Archive for the The Hawthorne Catalyst Category

#Fakenews

Posted in The Hawthorne Catalyst on 7. Februar 2017 by J

Da haben wir nun den ersten multimedial bejooobelten „Fakenews“-Prozess. Eigentlich geht es dabei ja gar nicht um Fakenews, sondern um Verleumdung und die Verbreitung einer solchen. Beides ist und war, soweit ich das mit meinem Rechtsverständnis erfassen kann, schon immer ziemlich eindeutig verboten.

Aber man darf dennoch gespannt sein. Vielleicht können die Würzburger Richter ja auch etwas Licht ins Dunkel bringen, was Fakenews eigentlich sind. Oder kann mir das mal wer erklären? Sind das völlig frei erfundene Mitteilungen? Oder reicht ein bisschen Konfabulation, ein bisschen Dramaturgie bei der Präsentation? Oder sind das Mitteilungen die z.B. durch falsche Interpretation oder nur teilweise Darstellung der Sachlage Fälsche erlangen? Ist Vorsatz notwendig? Soll der Urheber oder auch die Verbreitung strafbar sein/werden/gewesen sein? Wer bestimmt eigentlich, was sachlich richtig ist? Je nach dem würde für viele Mitbürger, aber vor allem aber für meine Journalisten und Nachrichtensprecher die Luft doch recht alltäglich ziemlich knapp … ganz zu schweigen von Homöopathen, Impfgegnern, Astrologen, Glutenbefreiern und sonstigen in Ihrer Welt aber glückseligen Realitätsverweigerern.

In diesem Kontext muss die Frage erlaubt sein, wo eigentlich meine ganzen Verfassungsexperten aus den Tagen des Schmähgedichts sind, die so treffsicher wie possierlich Kunst- und Meinungsfreiheit verwechselten? Wo sind die T-Shirts, die mit Berufung auf eine durch die Verfassung gedeckte Freiheit, egal welcher, das Recht einfordern, andere Menschen mit oder ohne den Deckmantel des künstlichen Gedichts der Sodomie zu bezichtigen?

Ich zumindest halte es mit Volker Pispers, der da sagt: „Wir haben Meinungsfreiheit. Sie müssen noch nicht einmal nachdenken, bevor Sie was sagen.“ Das ist zwar nicht unbedingt schön, aber alles andere nennt man Zensur.

Die Grenzen der Meinungsfreiheit sind im Strafgesetzbuch hinterlegt. Jemanden ungerechtfertigterweise der Vergewaltigung zu bezichtigen ist keine Meinungsfreiheit und auch keine Fakenews oder sonstwas. Das ist eine Straftat, wie es Sie schon immer gegeben hat – lange vor Facebook. Und da war das übrigens auch schon verboten. Aber der Rest? Tja. Den Hype um das, was sonst so als Fakenews tituliert wird … da bin ich etwas ratlos.
Vielleicht schließen wir mit Orwell. 2+2=5.

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Mediathek im Staate

Posted in The Hawthorne Catalyst with tags , , , , on 30. Januar 2014 by J

Journalismus! Reportertum! Du super- wie capeloser möchtegern Clark Kent! Erkläre er sich!

Ist es, dass so viele meiner mündig geborenen und durch Deine Feder so erfolgreich misinformierten Mitbürger derart eindringlich Platz und Hoheit fordern, dass Du Ihnen nicht nur die Schlammgrube der geistig Armen, jenes Kommentarfeld dessen, was ein irrwitziger Hornberger Deiner Reihen als Onlineausgabe des Prints fehlinterpretierte mit dem klerikalen Getue eines förmlich mit deckellosen Büchsen vom Journalismusolymp um sich Werfenden beschertest, sondern neuerdings auch schlichtweg Dein ureigenstes Handwerk selbst an die Dich Beauftragenden zurückgabst(1)? Dass Du gar das Unbürgertum gleich Dir selbst stellst, dies neuen Journalismus preist(2)? Geht das denn? Ist Dein Olymp neuerdings per pedes, per Druck der Plastiktaste zu erklimmen? Ist das billig, und noch mehr: recht?

Wenn nämlich andererseits auch nur ein Mensch – oder Unmensch – gen Deine Würde und traditionell drogenfrei halluzinierte Unabhängigkeit den Finger erhebt, den kleinen, dann! Dann wehrst Du Dich nach Kräften, einem zappelnden Kinde gleich, verteidigst den Dir eigenen heroischen Berufsstand mit geübten Klischees von Goebbels bis Orwell, auf dass keiner ohne in feinstes Juchten gebundenen Journalistenpass mehr das Wort erhebe gegen Ihn, den Qualitätsjournalismus! Und wird gar langsam die Suppe knapp, so ist‘s doch Zeit zu beteuern, wie sehr man sie sich verdient hat. Dann kömmt doch lieber erstmal das Fressen und dann die Bigotterie. Trotz derlei Gebaren wirst doch noch nicht Unglauben gestraft – Hosanna, geht das mit rechten Dingen zu?

Hast Du denn vor lauter Slomkas, Augsteins, Murdochs und Diekmanns vergessen, wer Dich gebar? Du bist einst hervorgegangen aus der Idee eines freien Mitmenschentums, das zu schützen Dir auferlegt war: Freiheit machte Deine hedonistischen Gedeihen erst möglich! Freiheit, also, sollst Du zu allervorderst schützen! Mit Information, mit Analyse! Mit Recherchen, die aufdecken, was unsere engsten Ausgewählten uns veruntreuten. Sollst uns vor Augen halten, wo wir wider Willen betrogen werden – und wo es mit unserer stillen Billigung zugeht. All das eben, wofür unsereins, der wir auch für Dich die Schippe schwingen, modernerdings keine Zeit mehr eingeräumt wird, obgleich wir doch wahlmündig zu bleiben bestrebt sind. Du warst Kontrolle und Schule, Retter der freien Gesellschaft!

Dieses Erbe hast Du in den Händen von 1-Euro-Schreibern gelassen, ehrliches – und anstrengendes – Handwerk durch Nachplapperei und Schlagzeilen aus der tieften Trickkiste der Dramaturgie ersetzt. Es ist Deine Schuld, und Deine ganz allein, dass das Volk, das Dir zu schützen auferlegt war, in rasender Schnelle erblödet, seine politische Mündigkeit einem hippen „Dagegen“-Opportunismus aufopfert und den Unterschied zwischen Wissen und Meinen nicht mehr kennt, ja nicht einmal die Bildung selbst noch als Ideal erkennt, nur derart konditioniert, damit es Deine Unzulänglichkeiten nicht mehr zu erkennen weiß. Deine! Und was machst Du? Anstatt weiter still die Boulevardisierung des Journalismus vorranzutreiben, da hebst Du ein Interview mit sachlicher Fälsche und der Fragetechnik eines zweijährigen Kindes zur neuen Maxime des Journalismus?
Welcher Dämon hat Dich beschlichen? Welches Suppenkraut Dir das Gehirn vergoren!

Am Tag Deines Todes wenden wir uns sogennanten „Satirikern“ zu, Deine nun vakante Aufgabe zu erfüllen. Uns Hintergründe zu erläutern, unser Sein betreffende Sach- und Haltungsverhalte darzustellen und die Eingewählten unter Beachtung von Sinn und Sachlichkeit zu hinterfragen. Und uns dabei die hässlichste aller Wahrheiten heiter zu verkaufen: Wie schlimm es um unsere Mündigkeit steht.
Oder Ist ein Sträuben gegen journalistischem Dadaismus gar wider der Natur? Ist die Utopie des mit seinem geistigen Limes gen Omniszienz informierten Gesellschaftsteilhabers in Wirklichkeit Gefahr derselben? Ist Pispers Ausruf(3) doch als zynische Drohung zu verstehen? Hast Du nur längst begriffen, dass Wissen ohne Handungsintegrität, Moral und einen Funken Altruismus nur zum schlimmeren Teufel gereicht? Schützt Du uns auf diese Weise? Ist denn die Lakonie des Thomas Gray in Wirklichkeit eine Abkürzung gen einzigem Ausweg aus dem Totalitarismus des informierten, partizipierenden Bürgertums in die Well’sche Glückseligkeit?

Dann auf! Auf! Garcon, bereite er seinen liquiden Gesellschaftsentwicklungsbeschleuniger. Ich will vergessen.

1:Leserartikel
2:zB Huffington Post
3:„Was glauben sie was hier los wäre, wenn mehr wüssten, was hier los ist!“

Monday, December 16, 2013

Rehabilitation – Teil 1

Posted in The Hawthorne Catalyst with tags , , , , on 30. Januar 2014 by J

Eine Kneipe. Ein situationsgeschuldeter Doppelter. Die Wahl zwischen Jack, Jim und was mit Torf im Tank fällt leicht. Man platzt am Tresen.

Hinter jenem gibts unaufgefordert und umsonst mindestens 50 Jahre geballte, weibliche Erfahrung am zumindest als ein solches empfundenen Leben. War mal eine blondierte Dauerwelle – jetzt? Schwer zu sagen. Der Thekenbetrieb, wenn er auch nach kritischer Selbsteinschätzung nur eine freiwillige Tätigkeit zum Einkommenserwerb war und ist, hinterließ Spuren. Allen vorran mindestens 50 Jahre Rauchgebot in geschlossenen, zur Not auch heimischen Räumen – wobei diese Differenzierung, so schwört die Erscheinung mittels nonverbaler Zaunpfahlkommunikation, mit der Zeit wohl verloren ging. Rauchtätigkeiten hier untersagen zu wollen, scheint pathognomonisch für schwereren Realitätsverlust – den von der unguten Sorte.

Ja, Whiskey geht auch im Cola Glas. Scheisse im Glas is Scheisse im Glas – und wenn da Ed Hardy und Louis Vuitton persönlich rein uriniert haben. Nein, ich möchte trotzdem nichts anderes.

Wenn der Chef den Laden nicht schon seit 20 Jahren schließen würde, wäre dies stichhaltiger Beweis, dass es sich bei dem Etablissement um einen ostasiatischen Nachbau handelt. Dass er hauptberuflich ohnehin eher Geißbock und Karnevalist ist, auch schon mal als Indianer aushilft – zu dieser überraschenden Information heuchelt man gerne etwas Mitgefühl und Anteilnahme. In einer Stadt voller Menschen mit grenzwertiger, aber aus kulanzgründen staatlich anerkannter Fähigkeit zum Menschsein herrscht die tiefe Überzeugung, dass Glückseeligkeit und Frohsinn – auf nicht undeutsche Art – fest terminiert und gut geplant werden können und müssen. Vielleicht glauben Sie jedoch auch, dass Glückseeligkeit und Frohsinn, in diesem Zusammenhang übrigens von überzeugender Redundanz, nur eine Frage der Tiefe des Glases – oder neuerdings des Pappbechers ist. Mit spitzem Bleistift durchdacht verarschen uns diese Schmuckeremiten mit dieser semantischen Akrobatik nun schon seit Jahrhunderten und schufen unter der Fuchtel der Kirche eine gesellschaftliche Akzeptanz, ney, einen gesellschaftlichen Zwang zu Druckbetankung, lustigem Anmalen und kollektivem Scheissesein.

Im Laufe des Abends streift es auch noch Politik und Kirche, das, so zirzt es von hinter dem Tresen, Schlimmste am Tresen. Jeder kann so religiös sein, wie er will, aber er solls nich ausatmen. Da is was dran. Man weiß nich was, aber da is was dran.

Zwei Stunden später ist man zwar nicht unbedingt klüger, weiß aber so einiges mehr über Prominenz, Provinzkicker und die örtlichen Promillesäfte und dabei in gleichem Maße statistisch signifikant weniger, warum man überhaupt hergekommen ist – und muss zugeben:

The art of Barkeeping is fucking alive – und das ausgerechnet in Köln.

Wednesday, November 16, 2011

GEZ 2.0

Posted in The Hawthorne Catalyst with tags , , , , , , on 30. Januar 2014 by J

Stellt Euch mal vor, die GEZ würde Euch gar nicht mehr besuchen. Sondern gesetzlich zwingen, jedes Jahr ein eidesstattliches Manifest über den Umfang eines jeden Eurer Multimediaparks zu verfassen – und dieses mit einem Einkommensnachweis zur Abschätzung der individuellen Schöpfbarkeit zu flankieren. Du Tor, werdet Ihr sagen, weißt Er denn nicht, dass die Mediengebühr kömmt?!

Die Damen und Herren Gebühreneintreiber sind dermaßen beseelt von Menschenwürde und mitmenschlichem Respekt, dass sie diese nunmehr zur Einheitsbasissteuer umfunktionierte Propagangaabgabe in all ihrer bürokratischen, demütigenden Tiefe im Dunkeln verborgen von unseren Augen aushecken werden. Die bisherige Schuldvermutung wird durch ein Generalschuldfaktum ersetzt. Der Wegelagerei soll schliesslich ein Ende gemacht werden. Deswegen muss nun folgerichtig dem Wegelagerer die Beute frei Haus zugestellt werden. Sicherlich beschleicht den ein oder anderen Demokratierneuling noch hier und da ein leichtes Unwohlsein, vielleicht auch eine gewisse Beklemmung im Randgebiet des allgemeinen Menschenverstandes – wir aber wissen längst, dass die fehlende logische Nachvollziehbarkeit, die „Sinnwidrigkeit“, der zu an ihrer Entstehung nötige, mutmaßlich abzuschätzende Drogenkonsum politischer Entscheidungen ein treffliches Gütesiegel eben jener Vorgänge ist und auf diese Weise den Glanz unserer jungen Demokratie nur mehren kann. Daher halten wir hübsch still, lächeln wohlwissend und schauen lieber über die Alpen (ein Blick mit Tradition!) und mockieren uns über den polygamen Rentner.

Nun ist die GEZ in Sachen modernen Raubgeschäfts entgegen allem Aberglauben nicht das sprichwörtliche letzte Wort. In der Überwindung hinderlicher Humantität ist ihr nicht nur aus semantischen Gründen das Arbeitsmodell „Ärztekammer“ weit vorraus: Ein elitärer Zirkel akademisch zweifelhafter Retortenheiler, die nach dem Setzen von 320 glücklich platzierter Grabeskreuze der Bleistärke HB sowohl zwangs- wie lebenslang zum Dienst am Scheckheft eingezogen werden. Nun darf man seinem Medizinmann zwar in Sachen Geschlechtskrankheiten, Sterbehilfe und rektaler Vorsorgeuntersuchungen blind vertrauen, so ziehmt es sich dennoch bei der Tributentrichtung, das Hinterteil flugs wieder zu und die Augen auf zu machen. Dies weiß natürlich auch die Kittelinnung und fordert leichter Hand einen Einkommensnachweis, am besten fiskaler Zeichnung.

Dies ist natürlich nötig, denn auch die Führung jeder Menschenmasse größer 2 braucht gewaltigere bis gewaltätigere Mittel, auch finanzielle, je dicker es um die Sparstrümpfe der zu Führenden bestellt ist – allein des Gewichtes wegen. Als Bauer hört man ja auch nich nach dem halben Feld auf, nur weil man jetzt genug Korn für Brot und Gärgetränk beisammen hat. Man kann damit schließlich auch noch ganz formidabel Flöße basteln, gedankenversunken auf Halmen kauen und es in Ballenform feierlich verbrennen. Die weißbemantelten Führer geben sich mit Diäten, schönen Bauten und einem periodischen Briefkastenstopfer mit Kinderbuchdesign (und Inhalt) zufrieden. Gott sei Dank in der Höhe. (Aus der Kirche kann man übrigens austreten)

Nun was tun? Als guter Christ hält man den anderen Geldbeutel hin. Aber im nächsten Jahr kommter doch wieder, der Lump. In größter Not wendet man sich als Deutscher immer an Leitfiguren. Da es jedoch derzeit keine gibt (Peter Griffin ausgenommen), nimmt man eben eine, die keine ist. Einen Gaukler. Schauspieler. Der da spricht: „Wenn Dir einer doof kommt, musste dem noch döfer kommen.“

Gesagt getan. Ich gründe hiermit die Pfosteninnung. Zwangsmitglied ist jeder, der nicht schlau genug war, vor der Geburt die Kurve zu kratzen. Beitragssatz sind einheitlich 10 Mark, die jeweils am 1. eines jeden Jahres zur Erinnerung an die Gründung des Deutschen Wegelagertums 1973 verpflichtend im nächstgelegenden Scheisshaus mittels Spülung zu entrichten sind.

„Die Aufforderung […] als solche ist nicht angreifbar.“ (Zitat aus dem Bescheid der ÄKWL)

Wednesday, February 16, 2011

Das große Menscheln

Posted in The Hawthorne Catalyst with tags , , , , , , , on 30. Januar 2014 by J

Die Frau sah aus wie ein wuchtiges Denkmal alimentärer Lebensbewältigungsstrategien – mit Kurzhaarschnitt. Nun hielt es offenbar irgendjemand für opportun, diese wandelnde Kampagne gegen – oder für die Totsünde der Völlerei nicht nur in parteifarbendes, frohes Tuch zu wickeln, nein, sie gleich zur Staatssekretärin für Gesundheit, Emmanzipation, Kastration und verbale Euthanasie (oder so ähnlich) zu erheben. Das wirft natürlich die Frage auf: Wie kam es dazu? Am äußeren Schein lag es nicht.

Vielleicht also an ausgefeilter Rhetorik? Mit großen Worten nichts zu sagen ist schlussendlich Pflichtfach und ungekrönte Paradedisziplin eines jeden Volksbetrügers – und hat so manchem Meinungshehler schon an kalten Tagen ein warmes Essen beschert. Nun war ihre Wortgewandheit tagesformbedingt nicht ganz en par mit Seneca und Cicero. Vielmehr gab sie nach zwei mehrfach durch Ratlosigkeit am Wort unterbrochenden Sätzen offen zu, etwas unvorbereitet Oden aus fremder Feder vorzutragen. Leider wollte ihr auch das nicht so recht gelingen.

Nun denn. Kompetenz? Ich möchte hier zum einen aus Rücksicht auf eine etwagige Leserschaft darauf verzichten, im einzelnen auf die in ihrer sachlichen Richtigkeit äußerst gewagten, zumindest aber in ihrer Gesamtheit stark Besorgnis erregenden Aussagen (Highlights: die Vorzüge der Minderheitsregierung: ‚Nur da geht es um die Sache‘, Patientenselbstbestimmung als größtes Problem des Gesundheitswesens im 21. Jhdt) einzugehen, zum anderen gebietet es die Fairness, die Frau Staatssekretärin nicht an Thesen zu richten, an deren Entstehung sie nicht beteiligt war – und zu deren Darbietung sie aufgrund mangelnder alternativer Manuskripte gezwungen war.

Bleibt noch die Küngelei. Nun, die Resonanz ihrer Vorstellung erreichte nicht ganz die menschelnde Euphorie eines JFK. Doch möchte ich einer jeden Person jegliches zwischenmenschliches Verständnis absprechen, deren einzige Reaktion – trotz dreifachem Zeiteinsatzes – von ein paar wirklich masochistischen Wählern abgesehen, darin bestand – nun, ich will es so sagen: Hätte der Mob auch nur über eine einzige Mistgabel verfügt, so hätte die gute Frau den Tag auf einem brennenden Heuhaufen beendet.

Fazit: Wer Staatssekretär(in) werden will, muss einen verdammt guten Kaffee kochen.

Wednesday, November 24, 2010

Erkenntnisse aus der Maybrit Illner Show

Posted in The Hawthorne Catalyst with tags , , , , , , , , on 30. Januar 2014 by J

Chem Özdemir’s ebenso schmerzhafte wie zahlreiche Vergleiche mit der beliebten Komperativ plus „wie“ Satzfigur prügelten den Zuhörer fast zum Abschalten, als ich seine folgende, das ganze opportunische Gefasel in sich vereinende Forderung vernahm:

„Wir müssen unsere Kranken besser ausbilden!“

Das ist natürlich mehr als nur ein Versehen. Das ist vor allem richtig! Nur am Krankenbett ist der Bundesbürger noch bildungsfauler als daheim bei Wein und Weib, wo der Allgemeinheit – nebenbei bemerkt – auch die bezahlte Abwesenheit von Gesell- und Wirtschaft deutlich billiger kommt.

Hiermit möchte ich öffentlich (zumindest theoretisch kann es jeder lesen!) drohen, die Ergüsse dieses derzeitig auf gleich diversen Planken torkelnden Sozialdemokraten und Hobbygenetikers zu lesen – so denn es mir jemand zur Verfügung stellt und ich mit Obamas Ferienlektüre fertig bin (in dem urbanen Englisch amerikanischer Großstädte werde ich mich nie wohlfühlen). Ich möchte wissen, was das für ein bewußtseinserweiternder Nimbus ist und wie man sich einen solchen aus Wort und Schrift erheben läßt, dass einem die Muse so dermaßen das Hirn rausvögelt.

Dann war da noch ein Schweizer, der vergeblich versuchte, dem zusammengepferchten Einbildungsbundesbürgertum das mit der freien Meinungsäusserung sinnvollerweise einhergehende Konzept der Diskussion zu erklären. Resignierend erklärte er den sich in einkonditionierten rhetorischen Reflexen bis zur Taubheit Verhedderten, die Republik sei ja schliesslich auch noch recht jung. Das ist beruhigend. Ich dachte immer wir seien (um es mit den unsterblichen Worten meines Lateinlehrers zu sagen) schlicht zu blöd.

Thursday, September 2, 2010

Das Linke Spinner

Posted in The Hawthorne Catalyst with tags , , , , , on 18. Januar 2014 by J

Die Deutsche Bahn scheint ausgewählte Stammkunden neuerdings mit Kuhmistodeur zu begrüßen. Während ich noch kurz versuchte, dieses olfaktorische Attentat näher zu charakterisieren, trieb mich mein Selbsterhaltungstrieb – in der naiven Illusion, die nächste Schwingtüre wäre dem Nebel eine Schranke – weiter in den Zug hinein. Und tatsächlich: Ich fand einen freien Sitzplatz. Doch ein neuerliches Geruchserlebnis lies mich zögern. Den angebissenen Hundeknochen neben den Sitz wertete ich als Bestätigung, dass es sich bei dem Geruch um caninen Urin handeln musste.

Der Zug fuhr an. Dies war wohl der Schlüsselreiz für drei Kinder in maximal Metergröße, aus dem Abteil am vorderen Ende unseres Sitzplatzensembles zu stürmen und – wohl ganz ohne Training in Camps des Nahen Ostens – ihr Talent als Zwergenterroristen zu demonstrieren. Fenster wurden schreiend betrommelt, an Geländern gerissen und geschaukelt, die umsitzenden Langweiler konsequenterweise mit Müll beworfen und die zwei biologisch zumindest anteilig verantwortlichen Individuen intermittierend und abwechselnd angeschrien oder in einer Weise bearbeitet, für die an Jahren Ältere schon wegen Vergewaltigung verurteilt wurden. Einer der Zuchtguerillias hatte ein besonders freiheitliches Ritual: Er setzte sich auf den Boden, rieb abwechselnd die Öffnung und den Boden seiner 0,5L pet Flasche auf dem Boden und leckte dann daran. Plötzlich konnte ich dem Uringeruch etwas Positives abgewinnen.

Ich betrachtete diese hilflosen Wesen, die sklavisch hinter der anarchischen Brut herräumten: eine schwarzhaarige, dünne Frau in Sandalen, regenbogenfarbendem Gehrock und gelbem T-Shirt mit dem Konterfei von Ché Gevara und eine hochgewachsene auf blond gefärbte, gebräunte Frau in unauffälligerem Outfit. Letztere sah zwar auch für ihr postpeak Alter ziemlich gut aus, verscherzte sich aber die dadurch gewonnenen Symphatien durch ihren Mix aus einem stark durch einen zweifelsfrei deutschen Akzent kompromittiertem Englisch und einzelnen, wahllos eingestreuten deutschen Wörtern. Angeblich eine Südafrikanerin. Naja, wahrscheinlich aus Moabit.

„Können die Kinder etwas leiser sein!“ brüllte eine nach Gymnasiallehrerin prä Frührente aussehende Frau in der Reihe vor mir. Mit dem angebrachten Zweifel in der eigenen Antwort rief eine der Mütter „Wir versuchen es!“. Was folgte war ein halbstündiger steter Wechsel aus Beschwörungen und Bestechungsversuchen. Vergeblich. Die aufgeheizten Gnome waren unbestechlich. Interessanterweise war schliesslich durch die Anwednung eines Biene Maja Hörspiels der Lärmpegel und somit auch die damit in exponentiellerweise verbundenen Kollateralschäden deutlich zu senken. Biene Maja schlägt vandalisierende Antichristen. Ob Nietzsche das wusste?

Leider gab dies den Müttern Gelegenheit zur Unterhaltung. „Meine Eltern sind ja total links“, tat die Regenbogen-gewandete Frau kund, „aber als ich in so’m Magazin gelesen hab ‚das Merkel‘ – da musst ich mich doch hinter die stellen! Solidarität und so!“ und fügte leise hinzu „A-Aber politisch, politisch sind die Merkel und ich – So!“.

„Das linke Spinner“ ist also weiblich.

Thursday, August 26, 2010

Vagabund

Posted in The Hawthorne Catalyst on 18. Januar 2014 by J

Moin.

Wie schon angekündigt, werde ich nun hierhin migrieren. Das spart. Was, weiß man nicht. Dann also demnächst die alten Texte, und vielleicht auch mal was Neus. Also dann.