Archive for the Musik & Melodey Category

Musik & Melodey #2 – Ray LaMontagne

Posted in Musik & Melodey on 1. März 2014 by Herr Grau

Er ist ein ehemliger Arbeiter aus einer Schuhfabrik, er hasst Aufmerksamkeit, Interviews und sogar Konzerte, teilweise spielt er sie hinter einem Vorhang oder vom Publikum abgewandt. Als seine Frau nach einer langen Tour seine geliebte Gitarre zerschlägt, ordnet er seine Prioritäten neu und lehnt für Jahre weiteres Touren ab. Nach allen Regeln der Kunst sollte Ray LaMontagne schon lange, laaange von der Bildfläche wieder verschwunden sein, hat das heutige Business doch wenig Geduld für PR-unwirksame, geschäftsschädigende Marotten von Künstlern – selbst wenn es sich um etablierte Stars handelt. Und der gute Mann ist mitnichten einer. Genau genommen hätte er also keine fünf Minuten überleben dürfen. Aber irgendwie – wie?! – ist Ray LaMontagne SO gut, dass es keiner übers Herz bringt, ihn fallen zu lassen. Wenn man seine Crazy-Version hört, mit der er es in die Herzen eines breiteren Publikums geschafft hat, schwant einem, wo der Ziegenbock den Honig haben könnte: Wenige haben derartig Gefühl, niemand so eine Stimme. Ja, er bedient ein abgestecktes emotionales Feld. Und ja, es ist auch nur eine Handvoll seiner Lieder wirklich genial. Man will ihn sicherlich nicht immer hören – aber in dem, was er tut, könnte er The One sein. Und das gibt es doch ausgemacht selten. Also, Ohren gespitzt.

Das berühmte Cover von Gnarls Barkleys ‚Crazy‘:

Von seinem ersten, noch privat verlegten Album ‚Acre Of Land‘ stammt dieser herrliche Streifen mit dem Namen ‚Still can’t feel the Gin‘:

Ich habe lange mit mir gehadert, ob hier die Live- oder die Studio-Version stehen soll. Dass ‚Empty‘ einer der traurigsten Tracks aller Zeiten ist, stelle ich nicht mal zur Debatte.

Und wem das Ganze gefällt, der kann ein sehr gut aufgenommenes Konzert aus den BBC FOUR Sessions hier finden (aus dem die gerade gezeigte Version von ‚Empty‘ nebenbei auch stammt):

Musik & Melodey #1 – The Milk Carton Kids

Posted in Musik & Melodey on 10. Januar 2014 by Herr Grau

Wie sich das gehört, will ich diese taufrische Kategorie mal mit einem Paukenschlag eröffnen. Ein leiser zwar, aber er trägt und resoniert umso länger, das kann ich versprechen.

the-milk-carton-kids

Die als The Milk Carton Kids bekannt gewordenen Musiker Joey Ryan und Kenneth Pattengale haben sich mit diesem NPR Tiny Desk Concert ein monumentales Denkmal gesetzt: Man könnte die Lieder als melancholisch, sogar traurig bezeichnen, vorsichtig, tief und zerbrechlich, aber wie alle großen Musiker nehmen sie uns dorthin nicht mit, um sich selbst zu bemitleiden, sondern um zu zeigen, dass sich hier, in dieser baresten und ehrlichsten aller menschlichen Stimmungen, große Schönheit finden lässt und sogar eine unerwartete Lebensfreude. Es ist eben nicht nur größtes Handwerk – der gute Herr Pattengale demonstriert mal eben die beste Gitarrenbegleitung, die ich in meinem gesamten Leben überhaupt gesehen habe -, es ist eine der seltenen Darbietungen, die reine Magie sein müssen. Es ist so gut, dass es die Qualität einer eitel geheimen Sünde hat, etwas, das zu lange in dunklen Tiefen verschlossen in uns lag und an das wir alleine nicht zu reichen können scheinen, nach dem wir uns aber wieder und wieder sehnen.

Wie mit so gut wie allen Musikern, die solch ein nicht zu leugnendes Stück Menschengeschichte geschrieben haben, muss man allerdings leider feststellen, dass der Rest ihres Schaffens diese Höhen nicht mehr erreicht. Die Lieder-Auswahl von NPR ist einmal mehr mit sicherster Hand mitten ins Schwarze getroffen.

Tür absperren, Ruhe. Dann dieses:

Neue Kategorie, Vorsätze, Geständnisse

Posted in Musik & Melodey, smile and look alive on 9. Januar 2014 by Herr Grau

Fröhliche Datumswillkürlichkeit, alle miteinand! Das fabrikfrische Jahr kommt glänzend und glitzernd und rappelvoll mit den wildesten Verheißungen. In meinem Fall heißt das vor allem: Examen. Dass ich darunter nicht so wahnsinnig aktiv werde sein können menetekelt sich daher schon recht absehbar an die Wände unseres schnuffeligen kleinen Blôqqs. Also ist die inhaltliche Brache endlich in einer angemessen Rechtfertigung angekommen. Ja, ich bin mir dessen schon bewusst, dass hier überall der verräterische rote Sand langer Trockenperioden herum liegt.

Und da man qualitative Unzulänglichkeiten traditionell mit buntem Licht, lauter Musik und einer überwältigenden Flut an Neuem kompensiert, gelobe ich, trotz eventueller Zeitknappheit mehr Beschickung Ihres ganz persönlichen Happy Place im Internetz. Also diesem Blog, nicht dass wir uns da falsch verstehen. Diesem Zweck halber habe ich just eine neue Kategorie eröffnet, die ich bis jetzt aus noch unerforschten Gründen verantwortungslos schändlich lange ignoriert habe: Wie das Feld der Musik von einem Menschen wie mir, der diese derartig lebt und atmet, unbeacktert bleiben konnte, ist völlig unklar. Ab jetzt also endlich auch das. Zeit war. Das Format steht noch nicht ganz fest, aber das pendelt sich schon ein. Im Idealfall bin ich in der Lage, mein recht großes Repertoire an Musikern und Musik, das ich schon immer sehr stark mit der Welt teilen wollte, in einem auch für mich vertretbaren Zeitrahmen in ganz herzzerreißend dolle Beiträge zu stricken. Win-win.

Auch sonst wird der 14er-Jahrgang hoffentlich einige Annehmlichkeiten bringen: Ein neuer Autor glüht am Horizont, es wird auch darauf hingearbeitet, dass die anderen Kontributoren dieser Netzseite sich wieder vermehrt die Ehre hier geben, ich bin frisch gewaschen und habe sogar eine Hose an – was hält uns also? Voran!