier on 13. März 2014 by Herr Grau

boonArt: Lambisches Bier mit echten Himbeeren, 5,5% Alkohol

Geschmack: Ein deutliches, reifes und sehr dunkles Himbeeraroma und die tiefrote Farbe lassen Assoziationen aufkommen und verheißen, dass man gleich einen Mund voll Himbeeren haben wird. Und tatsächlich will man das im ersten Moment des Antrunkes glauben: Wenig eher mittelgrobe Kohlensäure begleitet den Anfang einer Geschmacksentfaltung wie beim Biss in Himbeeren – nur, um dann jede Süße vermissen zu lassen und einfach nur sehr sauer zu werden. Die Nackenhaare stellen sich auf. Es ist eine Säure, die man von einem etwas zu gut gemeinten Rieslingsekt erwarten würde, nicht die kontrollierte und sanfte Fruchtsäure von etwas zu wenig reifen Himbeeren. Es bleibt ein entschieden weinig-sektiger Nachgeschmack im Mund, nachdem der Fruchtgeschmack sich nach recht kurzer Zeit verloren hat, den ich als unangenehm empfinde.

Flasche: Ganz hübsch und wie die meisten Sauerbiere eine Sektflasche, die auf Flaschengärung hinweist.

Preis: 6,49€ für 375ml .. leck mich wo ich schön bin! Das ist en par mit richtig teuren Sekten.

Gesamt: Wenn man Sekt trinken will, dann kann man das doch einfach tun. Das Konzept des Sauerbiers hat mich immer schon tief verstört, aber in diesem Fall ist es ganz besonders enttäuschend. Und die Belgier begreifen vor allem einfach nicht, dass man nicht alles bis auf den Arsch durchgären muss, scheint mir, jedes Bier braucht eine Ausgewogenheit in sich. Ich gehe davon aus, dass auf eine ordentliche Dosage vollständig und schändlich verzichtet wurde. Ein bisschen Süße und dieses Bier hätte etwas ganz besonderes sein können. So schmeckt es einfach wie ein deutlich zu saurer Sekt mit Himbeer-Geschmack. Pfäh. Dieses Erlebnis lässt sich mit einer halb so teuren Flasche Sekt und etwas Himbeersirup meines Erachtens deutlich besser haben.

Musik & Melodey #2 – Ray LaMontagne

Posted in Musik & Melodey on 1. März 2014 by Herr Grau

Er ist ein ehemliger Arbeiter aus einer Schuhfabrik, er hasst Aufmerksamkeit, Interviews und sogar Konzerte, teilweise spielt er sie hinter einem Vorhang oder vom Publikum abgewandt. Als seine Frau nach einer langen Tour seine geliebte Gitarre zerschlägt, ordnet er seine Prioritäten neu und lehnt für Jahre weiteres Touren ab. Nach allen Regeln der Kunst sollte Ray LaMontagne schon lange, laaange von der Bildfläche wieder verschwunden sein, hat das heutige Business doch wenig Geduld für PR-unwirksame, geschäftsschädigende Marotten von Künstlern – selbst wenn es sich um etablierte Stars handelt. Und der gute Mann ist mitnichten einer. Genau genommen hätte er also keine fünf Minuten überleben dürfen. Aber irgendwie – wie?! – ist Ray LaMontagne SO gut, dass es keiner übers Herz bringt, ihn fallen zu lassen. Wenn man seine Crazy-Version hört, mit der er es in die Herzen eines breiteren Publikums geschafft hat, schwant einem, wo der Ziegenbock den Honig haben könnte: Wenige haben derartig Gefühl, niemand so eine Stimme. Ja, er bedient ein abgestecktes emotionales Feld. Und ja, es ist auch nur eine Handvoll seiner Lieder wirklich genial. Man will ihn sicherlich nicht immer hören – aber in dem, was er tut, könnte er The One sein. Und das gibt es doch ausgemacht selten. Also, Ohren gespitzt.

Das berühmte Cover von Gnarls Barkleys ‚Crazy‘:

Von seinem ersten, noch privat verlegten Album ‚Acre Of Land‘ stammt dieser herrliche Streifen mit dem Namen ‚Still can’t feel the Gin‘:

Ich habe lange mit mir gehadert, ob hier die Live- oder die Studio-Version stehen soll. Dass ‚Empty‘ einer der traurigsten Tracks aller Zeiten ist, stelle ich nicht mal zur Debatte.

Und wem das Ganze gefällt, der kann ein sehr gut aufgenommenes Konzert aus den BBC FOUR Sessions hier finden (aus dem die gerade gezeigte Version von ‚Empty‘ nebenbei auch stammt):