Archive for the Röhrenverstärker Category

Review: Suppo Audio GV-1

Posted in Angewandte Wissenschaft, Getestet, Röhrenverstärker on 22. Juni 2010 by Herr Grau

Ich hatte hier bereits einmal auf einen in amerikanischen DIY-Foren viel besprochenen Geheimtipp im Röhrenverstärkersegment hingewiesen, den Suppo Audio GV-1. Jetzt habe ich ihn selber hier gehabt, um die Koppelkondensatoren für einen Freund auszutauschen. Im folgenden will ich daher ein kleines Review präsentieren.

Der kleine Verstärker ist ein 6P15 Push-Pull mit Autobias, der pro Kanal etwa 8W auf die Beine stellt. Der springende Punkt: Er kommt von Suppo Audio/China und ist inklusive Versand für 145€ zu haben. Die Verpackung ist absolut vorbildlich, der Versand flott und problemlos und der Kontakt mit Joe von Suppo sehr nett. Für dieses Geld kann man natürlich keine Boutique-Komponenten erwarten, die Röhren sind chinesisches No-Name-Surplus und auch Schlüsselkomponenten wie die Übertrager, die Koppelkondensatoren und das Lautstärkepotentiometer sind No-Name-Teile; der Verstärker selbst aber ist solide aus dickem Alu gebaut, die Platine scheint durchdacht, er kommt mit einem Ringkerntrafo und Anschlüssen für 4 und 8Ohm Lautsprecher und vor allem: Er klingt ziemlich gut. Ich habe schon, so wie er ist, wenig an dem Verstärkerklang auszusetzen und er reicht auch locker, um meine unempfindlichen Duettas weit über Zimmerlautstärke zu treiben. Recht hübsch ist er auch noch.

Der DIYer sieht natürlich in in einem solchen Verstärker vor allem das Potential, das einige wenig aufwendige Modifikationen bieten: Der Austausch des Potentiometers gegen eine Version von Alps zum Beispiel, was 20€ und einen Lötaufwand von fünf Minuten bedeutet. Ein Wechsel auf gute Röhren, wobei man beim GV-1 ein wenig Vorsicht walten lassen muss: Er ist zwar als EL84-Verstärker ausgewiesen, verträgt sich aber nicht mit allen EL84. Man muss sicherstellen, dass Pin1 der Röhre mit keinem anderen Pin verbunden ist. Erfüllen tut diese Voraussetzung z.B. die EL84 von JJ, die ich deshalb an dieser Stelle empfehle. Als Vorstufenröhren empfehlen sich 6CG7 (=6FQ7), entweder von Electro Harmonix oder, wenn man sie kriegen kann, NOS-Röhren von RCA. Eine auf Grund des geringen Kapitaleinsatzes dringend zu empfehlende Modifikation ist der Tausch der Koppelkondensatoren. Wie schon häufiger beschrieben, verwende ich die preisgünstigen Styroflex-Kondensatoren von Oppermann Elektronik. Sie kommen als 47nF/600V für 2,65€ á 10 Stück. Der Versand ist also wesentlich teurer, als die Kosten für die Neuausrüstung eines Amps, denn in diesem Fall brauchen wir nur 100nF, also zwei Stück, pro Koppelpunkt, insgesamt also acht Kondensatoren. Die Chassis- und Platinendemontage ist schnell gemacht, man kann die Modifikation ausführen, ohne die Platine auszulöten. Da die Platine doppelseitig ist und die Bohrungen sehr klein sind, habe ich mit einem Stück Durchstoßdraht gearbeitet, um sicheren Kontakt zu gewährleisten. Hier ein Bild von den Innereien mit den neuen Koppelkondensatoren:

Die neuen Koppelkondensatoren scheinen vor allem der Auflösung des Amps zugute zu kommen. Man kann die Instrumente klarer differenzieren und genauere Facetten der Musik hören.

Eine beliebte Modifikation, die aber mit etwas mehr Arbeitsaufwand verbunden ist, ist das s.g. „Triode Strapping“, also das Anbinden des oberen Gitters an die Anode, um damit aus der Pentode eine Art Triode zu machen. Hierbei verliert man allerdings Leistung, sodass man vermutlich  Dynamik gegen Klangqualität eintauscht. In diesem Threat im DIYaudio.com-Forum wird der Mod genau beschrieben.

Ebenfalls genannt wird der Austausch des Gleichrichters gegen diskrete Dioden und der Austausch der Netzteil-Kondensatoren gegen höherwertige Exemplare. Ich persönlich würde mir das Gefummel mit den Dioden nicht antun, ich glaube nicht, dass der Unterschied hörbar ist. Der Austausch der 150uF Filterelkos dagegen mag sinnvoll sein, aber bis jetzt gibt es noch keine Erfahrungswerte über deren Haltbarkeit.

Den Schaltplan gibt es übrigens hier.

Fazit:

Für so wenig Geld, dass man in Europa dafür nicht mal einen Amp selber bauen könnte, bekommt man einen Verstärker, der schon im Ausgangszustand hervorragend funktioniert und nebenbei noch eine gute Basis für Modifikationen bietet. Absolute Empfehlung.

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Bau eines endgültigen Röhrenverstärkers – O/Netics Ausgangsübertrager

Posted in Röhrenverstärker on 16. Februar 2010 by Herr Grau

Wier ich hier bereits beschrieben habe, war die Wahl des Ausgangsübertragers keine einfache. Mir war klar, dass ich auf jeden Fall etwas Gutes kaufen und nicht auf den letzten Taler gucken wollte, da die Qualität dieses Bauteils wirklich etwas ausmacht. Die Auswahl ist nicht gerade gering, AE und Tribute aus Holland machen Highend-Produkte, Hashimoto, Tamura und Lundahl sind verfügbar und auch Sowter kann man bekommen. Dazu kommen noch eine Menge lokaler Namen, die man noch schwerer einschätzen kann.

Über das DIY-audio.com-Forum stieß ich auf die Beiträge von Bud Purvine, dessen kleine Firma O/Netics (Kontakt) in Washington lokalisiert ist. Alles, was er schrieb, klang sehr fundiert und elaboriert, seine Produkte bekamen umfänglich sehr gute Bewertungen. Was die Entscheidung am Ende tatsächlich gemacht hat, ist wohl, dass ich es sehr respektiere, wenn jemand anderen Leuten hilft, ohne ständig mit dem großen Finger auf sich selbst zu zeigen. Auch der Kontakt gestaltete sich mehr als angenehm – Bud empfahl mir nicht das Teuerste, sondern das Günstigste aus seinem Programm. Auch das ein dicker Punkt auf der positiven Seite.

Die Übertrager kommen in verschiedenen Qualitätsstufen, wobei sich der Grundpreis von einer Stufe zur nächsten etwa verdoppelt. Ich stelle mir das ganze ein bisschen wie die Komplikationen bei Uhrmachern vor, komplexere Zusammensetzung der Dielektrika und komplexere Wickelungen, sowie besseres Kernmaterial kosten Geld. Ich entschied mich aus den drei offerierten Stufen für die Mittlere, damit der kleine Das-Beste-Schreihals in meinem Kopf die Klappe hält. Mehr war geldmäßig einfach nicht drin, da zu den Kosten der Transformatoren auch noch hundert Dollar Versand kommen. Bud sagte 8 Wochen Produktionszeit voraus und war fast auf den Tag genau fertig – wenn man deutsche Handwerker gewohnt ist, eine erfrischende Neuerung.

Die Übertrager wurden nach meinen Spezifikationen für KT88 im Push-Pull-Betrieb mit Ultralinear-Anzapfungen gewickelt. Mit 100W wurden sie ausreichend überdimensioniert. Das Kernmaterial ist M3 Silikateisen, auf amorphe Kernmaterialen wird absichtlich verzichtet – warum, erklärt Bud sehr umfänglich in mehreren Posts hier. Auch andere Firmen wie z.B. Hashimoto verzichten aus diesen Gründen auf die Verwendung von amorphem Kernmaterial. Der Spulenkörper ist allerdings wie bei vielen anderen Highendherstellern nicht aus Pappe, sondern aus Plastik. Dazu schrieb mir Bud:

I am using the chopped glass fiber filled Nylon bobbin as the basis for creating a dielectric circuit. There are two wraps of Mylar film, 0.005″ thick that are the final wrap. Within this enclosure, made of material with a dielectric constant of 3.5 are windings that are potted with a polyester resin also with a dielectric constant of 3.5. At the antenna barriers, from primary to secondary, you would find a Nomex / Mica  paper dielectric barrier with a dielectric constant of 2.2. Building in this fashion forces the motile electrons out of the primary and secondary winding bodies and causes them to accumulate at the antenna barrier instead. This in turn allows for a much more complete E Field information transform across those barriers. This is that odd „charging“ period you are about to experience. I do this to force the transformer to retain and transform more information than a typical audio transformer will allow.This combined with our core construction method that provides a large measure of passive demagnetization for after a B Max saturation point allows the core to track the back half of the wave form, rather than sit in saturated polarization until an opposite H force is applied. Transformers built in this fashion have no crossover distortion and are flat i phase and frequency response to beyond 40 kHz at any power level. I do mean flat, + / – 0 db from 20 to 40 kHz. They also have smooth impedance characteristics below 20Hz and will not oscillate, ever.

Zu deutsch:

Ich benutze mit gehackter Glasfaser gefüllte Nylon-Wickelkörper als Basis zur Herstellung eines dielektrischen Bauelements. Es gibt zwei Wicklungen aus Mylar-Film, 0,13mm dick, als Endwicklung. Innerhalb dieser Abtrennung aus einem Material der Dielektrizitätskonstante 3,5 sind die Windungen in Polyesterkunstharz eingebettet, das auch eine Dielektrizitätskonstante von 3,5 hat. An den Antennenbarrieren, zwischen primärer und sekundärer Wicklung, findet sich dielektrische Barriere aus Nomex/Glimmer-Papier der Dielektrizitätskonstante 2,2. Diese Art der Konstruktion zwingt die motilen Elektronen, die primären und sekundären Windungen zu verlassen und sich statt dessen an der Antennenbarriere zu akkumulieren. Dies wiederum sorgt für eine viel vollständigere Übertragung der E-Feld-Informationen über diese Barrieren. Dies macht sich als komisch klingende „Einspielzeit“ bemerkbar, die Du feststellen wirst. Ich tue dies, um den Übertrager dazu zu zwingen, mehr Informationen zu erhalten und zu transportieren, als dies in der Regel möglich wäre. Kombiniert mit unserer Kernkonstruktionsmethode, die eine große Menge passiver Demagnetisierung hinter dem Punkt der B max Sättigung erlaubt, wird erreicht, dass der Kern die hintere Hälfte der Wellenform verfolgt, anstatt gesättigt herumzusitzen, bis eine entgegengerichtete H-Kraft anliegt. Transformatoren, die auf diese Weise gebaut werden, besitzen keinerlei crossover-Verzerrung und besitzen eine flache i-Phasen- und Frequenzantwort bis über 40kHz auf jedem Leistungsniveau. Und damit meine ich flach, also +/- 0 dB von 20 bis 40kHz. Sie haben ebenfalls eine sehr sanfte Impedanzcharakteristik unterhalb von 20Hz und werden niemals oszilieren.

Als letztes einige Bilder der Übertrager, so wie sie aus der Schachtel kommen. Die Glocken sind dafür vorgesehen, nachlackiert zu werden. Besonders bemerkenswert finde ich die Stoffummantelung des Kerns, die ich .. traue ich mich, das zu sagen? – durchaus sexy finde.

Bau eines endgültigen Röhrenverstärkers – 4 – Gehäusebau

Posted in Angewandte Wissenschaft, Röhrenverstärker, smile and look alive on 9. Februar 2010 by Herr Grau

Wie auch immer das individuelle Gehäuse aussieht, die wenigsten Menschen werden in den Genuss kommen, für ihr Projekt bereits vergebohrte Chassis bekommen zu können. Daher gilt es, nachdem man sich ein Layout überlegt hat (worauf man dabei achten sollte, werde ich im nächsten Kapitel erklären), die entsprechenden Löcher für Fassungen und Buchsen zu schaffen. Dabei kann einem das Wissen um wenige grundsätzliche Dinge viel Leid ersparen.

Löcher sollte man generell auf einer Standbohrmaschine mit einem Schälbohrer machen. Normale Bohrer schaffen nie so saubere Löcher wie ein Schälbohrer, desweiteren braucht es häufig Löcher in seltsamen Größen, für die es nicht einmal Bohrer gäbe. Schälbohrer sind konisch und können damit jede beliebige Lochgröße schaffen. Gebohrt wird immer von der Seite, die am Ende zu sehen ist. Leider sind Blechschälbohrer mit ~40€ nicht unbedingt günstige Werkzeuge.

Eckige Aussparungen kann man am besten mit einem Dremel machen. Meine Löcher sind vergleichsweise hässlich, weil ich seit Jahren schon nicht mehr mit diesem Werkzeug gearbeitet habe. Ein paar Minuten Übung und sie wären wesentlich besser geworden. Ein Dremel findet sich fast in jedem Bekanntenkreis, die Schneidscheiben kosten nicht viel.

Eine Regel, die ich auch jedes Mal vernachlässige und immer den Preis bezahle, ist, dass man beim Arbeiten stets alle Flächen mit Malerkrepp abkleben sollte. Auf den Bildern sind wieder einige Kratzer zu sehen, die durch unvermeidliche Unvorsichtigkeiten entstanden sind. Diese werde ich mit Lackreiniger auspolieren müssen.

Anzeichnen kann man am besten mit einem sehr weichen Bleistift. (Ein Talkumstift, wie ihn Schmiede benutzen, wäre ideal, aber wer hat sowas schon im Haus…)

Als ewiges Opfer meiner Umstände musste ich mich mit dem abgeben, was gerade greifbar war, in diesem Fall in Form einer Wolfcraft-Bohrmaschinen-Einspannung (sollte man vermeiden, wenn es nur irgend geht). Dieses großartigen Geräts wegen sind die Löcher auch auf wenige Zentimeter genau zentriert:

Ein Dremel ist für die meisten Gehäusearbeiten unverzichtbar:

Die Kanten der Ausschnitte sieht man zum Glück am Ende nicht. Die Kaltgerätebuchsen werden zum besseren Halt sowieso eingeklebt:

Die eigentliche Montage geht recht flott. Schrauben sind aus Messing, da Schwarz und Gold zusammen einfach schick aussieht. Messing ist sehr empfindlich, die Löcher müssen also sehr sauber entgratet sein. Die Senkkopfschrauben für die Neutrik-Cinchterminals fehlen noch:

Wer Angst vor diesen Arbeiten hat, den kann ich schon verstehen. Allerdings sollte sich in jedem Bekanntenkreis jemand finden, der die handwerklichen Fähigkeiten dazu mitbringt und sich für eine Kiste Bier dazu bereit erklärt. Insgesamt ist sowas bei konzentrierter Arbeit (…wo wächst das eigentlich?) in einer Stunde zu schaffen.

Update:

Bleche sind eingetrudelt. Ein großes, um das Chassis zu verstärken und die Transformatoren voreinander zu schützen und drei kleinere als Schirmbleche, damit das Netzteil, also vor allem Versorgungstransformator und Drossel, nicht blöd in die Signalwege einstreuen. Der ganze Bumms wurde mittels Uhu Endfest 300, Stuhlwinkeln, Hammerit und viel gutem Willen zusammengedengelt. Unter dem Transformator ist eine vibrationsdämpfende Schicht Schaumstoff platziert.

Gute Bilder von den Trennblechen habe ich nur zusammen mit dem halbwegs fertigen Netzteil:

Die Schirmbleche müssen natürlich vernünftig geerdet sein (Schutzleiter, nicht Signalmasse!), damit das ganze Sinn macht. Ich habe das durch *hust* fachgerechten *hust* Aufbau versucht, sicherzustellen.

Interessanter Verstärker für daumenbefingerte Geizkragen

Posted in Röhrenverstärker, smile and look alive on 18. Januar 2010 by Herr Grau

Update: Hier gibt es ein Review von mir aus erster Hand inklusive Modifikationsempfehlungen

Wer mich kennt, weiß, dass ich nicht der größte Fan von China bin. Aber wie mein Vater manchmal (ok, nie) gesagt hat: Wenn es darum geht, einen Röhrenverstärker besitzen zu können, muss man auch mal aufhören, die Welt retten zu wollen.

Eine kleine chinesische Modellbaufirma namens Suppo macht für erstaunlich wenig Kohle erstaunlich funktionierende Röhrenverstärker:

http://www.suppomodel.com/SUPPO_Audio.html

Die Kästen kommen für 90€ + 55€ Versand, also für insgesamt 145€. Bezahlt werden kann per Paypal. Die Dinger kommt wohlverpackt und der Kontakt ist sowohl nett als auch kulant, wie schon einige wohlbekannte Member des DIYaudio.com-Forums feststellten. Desweiteren waren die guten Herren alle mehr als überrascht vom Klang der Apparate. Es sind Schaltpläne verfügbar und auch ein paar Vorschläge, wie man für ein paar Eier mehr einige gute Modifikationen daran ausführen kann. (hier ist der Thread)

Es ist natürlich nicht top-of-the-line, aber sie sind anständig verarbeitet, benutzen keine widerlich schlechten Komponenten und sind sicher eine um Welten bessere Wahl als der scheiß Tansistoramp vom Discounter um den selben Preis, auf dem aber eine Stange mehr Gewinnmarge steht. Als solche darf man sie mit Fug und Recht als echten Geheimtipp empfehlen.

Bau eines endgültigen Röhrenverstärkers – Vergießen von Koppelkondensatoren

Posted in Angewandte Wissenschaft, Röhrenverstärker, smile and look alive on 17. Dezember 2009 by Herr Grau

Ich habe hier bereits einen Abschnitt über Koppelkondensatoren geschrieben. Da sie direkt im Signalweg liegen, ist ihre Qualität nicht unbedeutend. Sie hat direkten Einfluss auf den Klang eines Verstärkers und wollen daher mit Bedacht gewählt werden. Zwar gilt Teflon als das beste Dielektrikum für diese Anwendung, doch nimmt den knappen zweiten Platz bereits Polystyrol ein. Von Oppermann Electronics habe ich mir 40stk 47nF Styrolflex-Kondensatoren für insgesamt nur 10,60€ besorgt. Da ich allerdings 250nF brauche, war es nötig, jeweils fünf parallel zu schalten und zu vergießen. Mit 1,325€ für eine Fünfereinheit war der Preis ein starkes Argument, kosten doch bei momentanem Kurs Teflonkondensatoren gut das Zehnfache und mehr.

Als Behältnis dienen Abschnitte einer Papprolle, auf der Alufolie aufgewickelt war (die sind erstaunlich schwer in gerade Stücke zu zersägen!). Vergussmaterial ist reines Bienenwachs, das im Moment in jedem größeren Supermarkt in Kerzenform erhältlich ist. Preis für das Wachs für acht Kondensatoren: 2,50€. Es hat den Vorteil, völlig ungiftig, verfügbar, gut zu verarbeiten und hervoragend isolierend zu sein. „Cera Flava“, wie Bienenwachs wissenschaftlich heißt, wird schon sehr lange mit gutem Erfolg in der Elektrotechnik eingesetzt. Geschmolzen habe ich das ganze  in einem kleinen Tiegel aus Alufolie im Wasserbad. Die untere Seite der Papprohre wurde mit einem Stück Karton versiegelt.

Alles in allem kam das ganze auf 1,64€ pro Koppelkondensator aus. Schnäppchen, würde ich behaupten.

Bilder:

Diese Anordnung erinnerte mich an die nuklearen Sprengköpfe, die ich auf Fotos gesehen habe… Irgendwie hat das was.

Den Wachs zu granulieren beschleunigt das Schmelzen

Leere Flaschen bieten sich als Kondensatorbecherhalter an

Bienenwachs schmilzt bei etwas über 60°. Er beschädigt daher die Bauteile nicht und härtet schnell aus. Dazu riecht er auch noch gut.

DIY – Röhrenverstärker für Anfänger durchgeplant

Posted in Angewandte Wissenschaft, Röhrenverstärker, smile and look alive on 12. Dezember 2009 by Herr Grau

Im Progress meines laufenden Verstärkerbaus habe ich auch einen Verstärker komplett geplant, der meine Grundkriterien (Röhrengleichrichter, KT88) erfüllt, allerdings ein Single Ended-Projekt ist. Da von einer KT88 getrieben, dürfte er aber für normalen Heimbedarf immer noch ausreichend Kraft mitbringen. Es handelt sich um die Schaltung von Mikael Abdellah, leicht abgewandelt von Alex Gendrano (Projekt), die für 385€ realisierbar ist (eigentlich sogar noch viel weniger, wenn man noch günstigere Widerstände und Kondensatoren wählt) und als sehr gut gilt.

Da es sich für Anfänger (extrem wenige Bauteile) und Kostenbewusste ziemlich ideal eignen würde, habe ich die Kanten ein bisschen rundgeschliffen und stelle im Folgenden eine vollständige Tabellenkalkulation über die benötigten Bauteile, Kosten und Distributoren zur Verfügung.

Download: XLS-Format

Schaltbilder: Verstärker und Stromversorgung

Achtung: Der 5H-Choke im Verstärkerschaltbild wird, um bessere Stabilität zu gewährleisten (und nebenbei viel Schotter zu sparen), durch einen 100R 5W-Widerstand ersetzt. Die Stromversorgung muss nur einmal gebaut werden, der Verstärker natürlich zweimal (einmal pro Kanal). Die beiden Kanäle teilen sich in der Vorstufe eine Doppeltriode. Damit das ganze so günstig wie möglich bleibt, habe ich bei meiner Kalkulation auf eine Aufteilung in Monoblöcke verzichtet. Ich habe bei der Auswahl der Bauteile versucht, einen guten Kompromiss zwischen Qualität und Kosten zu finden; die Bauteilwahl ist daher als Empfehlungen zu vertehen und kann selbstverständlich geändert werden. Das betrifft insbesondere die Ausgangsübertrager (Info Übertrager & Bauteile). Lautstärkeregler und Eingangswahlschalter habe ich nicht mit einkalkuliert. Ebenfalls sind Lötleisten und Gehäuse nicht enthalten.

Und natürlich:

OBACHT! Die Spannungen in einem Röhrenverstärker sind sehr hoch und können auch gut mal lebensgefährlich sein. Wer also keine Ahnung davon hat, wie man nicht in angeschlossene Geräte fasst, sollte sich davon dann doch fernhalten. Kondensatoren führen auch nach der Trennung vom Netz noch Strom!

Ich hafte nicht für Schäden.

Bau eines endgültigen Röhrenverstärkers – 3 – Bauteilwahl

Posted in Angewandte Wissenschaft, Röhrenverstärker, smile and look alive on 7. Dezember 2009 by Herr Grau

3.1 – Ausgangsübertrager

Der Ausgangsübertrager ist ein Transformator, der das Signal der Röhren für die Lautsprecher nutzbar macht. Er ist das qualitätsbestimmende Bauteil an einem Röhrenverstärker. Die Auswahl ist also wirklich nicht einfach. Die eigentliche Schwierigkeit ist natürlich nicht das Geldausgeben als solches, sondern abzuschätzen, wer wieviel für das gezahlte Geld leistet. Ich habe hart mit mir gerungen, hing lange an Sowter Inc., entschied mich aber im Endeffekt für O/Netics (Kontakt), eine kleine Firma aus Washington, die mir einige Leute als Geheimtipp empfahlen. (Vorstellung der Übertrager findet sich hier) Gute Transformatoren kommen sonst z.B. noch von Reinhöfer, Retro Sound, Trafo-Baule, IG Präzisions-Wickeltechnik, Leszek Ogonowski, Welter, Jan Wüsten, Rondo Müller, Amplimo, AE Europe, Tribute, Majestic Inc., Plitron, Lundahl, Hashimoto…..

3.2 – Netztrafo

Ich kann nur die Ringkerntrafos, die Jan Wüsten vertreibt, empfehlen. Qualität ist super, Preis sehr fair und Kontakt wunderbar. (Fehlerkontrolle und Hilfe inklusive)

Man sollte auf jeden Fall Ringkerntrafos nehmen, sie sind technisch näher am Ideal als herkömmliche Trafos. Sedlmeier, Rondo-Müller und Tubeland wären auch noch Anlaufstellen, lohnt aber eigentlich nicht, sich die Mühe zu machen…

3.3 Koppelkondensatoren

Ein weiteres essentielles Bauteil sind die Kondensatoren die das Signal an die jeweils nächste Stufe weiterkoppeln. Die besten sind Teflonfolienkondensatoren, die der Russe mal gemacht hat, damit seine Soldaten sie sich vorne an die Gewehre stecken konnten. Oder so. Danach kommt Polystyrol. Dann wird das Feld undurchschaubar. Einige schwören auf Silber-Glimmer, da diese Kondensatoren so gut wie nicht mikrophonieren. Andere finden Zinkfolie super. Wieder andere würden am liebsten die Brocken hinschmeißen und den Rest ihres Lebens Bonbons lutschen, entscheiden sich auf Nachfrage aber doch für MKP. Teflon-Kondensatoren sind teuer, ebenfalls alles von Mundorf, Jensen und wie sie alle heißen. Bei 8 Stück, die man im Durchschnitt etwa braucht, ist das kein Pappenstiel. Für das kostenbewusste Ich blieb nur Polystyrol und Wima MKP 10. Polystyrol war günstiger und gilt als besser. Es gibt die Kondensatoren von Oppermann, man muss allerdings der maximalen angebotenen Kapazität wegen einige parallel schalten. Trotzdem mit 1,33€ pro „Kondensatoreinheit“ immer noch viel günstiger als der Rest.

Hier zeige ich das Aufbauen und Vergießen von gennanten Polystyrol-Kondensatoren.

3.4 Siebkettenbauteile

Jeder der o.g. Hersteller von Übertragern stellt im Prinzip auch Drosseln her. Ich kann die von Jan Wüsten gelieferten empfehlen, die Drosseln sind zwar recht grob gearbeitet, sind dafür aber unschlagbar günstig – und die Qualität einer Drossel in der Stromversorgung ist nicht wirklich entscheidend. Kondensatoren kamen für mich entweder Ölpapier oder Folie in Frage. Preislich gibt sich das nicht viel, Folie ist etwas kompakter und gilt technisch als besser, also entschied ich mich für Folie. Beide Kondensatortypen bekommt man ebenfalls bei Jan Wüsten. Kleiner Tipp: Überschreitet die Spannung in der Siebkette nicht 450V, so kann man von Darisus sehr günstig Motoranlaufkondensatoren beziehen; diese sind ebenfalls MKP-Kondensatoren und werden häufig für Netzteile empfohlen. Bei mir finden sich einige in der Bias-Versorung, für meine Versorgungsspannung war leider 630V Festigkeit Pflicht.

3.5 Widerstände

Was es mit dem Einfluss unterschiedlicher Widerstände auf den Klang auf sich hat, ist auch so eine Zauberkiste, die keiner so recht versteht. Der legendäre Howard Dumble (baut Gitarrenverstärker im fünfstelligen Preissegment, sucht sich seine Kunden unter Einsendern von Tapes aus und hat trotzdem noch jahrelange Wartezeiten) sagte mal in einem Interview, man sollte sich möglichst an Kohlemasse-Widerstände halten. Also hab ich das gemacht. Gute alte Vitrohm gibts bei…. Na? Wüsten. Genau. Für Widerstände, die gematcht werden müssen, nehme ich dann aber doch Präzisions-Metallfilmwiderstände, die ich mit den Lötleisten und dem anderen Kleinkram von Conrad bestelle (Kleiner Tipp: Immer vorher nach Gutscheinen für Conrad im Netz suchen, da lässt sich gerne mal ein Zehner sparen).

3.6 Röhren und Fassungen

Es gibt nur noch eine Hand voll Hersteller, die immer noch Röhren produzieren, dafür aber eine große Vielzahl von NOS (New Old Stock) Artikeln.

Das meiste neue Zeug kommt entweder von Reflektor (Gold Lion, Electro Harmonix,…), von JJ oder aus China. In der Reihenfolge kann sich der Laie auch die Qualität merken. Ich habe mich nach vielen guten Berichten für Electro Harmonix entschieden. Reflektor baut offenbar ziemlich gute Röhren. Die Röhren kann man z.B. von JAC Music, Tube Town oder Tubeamp Doctor beziehen. Jan Wüsten hat eine riesen Palette von NOS Röhren auf Lager.

Fassungen kann man auch fast überall bekommen. Ich brauchte für mein Projekt ausschließlich Oktalfassungen und habe bei Tube-Town Keramikfassungen mit vergoldeten Kontakten für 2,90€/stk gefunden. Das ist klasse. Vergoldete Kontakte oxidieren nicht und sind daher empfehlenswert.

3.7 Draht, Buchsen, Gehäuse

Ebenfalls von Tube Town kann man Gehäuse aus dem Hause Hammond beziehen. Sie kommen in verschiedenen Größen, zwei Farben und sind enorm preiswert. Ähnliche Preiskategorien sind mir sonst noch nicht untergekommen. Buchsen kann man nehmen, was man will, vergoldet ist mal wieder nicht falsch. Ich nehme die großen Neutrikbuchsen für Cinch und Dynavox Terminals für die Lautsprecher. Verdrahtung mache ich mit solidem 1mm²-Kupferdraht bzw. Silberdraht. Auch nichts besonderes.

Bau eines endgültigen Röhrenverstärkers – 2 – Die Schaltung

Posted in Angewandte Wissenschaft, Röhrenverstärker, smile and look alive on 7. Dezember 2009 by Herr Grau

Es ist erstens ein Kunststück und zweitens selten nötig, eine eigene Schaltung zu konzipieren. Dank Internet haben wir die Möglichkeit, auf die Ergüsse brillianter Elektroingenieure aus über 50 Jahren zurückgreifen zu können. Man nehme sich die grundsätzlichen Eckpunkte seiner Schaltung und gehe auf die Suche. In der Leserprojekte-Sektion von Jogis Röhrenbude lässt sich viel finden, ansonsten ist auch Google dein Freund. Kurz die Endröhren und PP oder SE eingegeben und schon hält man einige Schaltungsvorschläge in Händen. Was am schönsten aussieht, suchen wir uns aus und stellen das Bauvorhaben dann bei diy-audio.com ein und fragen die Experten nach einer kurzen Einschätzung. Geben diese ihr OK, ist die Schaltung klar.

Meine Eckpunkte waren: KT88 Push Pull, Ultralinear, Röhrengleichrichter, Fixed Bias

Das Resultat meines Such- und Entscheidungsprozesses war der Schaltplan aus diesem Artikel. Herbert I. Keroes war einer von zwei Männern (der andere war Hafler), die den Ultralinear-Betrieb erfunden haben. Wer sowas kann, der kann sicher auch gute Verstärker stricken. Er hat in diesem Fall die Williamsonschaltung, mit der sich die beiden auch intensiv beschäftigt haben, verbessert und für KT88/6550 adaptiert. Der Schaltplan brachte die 6SN7 in der Vorstufe und die 5V4 in der Gleichrichtung mit sich, also habe ich das einfach mal so angenommen.

Erster Schritt war, den Schaltplan ins Reine zu schreiben, da man ihn ja so kaum lesen kann. Außerdem wurde das Netzwerk zur Versorgung von Vorverstärkern entfernt, wie in dem Artikel beschrieben. Dabei kommt das heraus: Erste Bearbeitungsstufe

Im Folgenden wurden noch einige Änderungen vorgenommen:

1. Die Sicherungen in den Kathodenbeinen wurden durch 10 Ohm-Widerstände ersetzt. Dies soll angeblich die Gesamtverzerrung minimieren. Stattdessen befindet sich nun eine Sicherung zwischen Versorgungsspannung und Mittelanzapfung des Ausgangsübertragers, sowie ein Kondensator von der Anzapfung gegen Erde, um einen möglichen Ausschaltstrom abzufangen. Die Widerstände werden mit 1/4W derart dimensioniert, dass sie auch als Sicherungen fungieren.

2. Die Biasversorgung wurde umgebaut. Im Originalschaltplan ist die Biasspannung fest und wird nur mittels Poti auf die beiden Röhren verteilt. Ich wollte eine flexible Einzeleinstellung haben. Diese habe ich einfach aus einem ähnlichen Plan von John Eckland (der übrigens empfehlenswert ist, falls jemand mit Ringkern-Übertrager bauen will) geklaut und eingefügt. (Achtung! Die Biasversorung im Eckland-Plan funktioniert nicht richtig, außerdem braucht man 35V mehr Bias Spannung, wenn man die RC-Zeit-Korrekturglieder im Ursprungsplan von Keroes nutzen will. Die Dinge sind in meinem Plan ebenfalls entsprechend korrigiert.)

3. Die Heizspannung wurde mittels Einführung eines Spannungsteilers auf +25V gelegt. Alle Heizungspins wurden mit 1nF-Keramitkondensatoren gegen Erde versehen. Dies wurde mir im DIYaudio-Forum empfohlen; die Idee stammt von Thorsten Lösch. Einige äußerten Bedenken, ob dies bei meiner Schaltung überhaupt sinnvoll sei, aber es ist nicht teuer und wird schon nicht schaden.

4. Ebenfalls von Thorsten Lösch stammt die Überlegung, dass man Ringkerntrafos vor dem Gleichstromanteil im Stromnetz schützen sollte. Da ich als Netztrafo ebenfalls Ringkerntypen verwende, habe ich seine Gleichspannungssperre aus einem Netzwerk von Gleichrichterdioden und Elkos (es sind die einzigen Elkos in der Schaltung) eingeplant.

5. Und noch mal Lösch: Er empfiehlt, Erde und Chassis von der Signalmasse mittels antiparalleler Dioden zu trennen. Sobald ein ernsthafter Fehlerstrom auftritt, schalten die Dioden durch und die beiden Kreise werden verbunden. Im Normalzustand ohne Strom leiten die Dioden dagegen nicht. So werden Brummschleifen vermieden. Für ein kommerzielles Produkt würde diese Lösung vermutlich nicht zugelassen, ich aber bin König in meiner eigenen kleinen Welt…

Dabei kam folgender Schaltplan heraus, der so Vorlage für den Bau sein wird: (Zur Vollansicht auf das Bild klicken)


Bau eines endgültigen Röhrenverstärkers – 1.4 – Welche Adressen muss ich kennen?

Posted in Angewandte Wissenschaft, Röhrenverstärker, smile and look alive on 7. Dezember 2009 by Herr Grau

Es ist wichtig, seine Quellen zu kennen. Folgende Adressen sollte man unbedingt verfügbar haben:

Infoseiten

Jogis Röhrenbude – Große deutsche Infoseite, riesige Leserprojekte-Sektion, aus der man gut aussuchen kann

DIYaudio.com – Großes englischsprachiges Forum voller Experten, die einem helfen, wenn man Probleme hat

Händler und Hersteller

Frag Jan zuerst – Dringend zu empfehlen. Jan Wüsten ist immer meine erste Anlaufstelle für … fast alles. Er hat nicht nur Netztrafos, Übertrager, Röhren, Fassungen, Kondensatoren, Widerstände… Er hilft auch, so gut er kann und hat sehr faire Preise. Desweiteren dürfte er das größte NOS-Röhrenlager in Deutschland haben.

Tubeamp Doctor – Haben eine eigene Marke, unter der sie Fernost-Bauteile verkaufen, Röhren, Bauteile,… Haben aber auch einige sehr gute Röhren auf Lager und einige interessante NOS.

Tube Town – Röhren, Bauteile.. Aber vor allem interessant wegen der dort erhältlichen Hammond Gehäuse.

Welter Audio Electronics – Hersteller von Drosseln, Trafos und Übertragern seit 1975

AE Europe – Niederländischer Hersteller von Drosseln, Trafos und Übertragern

Tribute – Niederländischer Hersteller von Drossen, Trafos und Übertragern

IG Präzisions-Wickeltechnik – Ehemals Shinrock Audio / Ingo Gorges, Hersteller sehr hochwertiger Übertrager

Retro Sound – Hersteller von Drosseln, Trafos, Übertragern

Leszek Ogonowski – Hersteller von Drosseln, Trafos, Übertragern

Gerd Reinhöfer – Ich stehe Reinhöfer gespalten gegenüber. Viele Leute schwören auf seine Trafos, Drosseln und vor allem Übertrager, die er selber wickelt. Als der Bau meines Phonoamps akut wurde, konnte ich ihn aber monatelang nicht erreichen, weder per Mail, noch per Telefon. Anrufbeantworternachrichten wurden ignoriert. Seit dem ist er für mich gestorben.

JAC Audio – Sehr informative Seite. U.A. Distributor der Emission Labs Röhren und der berühmten Lundahl Übertrager

Tube Audio – Bauteile, Röhren… Vor allem aber interessant, da Lieferant von Amplimo Ringkern-Übertragern, die einen sehr guten Ruf haben.

Tube-Amps.net – Distributor der berüchtigten Hashimoto-Übertrager

Ritter – Wem es nach Bausätzen gelüstet…

Tubeland – Drosseln, Trafos, Übertrager und vor allem Material zum Selberwickeln

Experience Electronics – Bauteile, Röhren…

RB Audioprojekte – ELMA Eingangswahlschalter

Darisus – Großes Sortiment auch teils exotischer Bauteile. Günstige Anlaufkondensatoren. FRED-Dioden. Print-RKTs. Und vieles mehr.

Oppermann – Lieferant von Styroflex-Kondensatoren. Jeden Monat interessante Angebote.

Conrad und Reichelt – Große Elektroniklieferanten, wo man alles bestellt, was man sonst noch so braucht bzw. was überall sonst noch mal doppelt so teuer ist.

Bau eines endgültigen Röhrenverstärkers – 1.3 – Welche Features brauche ich?

Posted in Angewandte Wissenschaft, Röhrenverstärker, smile and look alive on 7. Dezember 2009 by Herr Grau

Es ist wichtig, grundsätzliche Eckpunkte früh festzulegen. Folgende Dinge erachte ich als wichtig:

Meiner Meinung nach ist es wichtig, einen Röhrengleichrichter zu verwenden. Man spart die Einschaltautomatik und kauft sich klangliche Vorteile mit ein: Röhren haben anders als Halbleiter keinen Punkt, an dem sie einfach anfangen oder aufhören, sondern weiche Übergänge. Das wird allgemein als positiv gewertet.

Die Siebung der Betriebsspannung sollte mit einem LC-Filter passieren (effektiver), der erste Kondensator sollte 30uF nicht überschreiten, da sonst die Gleichrichterröhre überlastet werden kann.

Ich will vollständige Kanaltrennung, also plante ich wieder Monoblöcke. Wenn man sowieso komplett neu baut, warum nicht gleich das Beste machen?

Ich brauche weder Quellenwahl, noch Lautstärkeregler, das übernimmt alles die passive Stufe meines alten NADs, bis ich einen kleinen passiven Pre zusammengeschustert habe. Wer Quellenwahl und Lautstärkereglung braucht, sollte sie direkt mitplanen, es sind etwa 80€ mehr (ALPS 100k Stere0potentiometer: 19€, ELMA 04 6 Quellen: 59,90€), die dann im Budget sein müssen. Eingänge werden ganz klassisch Cinch-Buchsen, Ausgänge Polklemmen-Terminals. XLR ist technisch gesehen besser als Cinch, wie auch SpeakOn besser als Polklemmen sind. Ich hab mit beidem nichts am Hut, es ist im Hifibereich wenig gebräuchlich. Es würde nur neue Kabel und neue Stecker bedeuten, mit bei meiner Anwendung ungewissem Nutzen. Aber wer’s mag, soll’s ruhig machen.

Auf Elkos wollte ich aller Möglichkeit nach verzichten. Sie produzieren deutliche Verzerrungen, haben eine begrenzte Haltbarkeit und mikrophonieren stark. Diese Entscheidung kostet bares Geld, denn entsprechende Ölpapier- oder Folienkondensatoren sind um ein vielfaches teurer. In meiner Schaltung finden sich, mit einer kleinen, später erklärten Ausnahme, keine Elkos.

Was das Gehäusematerial angeht, gibt es auch sehr verschiedene Meinungen. Es gibt einige Leute, die sagen, dass Metallgehäuse den Klang negativ beeinflussen. Ich kann es nicht erklären, aber es sind so viele, die diese Erfahrung berichten, dass es wohl stimmen muss. Diese Leute bauen dann Holzgehäuse und freuen sich, bis das erste Taxi vorbeifährt und man den Funk in seinen Boxen hören kann. Dann isolieren sie ihr Holzgehäuse wieder mit Metall. Ich finde das sinnlos. Ich wollte von Anfang an ein Stahlgehäuse, massiv und in der Lage, die Schaltung vollständig vor elektrischen Feldern zu schützen.

Ideal ist es, die Netzteile auszulagern. Ich habe mir das verkniffen, um Stecker, Kabel und Gehäuse zu sparen. Einige Bleche werden im Inneren meiner Chassis Netzteil – also vor allem Netztrafo – und Verstärker trennen und von einander abschirmen.